26.01.2012 · Die Überschussbeteiligung ist erstmals unter 4 Prozent gefallen. Die Versicherer müssen deshalb nun Milliarden nachreservieren - auf den Sparanteil ihrer Police.
Von Philipp Krohn, KölnWer vor rund 15 Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen hat, kann sich glücklich schätzen, denn durch seine Garantien schneidet er inzwischen besser ab als ein Kunde mit jüngeren Verträgen. Erstmals schreiben ihnen die deutschen Versicherer in diesem Jahr durchschnittlich weniger gut, als sie in älteren Verträgen garantiert haben. Die laufende Verzinsung der am weitesten verbreiteten privaten Rentenversicherung sank im Branchenschnitt von 4,07 auf 3,91 Prozent. Dies zeigt eine Untersuchung der Ratingagentur Assekurata, die am Donnerstag in Köln vorgestellt wurde. Die laufende Verzinsung hat damit erstmals den Wert von 4 Prozent unterschritten, der in den neunziger Jahren noch als jährliche Garantie in den Verträgen festgeschrieben war. Dieser Zinssatz wird den Kunden auf den Sparanteil ihrer Police angerechnet - also auf den Betrag, der nach Abzug aller Kosten noch in die Altersvorsorge geht.
Für Neukunden sind die Policen deutlich weniger attraktiv geworden: Weil der Rechnungszins vom Bundesfinanzministerium um 0,5 Punkte auf 1,75 Prozent gesenkt wurde, fällt die zugesicherte Beitragsrendite einer privaten Rentenversicherung mit 25 Jahren Laufzeit unter 1 auf 0,92 Prozent. Da die Versicherer aber zusätzlich zu der garantierten Leistung eine Überschussbeteiligung sowie am Ende der Laufzeit einen Schlussüberschuss und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven auszahlen, ist die tatsächliche Rendite auf die Beiträge höher. Würden die Unternehmen in den kommenden 25 Jahren jedes Jahr so viel ausschütten wie in diesem Jahr, erhielten die Kunden durchschnittlich 3,66 Prozent Rendite auf die gezahlten Beiträge (ohne Schlussüberschuss).
Grund für die starken Rückgänge ist die Lage am Kapitalmarkt. „Es besteht ein Anlagenotstand. Es wird immer schwerer, eine auskömmliche Rendite zu adäquatem Risiko zu erzielen“, sagte Reiner Will, Assekurata-Geschäftsführer. Noch im vergangenen Jahr spiegelte die Gesamtverzinsung eines damals abgelaufenen Vertrags die Misere am Finanzmarkt nur verzerrt wider. Wegen der marktbreit niedrigen Zinsen, stiegen die Kurse der Wertpapiere im Portfolio der Versicherer, weshalb sie 2011 überdurchschnittlich hohe Bewertungsreserven auswiesen, an denen sie ihre Kunden beteiligen mussten. In diesem Jahr dagegen waren diese Reserven geringer, weil die Risikoprämien vieler Papiere stiegen. So sank die Gesamtverzinsung, die alle Zinskomponenten beinhaltet, in diesem Jahr in einem ungewöhnlich großen Schritt von 5,03 auf 4,75 Prozent des Sparanteils.
Dies betrifft die rund 78 Millionen deutschen Lebensversicherungen, die nach dem Modell einer klassischen Police konstruiert sind. Bei den etwa 13 Millionen fondsgebundenen Policen dagegen hängt der Anlageerfolg vom individuell ausgewählten Fondsprodukt ab. Für die Versicherer hat das gesunkene Niveau der Zinsen am Kapitalmarkt unangenehme Folgen. Sie müssen Geld aus ihrem Sicherheitspuffer nachreservieren, um sicherzustellen, dass sie die Verträge mit vierprozentiger Garantie aus der Vergangenheit erfüllen können. Sie machen immerhin noch einen Viertel des gesamten Bestands an Policen in Deutschland aus. Wenn ein Referenzzinssatz, der sich aus dem Mittel europäischer Staatsanleihen mit der höchsten Bonität der vergangenen zehn Jahre errechnet, unter 4 Prozent sinkt, zwingt das Finanzministerium die Unternehmen nachzureservieren. Das erforderliche Volumen von 1,5 Milliarden Euro entspricht rund einem Zehntel des Rohüberschusses im Jahr 2010.
Eine kuriose Entwicklung zeigt dagegen eine aktuelle Untersuchung des Branchendienstes Map-Report: Obwohl immer weniger Kunden eine Kapitallebensversicherung mit integriertem Todesfallschutz abschließen, gewinnt dieses Produkt in der Krise sogar an Attraktivität. Zwar leidet es ähnlich wie die private Rente unter dem Anlagenotstand. Allerdings steigen die Risikogewinne der Gesellschaften, weil die Lebenserwartung zunimmt und immer weniger Todesfallleistungen ausgezahlt werden müssen. Bei jedem fünften der befragten Versicherer führte das sogar zu einer steigenden Überschussbeteiligung. So bekäme etwa ein heute 30 Jahre alter Kunde, der zwölf Jahre lang insgesamt 14.400 Euro einzahlt, bei der am drittbesten plazierten Interrisk mit Vertragsbeginn 2012 18.990 Euro ausgezahlt, wenn die Beteiligungen konstant blieben. Hätte der Vertrag im vergangenen Jahr begonnen, wären es 110 Euro weniger.
„Weil das Kapitalmarktumfeld noch so volatil ist, sind weitere Senkungen der Überschussbeteiligungen wahrscheinlich“, prognostiziert aber Assekurata-Geschäftsführer Will. Die Versicherer könnten ihre Produkte derzeit kaum noch über eine attraktive Rendite verkaufen. Die Bedeutung von Garantien indes hätte sich gewandelt. Seien sie noch vor einigen Jahren als zuverlässiger Inflationsschutz tauglich gewesen, dienten sie heute dazu, die mögliche Fallhöhe eines Vorsorgeinvestments zu begrenzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.843,87 | −0,93% |
| FAZ-INDEX | 1.524,59 | −0,88% |
| TecDAX | 777,52 | −1,00% |
| MDAX | 10.380,20 | −0,84% |
| SDAX | 5.072,21 | −0,82% |
| REX | 421,52 | +0,23% |
| Eurostoxx 50 | 2.519,00 | −0,89% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,41 | −0,89% |
| Dow Jones | 12.938,70 | −0,21% |
| Nasdaq 100 | 2.579,78 | −0,40% |
| S&P500 | 1.357,66 | −0,33% |
| Nikkei225 | 9.595,57 | +0,44% |
| EUR/USD | 1,3279 | +0,23% |
| Rohöl Brent Crude | 122,83 $ | +0,15% |
| Gold | 1.752,00 $ | +0,23% |
| Bund Future | 138,83 € | −0,02% |