08.02.2012 · Die zweite Hälfte des vergangenen Jahres war für europäische Wandelanleihen unerfreulich. Jetzt legen die Kurse und die Nachfrage wieder zu.
Von Gerald BraunbergerSeit Jahresbeginn steigen neben den Aktienkursen auch die Renditen von Wandelanleihen europäischer Emittenten deutlich. Dies ist ein Resultat des Zwittercharakters der Wandelanleihe. Sie ist wie eine normale Unternehmensanleihe mit einem Kupon und einer festen Laufzeit ausgestattet, besitzt aber zusätzlich das Recht einer Umwandlung der Anleihe in Aktien des Unternehmens zu vorab festgelegten Konditionen. Die Rendite eines „Wandlers" orientiert sich an der Entwicklung des Anleihe- und des Aktienmarktes und so profitieren die Wandelanleihen derzeit von den steigenden Aktienkursen.
Nach Ansicht des auf Wandelanleihen spezialisierten Fondsanbieters Salm-Salm & Partner sind Wandelanleihen europäischer Emittenten im Vergleich zu normalen Unternehmensanleihen immer noch zu billig. So rentieren Wandelanleihen derzeit oft noch 80 Basispunkte höher als normale Unternehmensanleihe desselben Emittenten. Das bedeutet, dass dem Wandlungsrecht in Aktien keinerlei Wert zugebilligt wird.
Europäische Wandelanleihen bilden aber nur rund 20 Prozent des globalen Marktes für diese Papiere. Rund 40 Prozent des Volumens stammen von amerikanischen, weitere knapp 30 Prozent von asiatischen Emittenten. Früher waren Hedgefonds die wichtigsten Käufer. Seit der Finanzkrise nimmt der Anteil traditioneller Fondsgesellschaften zu.
Der Kauf einzelner Wandelanleihen ist für Privatanleger möglich, setzt aber gute Kenntnisse des jeweiligen Emittenten und der spezifischen Eigenschaften der jeweiligen Anleihe voraus. Daher beteiligen sich sogar Großanleger an Wandelanleihen üblicherweise über den Kauf von Anteilen spezialisierter Fonds. Allerdings gibt es nahezu keine börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf Wandelanleihen, bei denen der Fondsmanager nur versucht, sich an einem Index zu orientieren. Zu den wenigen Ausnahmen gehört der SPDR Barclays Capital Convertible Securities ETF, der einen amerikanischen Wandelanleihen-Index nachbildet und der vor allem in Papiere großer amerikanischer Emittenten investiert.
Ein wichtiger Grund, warum kaum Indexfonds existieren, ist in Eigenarten des mit Abstand wichtigsten Index, des UBS Global Convertible Index, zu suchen. Er wird jeden Monat neu angepasst und beinhaltet auch wenig liquide Papiere, die ein Fondsbetreiber ungern kauft. Er berücksichtigt zudem nicht die Kosten, die einem Investor durch die 30 bis 40 Basispunkte umfassenden Spannen zwischen An- und Verkaufskursen entstehen. Diese Eigenschaft des UBS Global Convertible Index sorgt dafür, dass er auch von aktiven Fondsmanagern nicht leicht zu schlagen ist. Tatsächlich zeigen Untersuchungen, dass selbst von den besten aktiven Fondsmanagern viele in den fünf vergangenen Jahren schlechter als der Index abgeschnitten haben.
Bedeutende Fondsgesellschaften haben auch Wandelanleihen-Fonds im Angebot. Der größte Publikumsfonds in Deutschland ist der DWS Convertibles mit über einer halben Milliarde Euro Fondsvolumen. Es gibt aber auch spezialisierte Anbieter wie Salm-Salm & Partner in Deutschland oder Fisch Asset Management in der Schweiz. Fisch verwaltet Kundenvermögen über 5,2 Milliarden Franken und versteht sich als Marktführer.
Es existieren heute nur knapp 50 Fonds, die eine globale Anlagestrategie verfolgen, von denen 26 Fonds seit mindestens 5 Jahren am Markt sind. Der Rückzug vieler Hedgefonds und die Entdeckung der Wandelanleihe durch traditionelle Fondsgesellschaften und ihre Kunden erklärt den hohen Anteil an Neugründungen, die eine geeignete Fondsauswahl erschweren. Ein deutsches Family-Office hat in einer internen Untersuchung den MAN Convertibles Global (MAN Investments), den RWC Global Convertibles Fund (RWC Partners) und den HAM Global Convertible Bond Fund (Holinger Asset Management) als die ihres Erachtens derzeit besten globalen Wandelanleihen-Fonds erkannt.
Ein Vergleich dreier, seit langer Zeit am Markt befindlicher Fonds der DWS zeigt den Reiz des „Wandlers". Der DWS Convertibles hat langfristig besser abgeschnitten als der globale Aktienfonds DWS Akkumula und der globale Staatsanleihenfonds DWS Global Gov-Bonds.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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