05.03.2010 · Schwellenländer-Anleihen in lokaler Währung haben es Fondsmangern derzeit angetan. Doch die Strategie lässt sich kaum kopieren - mangels Angebot, vor allem aber aufgrund der hohen Wechselkursrisiken.
Von Martin HockNeben Hochzinsanleihen gehören im Jahr 2010 auch Schwellenländer-Anleihen zu den Anlageklassen, die Fondsmanager präferieren und Renten-Analysten schätzen. Vor allem Anleihen in heimischer Währung haben es den Profis angetan: gute Bonitätsnoten, hohes fiskalpolitischen Ansehen lassen die Papiere sicherer erscheinen als je zuvor. Zudem böten sie geringere durchschnittliche Restlaufzeiten.
Steven Gardyn, Rentenfondsmanager bei der belgischen Gesellschaft KBC, aber setzt wie Bareau und viele Kollegen vor allem auf eine Aufwertung der Währungen, nicht zuletzt aufgrund der höheren Wachstumsdynamik vieler Länder.
Eingeschränktes Angebot
Ob man als deutscher Anleihenanleger dem Rat der Profis unbedingt folgen sollte, ist eine andere Frage. Zuallererst wird es mangels Angebot schwierig. Lediglich aus fünf Ländern werden in Landeswährung denominierte Anleihen an deutschen Börsen gehandelt: vornehmlich aus Ungarn, Tschechien und Südafrika. Zudem gibt es noch Papiere aus Brasilien und Argentinien, wobei sich letztere aufgrund ihrer langen Laufzeiten, inflationsindexierten Kupons und der geringen Kreditwürdigkeit des Landes nicht als Investition anbieten.
Die Verlockung der übrigen Papiere liegt vor allem in den gegenüber Euro-Anleihen der gleichen Emittenten oftmals höheren Renditen. So rentiert die im Januar 2016 fällige brasilianische Real-Anleihe mit mehr als 9 Prozent, wohingegen die 2015 und 2017 fälligen Euro-Anleihen nur 3,6 bzw. 4,4 Prozent abwerfen. Auch die Rendite von Ungarns im Februar 2013 fälliger Forint-Anleihe übertrifft mit 6,7 Prozent die der 6 Tage früher fälligen Euro-Anleihe von 3,4 Prozent bei weitem.
Rand-Anleihe ohne Ertrag in Euro
Doch die höheren Renditen sind nur ein unvollkommener Schutz gegen das Währungsrisiko, das sich Anleger mit Fremdwährungsanleihen ins Depot holen. Vergleicht man auf die Erträge, die ausgewählte Fremdwährungsanleihen in den vergangenen Jahren in fremder Währung bzw. Euro erbracht haben, so wird eines deutlich: Fremdwährungsanleihen sind Devisenspekulationen.
So brächte eine im Juli 2005 erworbene südafrikanische Rand-Anleihe mit Fälligkeit Januar 2014 beim Verkauf in heimischer Währung einen Ertrag von mehr als 6 Prozent jährlich. Umgerechnet in Euro jedoch sinkt der Ertrag auf 0,05 Prozent - eine Folge einer mehr als 20prozentigen Abwertung des Rand. Im Januar 2009 etwa war der Wert der halbjährlichen Zinszahlung um fast die Hälfte gegenüber dem Januar 2006 gefallen.
Wer zum gleichen Zeitpunkt die im Mai 2013 fällige Euro-Anleihe des Landes gekauft hätte, könnte heute dagegen immerhin im Jahresmittel einen Ertrag von rund 4 Prozent verbuchen. Dabei ist der Kurs der Euro-Anleihe seitdem sogar um 3,7 Prozent, der der Rand-Anleihe lediglich um 2,7 Prozent gefallen. Zudem liegt der Rand-Kupon bei 7,5 Prozent, der Euro-Zins lediglich bei 5,25 Prozent.
Währungsplus in Brasilien
Doch auch bei weniger starken Wechselkursschwankungen geht die Rechnung oft nicht auf. So brachte die 2013 fällige ungarische Forint-Anleihe in Landeswährung seit Februar 2003 einen jährlichen Ertrag von 6,2 Prozent - in Euro jedoch nur 4,9 Prozent - weniger als die seinerzeit begebene Euro-Anleihe mit 5,7 Prozent.
Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Wer etwa vor 2 Jahren die 2016 fällige brasilianische Real-Anleihe erworben hatte und diese nun verkaufte, könnte sich über einen Ertrag von 16 Prozent in Real freuen - und darüber dass ihm die Wechselkursentwicklung noch ein Renditeplus von 2,6 Prozentpunkten beschert hat. Wer sich dagegen damals für die 2015 fällige Euro-Anleihe entschieden hätte, müsste sich mit 10,85 Prozent begnügen - was indes aber auch kein schlechtes Ergebnis ist.
„Buy-and-hold“ funktioniert nicht
Ein Gutteil der hohen Rendite stammt aus den deutlichen Kursgewinnen brasilianischer Staatsanleihen von mehr als 8 Prozent in den vergangenen 2 Jahren. Diese aber haben tschechische Anleihen auch verbuchen können - dort aber zehrte die Wechselkursentwicklung rund ein Drittel des Ertrags wieder auf.
Wer versuche, eine Investmentstrategie zu verfolgen, die auf Fremdwährungsanleihen setze, muss aktiv handeln, sagt auch Thomas Meyer, Leiter des Vermögensmanagements der KBC. Eine Strategie des „Buy-and-hold“ funktioniere hier einfach nicht.
Mal wieder ETF
Arwed Schmidt (SDT)
- 05.03.2010, 08:15 Uhr