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Schwellenländer Tunesien-Langläufer stillt Renditehunger in mageren Zinszeiten

14.06.2005 ·  Für Zinsjäger waren die Zeiten in Deutschland noch nie so schlecht. Zehnjährige Bundesanleihen bringen gerade noch 3,09 Prozent. Da lohnt sich ein Blick über die Grenzen. Nach Tunesien zum Beispiel.

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Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen nähert sich der Drei-Prozent-Marke. 3,09 Prozent wirft eine 2015 fällige Bundesschuld am Montag gerade noch ab. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr waren es noch fast 4,4 Prozent. Angesichts dieser Rendite-Talfahrt halten viele Investoren verstärkt Ausschau nach höheren Zinsen. Dieser Tage werden sie nicht zuletzt in Tunesien fündig.

Das nordafrikanische Land hat gerade einen Euro-Langläufer auf den Markt gebracht, der 2015 zurückgezahlt werden muß. Mithin bedient sich Tunesien zum dritten Male mit einer Euro-Anleihe auf dem Kapitalmarkt. Und der Start ist erfolgreich verlaufen, wie der Kursverlauf weniger Tage seit der Erstnotiz zeigt. Gleichwohl ist der Titel noch interessant genug, um angeschaut zu werden.

Papier wirft 4,6 Prozent ab

Die neue Anleihe (ISIN: XS 02 22 29 33 82) über 400 Millionen Euro ist mit 4,5 Prozent verzinst und zu einem Ausgabekurs von 98,85 Prozent verkauft worden. Aktuell notiert der Tinstitel mit 99 Prozent, hat also ein klein wenig zugelegt. Die Rendite beträgt knapp 4,6 Prozent. Und das kann sich in diesen Tagen sehen lassen. So bringen die 2011 und 2013 fälligen Euro-Anleihen des Landes 3,47 Prozent und 3,89 Prozent. Und ein 2019 auslaufender Zinstitel Griechenlands, das beim Kreditbewerter Moody´s mit A1 ein um vier Stufen besseres Rating hat als Tunesien (Baa2), wirft 3,645 Prozent ab.

Tunesien gilt als guter Schuldner. Das Wachstumspotential der Wirtschaft des Landes wird laut WGZ-Bank bei fünf Prozent gesehen und die Geldpolitik gilt als solide. Die Auslandsverschuldung beträgt indes fast 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vergleichbare Schuldner sind Südafrika und Kroatien. Während die südafrikanische Verschuldungsquote mit 17,5 Prozent recht neidrig ist, liegt die Kroatiens mit 78 Prozent deutlich höher. Allerdings zahlt Tunesien seine Schulden schneller zurück. Mit 13,5 Prozent ist die Schuldendienstrate fast zwei Prozentpunkte höher als die Südafrikas. Angesichts dessen rechnen die WGZ-Analysten mit einer Annäherung der Schuldenquote in den nächsten an die 50-Prozent-Marke. Schon in den vergangenen beiden Jahren ist die Kennziffer gesunken.

Eine Beimischung im Portfolio

Als Minuspunkte nennt die WGZ-Bank die starke Abhängigkeit des Landes vom Tourismus und der Landwirtschaft. Tunesien könnte mithin unter äußeren Einflüssen wie verheerenden Bombenanschlägen in Urlaubsregionen und Mißernten leiden. Zudem gilt die Steuerverwaltung als eher nachlässig, was die Einnahmeseite belastet. Dennoch scheine das recht gute Rating stabil zu sein. Und das ist wichtig, gewährleistet es doch die Zugehörigkeit zu den Schuldnern mit dem begehrten Investment-Grad. Vor diesem Hintergrund empfehlen die WGZ-Analysten den Tunesien-Langläufer zum Kauf. Institutionelle Investoren dürften es als willkommene Möglichkeit ansehen, es ihrem Portfolio von Anleihen zentraleuropäischer Schuldner beizufügen.

Dieser Rat scheint auch für Privatanleger billig zu sein. Denn es sieht nicht so aus, als ob die Rally am Rentenmarkt sich bald ins Gegenteil verkehren würde. In diesem Falle blieben die Renditen niedrig. Wie lange diese Tendenz anhalten wird, weiß niemand. Insofern stillt der Tunesien-Langläufer den Renditehunger in magere Zinszeiten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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