19.08.2008 · Die lange währende Freude vieler Anleger an Zloty, Forint und Tschechen-Krone ist getrübt. Neuerdings werten diese Währungen im Vergleich zum Dollar besonders schnell ab. In Euro gerechnet häufen sich deshalb die Verluste.
Eine in den vergangenen Jahren sehr erfolgreiche Anlage wird zunehmend riskant. Zwar liegen die Anleiherenditen in Osteuropa nach wie vor deutlich über den Renditen im Euro-Raum. Doch die Renditen von mehr als 6 Prozent in Polen und sogar mehr als 8 Prozent in Ungarn stehen für in Euro rechnende Anleger auf tönernen Füßen. Denn das Währungsrisiko wächst. Das zeigt sich am deutlichsten schon in Tschechien. Dort kam es vor kurzem zu einer Leitzinssenkung - und die Krone geriet unter Abwertungsdruck.
Seit dem Jahresbeginn 2003 haben Zloty, Tschechen-Krone und Forint unaufhörlich gegenüber dem Euro aufgewertet und Ende Juli Rekordkurse erreicht. Der Wertzuwachs erfolgte gleichzeitig mit einer Aufwertung des Euro zum Dollar. Anders als mit Dollar-Anlagen, die sich wegen des Wertverlustes der amerikanischen Währung für viele Euro-Anleger nicht ausgezahlt haben, gab es in Osteuropa für Euro-Anleger zu den hohen Renditen also noch Währungsgewinne obendrauf.
Osteuropäische Währungen werden gegen den Dollar ab
Seit rund 10 Tagen aber ist der Euro zum Dollar auf steiler Talfahrt. Eigentlich, so sollte man meinen, hätte die Euro-Schwäche die Aufwertung der osteuropäischen Währungen zum Euro weiter befördern müssen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die osteuropäischen Währungen werteten in den vergangenen zehn Tagen zum Dollar noch stärker ab als der Euro und geben damit zum ohnehin schwachen Euro sogar noch nach.
Als Auslöser für den Trendwechsel an den Währungsmärkten gelten amerikanische Vermögensverwalter, die an den internationalen Finanzmärkten rund 27 000 Milliarden Dollar verwalten und damit sehr viel bewegen können - weit mehr, als zum Beispiel Hedge-Fonds, die nach den Daten von Morgan Stanley über 3000 Milliarden Dollar verfügen. "Amerikanische Fonds waren die ersten Anleger, die sich in Osteuropa engagiert haben, und sie sind nun auch die ersten, die sich zurückziehen", beobachtet Hans Wild, Devisenfachmann im Bankhaus Metzler. Sein Kollege Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank sagt mit Blick auf die jüngste Entwicklung im Euro-Dollar-Wechselkursverhältnis: "Zwei Drittel sind Dollar-Stärke, ein Drittel Dollar-Schwäche." Falls der Dollar vor einer längeren Aufschwungphase stehen sollte, hätten Dollar-Besitzer wenig Grund, ihr Geld in ausländische Währungen wie Zloty, Forint oder Tschechische Kronen anzulegen.
Der Rückzug amerikanischer Anleger aus Osteuropa erscheint auch aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht unvernünftig. Das wirtschaftliche Umfeld in der Region hat sich zumindest in den Augen vieler Analysten grundlegend gewandelt. Der Aufschwung der osteuropäischen Währungen in den vergangenen drei Jahren fußte auf einem rund doppelt so hohen Wirtschaftwachstum wie im Euro-Raum, das ausländische Direktinvestitionen beförderte, und einem hohen Zinsniveau, das Anleger lockte. Die wegen der hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise hohe Inflationsrate machte bis vor kurzem weitere Leitzinserhöhungen wahrscheinlich. Doch seit rund zwei Wochen hat sich die Stimmung gedreht.
„Hat der Euro-Raum Husten, bekommt Osteuropa eine Lungenentzündung“
„Wir haben eine dramatische Konjunktureintrübung im Euro-Raum und die trifft Osteuropa sehr hart", sagt Wild von Metzler. Schließlich sei der Euro-Raum der entscheidende Absatzmarkt für Osteuropa. „Hat der Euro-Raum Husten, bekommt Osteuropa eine Lungenentzündung", sagt Commerzbank-Analyst Leuchtmann. Tatsächlich ist das Wirtschaftswachstum zum Beispiel in Ungarn schon auf eine bescheidene Jahresrate von 2,2 Prozent zurückgegangen.
Falls die Konjunktur gerade in Osteuropa deutlich an Tempo verliert, kommt den Ländern eine weitere Aufwertung ihrer Währungen nicht länger zupass. Wegen der starken Krone hat die tschechische Zentralbank denn auch vor kurzem den Leitzins gesenkt. Analyst Wild erwartet eine Leitzinssenkung in Ungarn im vierten Quartal und in Polen, wo seit April des Jahres 2007 achtmal die Leitzinsen auf inzwischen 6 Prozent erhöht wurden, keine weitere Zinserhöhung mehr. Damit würde auch ein Argument für Anleger wegfallen, neues Geld in der Region anzulegen.
Anders als Wild sieht aber Leuchtmann den Gipfel der Inflation in vielen Ländern noch nicht erreicht. Vor allem in Polen bestehe die Gefahr, dass angesichts der Lohnerhöhungen von 12 Prozent die von der Zentralbank so gefürchteten Zweitrundeneffekte einträten. Deshalb kann sich Leuchtmann zumindest in Polen eine weitere Leitzinserhöhung noch vorstellen, auch wenn diese zunehmend an Wahrscheinlichkeit verliere. Wild aber geht von sinkenden Zinsen in der Region aus. Das wiederum hätte für Anleihebesitzer Kursgewinne zur Folge. "Die Zinsmärkte laufen für die Anleger. Aber das Währungsrisiko sollten sie absichern", rät Wild. Dies geht allerdings wohl nur über Devisentermingeschäfte, die für Privatanleger mit hohen Kosten verbunden sind. Doch wer diese Kosten scheut, dem droht, dass Zinsen und Anleihekursgewinne von den Währungsverlusten aufgefressen werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.738,47 | +0,68% |
| FAZ-INDEX | 1.504,02 | +0,59% |
| TecDAX | 775,33 | +0,71% |
| MDAX | 10.290,00 | +0,40% |
| SDAX | 5.011,74 | +0,53% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.491,54 | +0,43% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,48 | +0,59% |
| Dow Jones | 12.871,70 | +0,55% |
| Nasdaq 100 | 2.566,27 | +0,74% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3209 | −0,22% |
| Rohöl Brent Crude | 117,84 $ | −0,05% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,13 € | −0,35% |