15.09.2004 · Die Ratingagentur Standard&Poor´s hat die Kreditwürdigkeit Rumäniens heraufgestuft. Das neue Rating BB+ liegt eine Stufe unter dem begehrten Investment-Grad und stärkt die sehr gut gelaufenen Anleihen des Landes.
Eine gute Nachricht für Rumänien und Besitzer von Anleihen des Landes kommt aus dem Hause Standard&Poor´s: Die Ratingagentur, die die Kreditwürdigkeit von Ländern und Unternehmen bewertet, hat die langfristigen Schulden von BB auf BB+ heraufgestuft. Damit stuft S&P die Anleihen des südosteuropäische Land zwar immer noch auf „Ramsch“-Niveau. Aber BB+ liegt nur einen Schritt unter dem begehrten Investment-Grad, der für Anleihe-Emittenten den Vorteil hat, weniger Zinsen zahlen zu müssen und zudem in das Portfolio von Fondsgesellschaften aufgenommen werden zu können, für die „Ramsch-Anleihen“ tabu sind.
Heraufstufungen erweisen sich regelmäßig als Kursstütze für Anleihen. Dies dürfte auch im aktuellen Fall so sein, auch wenn Rumänien bei S&P-Konkurrent Moody´s noch immer mit Ba3 schlechter bewertet ist. Dabei sind Rumänien-Anleihen ohnehin in der jüngeren Vergangenheit sehr gut gelaufen. Dies liegt zum einen an den hohen Zinskupons und zum anderen an der sogenannten Konvergenzphantasie: Das Land strebt in die Europäische Union und muß zuvor seine Wirtschaft liberalisieren, seinen Haushalt in Ordnung bringen und die Inflation senken. Und: Auf diesen Gebieten sowie beim Abbau der Arbeitslosigkeit hat Rumänien schöne Erfolge vorzuweisen, die der Grund für die Heraufstufung sind.
Preisauftrieb verlangsamt sich, BIP steigt, Arbeitslosigkeit sinkt
Die Entscheidung von S&P „reflektiert die bedeutenden Fortschritte des Landes bei der Reformierung der staatseigenen Betriebe. Der Ölkonzern Petrom, zwei der acht Stromunternehmen und zwei Gaskonzerne sind jüngst privatisiert worden“, kommentiert die Wiener Raiffeisen Zentral-Bank (RZB) die Heraufstufung. Die Reformen werden nach Einschätzung von S&P die Verfassung der öffentlichen Finanzen langfristig verbessern. Zudem hat Rumänien 25 der 30 von der Europäischen Union gestellten Aufgaben schon oder weitgehend abgearbeitet, wie die RZB anmerkt.
Vor diesem Hintergrund hat das Land eine schöne Entwicklung vorzuweisen: Der Preisauftrieb hat sich deutlich verlangsamt: Die aufs Jahr gerechnete Inflationsrate ist im August auf 12,4 Prozent gesunken und könnte laut RZB zum Jahresende einen einstelligen Wert erreichen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat um 6,6 Prozent gestiegen und könnte 2004 die Marke von sieben Prozent erreichen. Ministerpräsident Adrian Nastase hält sogar 7,5 Prozent für möglich, wobei der für Politiker typische „Optimismusaufschlag“ berücksichtigt werden sollte. Das Ziel für das Haushaltsdefizit ist auf 1,64 Prozent korrigiert worden, doch dürfte das aktuelle Defizit die Marke von sechs Prozent gemessen am BIP übersteigen.
Die Reformen schlagen sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Und zwar positiv: Die Arbeitslosenquote ist zuletzt auf 6,1 Prozent nach 6,2 Prozent im Juli gesunken. Vor Jahresfrist lag diese Kennziffer noch bei 6,8 Prozent. Nun wird erwartet, daß die Europäische Union dem Land im nächsten Monat zugestehen wird, sich zur funktionierenden Marktwirtschaft gewandelt zu haben. Nicht zuletzt erwartet die RZB, daß Moody´s und weitere Ratingagenturen dem Beispiel von S&P folgen werden.
Zum Teil enorm hohe Kurswerte
Folglich sind weitere gute Nachrichten für auf Euro lautende Rumänien-Anleihen zu erwarten. Doch auch so stehen sie schon hoch im Kurs - und zwar im wahren Wortsinne. Die hohen Zinsen, die Rümänien zum Teil zahlt, wirken wie als Anlegermagnet. Die mit 10,625 Prozent verzinste, 2008 fällige Anleihe notiert mit sage und schreibe 122,55 Prozent. Entsprechend niedrig fällt die Rendite aus, die bei gut vier Prozent liegt. zum Vergleich: Eine Bundesanleihe gleicher Laufzeit kommt auf 3,14 Prozent. Der 2012 auslaufende Titel wirft bei einem Kupon von 8,5 Prozent und einem Kurswert von 122,7 gut 4,86 Prozent ab, während eine entsprechende Bundesschuld auf 3,85 Prozent kommt. Den mit 5,75 Prozent niedrigsten Kupon und den mit 106 Prozent niedrigsten Kurswert weist der 2008 fällige Titel auf, der eine Rendite von gut 4,5 Prozent bietet. Das ist ein Prozentpunkt mehr als eine vergleichbare Bundesanleihe bringt.
Angesichts der Fortschritte von Rumänien und der Aussichten auf weitere Heraufstufungen sind die Anleihen des Landes weiter attraktiv und auf jeden Fall eine Halteposition, da das Rückschlagsrisiko gering erscheint. Ob sie aber nach der sehr guten Kursentwicklung noch nennenswertes weiteres Potential haben, muß die Zukunft zeigen.