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Schwellenländer Für Venezuela-Anleihen spricht nur der Öl-Boom

19.10.2005 ·  Venezuela ist ein wichtiger Öllieferant und erfreut sich eines hohen Mittelzuflusses. Gleichwohl ist das Land bei Ratingagenturen schlecht angeschrieben. Die Gründe liegen in der Politik. Auch und gerade daraus folgen Risiken für die Anleihen.

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Wenn in Nachrichten von Venezuela die Rede ist, dann entweder mit Blick auf die Rolle des Landes als Öllieferant - oder wegen des eigenwilligen Auftretens seines Präsidenten Hugo Chávez. So hat Chávez erst in dieser Woche christlichen Missionaren aus den Vereinigten Staaten „imperialistische Infiltration“ vorgeworfen und die Mitglieder der in Florida ansässigen Missionsgemeinschaft „New Tribes Mission“ aufgefordert, sein Land zu verlassen.

Zuvor hatte der Chef der „Christlichen Koalition“ in den Vereinigten Staaten dem venezoelanischen Präsidenten vorgeworfen, den Besitz von Atomwaffen anzustreben. Dem wiederum war die Attacke von Chávez gegen Amerikas Präsident George W. Bush vorausgegangen, den er als „Kriegsherren“ bezeichnet hat. Und im April hatte Chávez, der sich gern als eine Art Robin Hood stilisiert, das „Generalkommando der Militärreserve“ aktiviert, um einen möglichen Angriff der Amerikaner parieren zu können.

Vor den im Dezember anstehenden Wahlen bereitet sich der Präsident darauf vor, mit dem Übertrag von Fremdwährungsreserven in Höhe von sechs Milliarden Dollar in einen Spezialfonds in Infrastruktur und Industrialisierung seines Landes investieren zu können. Ermöglicht wird ihm dies durch die Hausse bei den Ölpreisen. Schließlich zählt Venezuela zu den zehn wichtigsten Ölförderländern und Exporteuren des zähflüssigen schwarzen Goldes.

Regierungseinnahmen fast explodiert

Drei Zahlen bedeuten eindrucksvoll, wie bedeutend der Rohstoff für Venezuela ist: Öl steht für vier Fünftel der Exporte des lateinamerikanischen Landes sowie für die Hälfte der Staatseinnahmen und 25 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dieses Jahr verdient das Land bisher rund 35 Prozent mehr mit Öl als im Jahr 2004, wie die WGZ-Bank in einer Studie ausführt. Die laufenden Einnahmen der Regierung sind demnach in den ersten sechs Monaten um 80 Prozent gestiegen.

Mit dem Anstieg der Einnahmen aus dem Ölgeschäft ist die Wirtschaft stark gewachsen. Im zweiten Quartal lief ein Plus von sage und schreibe 11,1 Prozent an, wie die WGZ-Bank weiter berichtet. In den ersten sechs Monaten ist das Land mithin in etwa so stark gewachsen wie China. Der Internationale Währungsfonds rechnet mit einer Jahresrate von 7,8 Prozent. Auch wenn der Spezialfonds gefüllt wird und obwohl nach Analystenschätzungen ein Haushaltsdefizit von zwei bis drei Prozent auflaufen dürfte, schwimmt der Staat weiter in Geld: Die Devisenreserven werden auf mehr als 30 Milliarden Dollar veranschlagt.

Land bei Ratingagenturen schlecht angeschrieben

Gleichwohl ist das Land bei Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit bewerten, schlecht angeschrieben. Bei Moody's kommt es auf die Note B2 und bei Standard&Poor's auf B+. Mithin schreiben die Agenturen den venezoelanischen Anleihen „mangelnde Eigenschaften einer erstrebenswerten Kapitalanlage“ zu. „Venezuela könnte vor diesem Hintergrund ein klar besseres Rating - im guten BB-Bereich - haben“, so die WGZ-Bank. Wenn da nicht die schwer kalkulierbare politische Entwicklung wäre.

Die Analysten gehen zwar davon aus, daß Venezuela angesichts der Liquidität weiter seine Anleihen bedienen werde. Zu einer Kaufempfehlung können sie sich aber nicht mehr durchringen; sie empfehlen, den 2015 fälligen Titel zu halten. Denn die Überrenditen venezoelanischer Zinstitel gegenüber erstklassigen Bundesanleihen ist zwar markant und beträgt bei 2008 fälligen Papieren, die 4,6 Prozent abwerfen, rund zwei Prozentpunkte, und bei noch sechs Jahren laufenden Titeln, die 5,56 Prozent bringen, etwa 2,6 Prozentpunkte. 2015 zurückzuzahlende Venezuela-Anleihen rentieren mit gut 6,5 Prozent und werfen gut 3,2 Prozentpunkte mehr ab als Bundesanleihen gleicher Laufzeit.

Damit liegen die Renditen aber in etwa auf einer Höhe mit Zinstiteln aus Peru und der Türkei, die allerdings über etwas bessere Ratings verfügen. Im Grunde müßte für venezoelanische Titel deshalb eine höhere Risikoprämie bezahlt werden. Davon abgesehen haben die Papiere, wie Anleihen anderer Schwellenländer, in den vergangenen Wochen deutliche Kursverluste erlitten - weil Anleger auf weitere Zinsschritte in Amerika wetten, wodurch Treasuries attraktiver werden, zum Nachteil von Anleihen aus den sogenannten Emerging Markets. Dieser Trend könnte anhalten. Insofern sollten sich Anleger, die weniger auf die Rendite als auf Kurse achten, über Gewinnmitnahmen nachdenken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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