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Schwellenländer Brasilianische Euroanleihen bieten gewisse Reize

05.03.2008 ·  Die Staatsanleihen der Industriestaaten konnten in den vergangenen Wochen deutliche Kursgewinne verbuchen. Dagegen sind die Euro-Anleihen Brasiliens gefallen. Das führt dazu, dass sie inzwischen einen netten Zinsvorsprung haben.

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Während die internationalen Börsen schon seit Wochen unter Druck stehen, laufen die Rentenmärkte deutlich nach oben. Das gilt zumindest für die Staatsanleihen der Industriestaaten.

Die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen fiel von 4,7 Prozent im Juli des vergangenen Jahres auf bis zu 3,86 Prozent in den vergangenen Tagen. Die Rendite amerikanischer Treasuries mit einer vergleichbaren Laufzeit ging in selben Zeitraum von 5,45 auf bis zu 3,74 Prozent zurück. Damit sind sie für Anleger nicht mehr sonderlich attraktiv. Es sei denn, sie rechneten mit weiteren Kursgewinnen.

Brasilianische Euro-Anleihen bietet netten Zinsvorsprung zu deutschen Staatsanleihen

Im Gegensatz dazu stiegen im Rahmen der aufgekommenen Risikoaversion der Anleger die Renditen in einigen Schwellenländern oder in Staaten mit problematischen Finanzverhältnissen zum Teil deutlich an. Südafrikanische Staatsanleihen rentieren inzwischen mit einer Rendite von 9,075 Prozent 1,42 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. In Ungarn stieg die Rendite um 113 Basispunkte auf zuletzt 8,09 Prozent.

In den vergangenen Monaten ist auch die Rendite der brasilianischen Euro-Staatsanleihe mit einem Kupon von 7 3/8 Prozent und einem Verfall am dritten Februar des Jahres 2015 von 4,88 auf 5,94 Prozent gestiegen. Mit einem Zinsvorsprung von knapp 2,1 Prozentpunkten gegenüber deutschen Staatsanleihen können sie damit auf den europäischen Anleger mit etwas Risikoappetit gewisse Reize ausüben.

Immerhin hat sich in den vergangenen Jahren die Finanz- und Handelsposition Brasiliens im Vergleich mit den 90er-Jahren deutlich verbessert. Das Land verfügte Anfang März über Währungsreserven von knapp 193 Milliarden Dollar, es konnte in den vergangenen Jahren die externe Verschuldung deutlich reduzieren, das Budget weitgehend ausgleichen und zwischenzeitlich sogar Leistungsbilanzüberschüsse erzielen.

Gleichzeitig profitiert das Land vom anhaltenden Energie- und Rohstoffboom. Denn das Ressourcen- und Produktions-„Portfolio“ des Landes ist breit diversifiziert und reicht von Öl- und Gasvorkommen, über Erze bis hin zu einer starken Stellung im Bereich der Agrarrohstoffe und alternativer Energien. Der Agrarsektor profitiert zudem von einer starken Flächenausstattung als auch von vorteilhaften klimatischen Bedingungen. Das Produktionsspektrum reicht von Kaffee, Soja, Weizen, Reis, Mais, Zuckerrohr, Kakao und Zitrusfrüchten bis hin zu einer beachtlichen Rinderhaltung.

Abflauende Sorgen über Zinserhöhung in Brasilien

Die robuste wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung führte in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Aufwertung des Reals. Sie trug dazu bei, dass die Zentralbank des Landes den Leitzins von 19,75 Prozent noch im Mai des Jahres 2005 auf zuletzt 11,25 Prozent senken konnte, ohne zunächst zu einer inflationären Entwicklung zu führen. Die Inflationsrate fiel von 17,24 Prozent im Mai des Jahres 2003 auf knapp drei Prozent im März des vergangenen Jahres.

Inzwischen hat sie aufgrund teurer gewordener Lebensmittel und Schulgebühren zwar leicht auf zuletzt 4,56 Prozent angezogen. Allerdings trugen dazu gewisse Basiseffekte bei. Das und die Vermutung, die Wirtschaft des Landes könnte sich bei einer Beruhigung im Rohstoffbereich etwas abkühlen, gibt der brasilianischen Zentralbank etwas Spielraum bei der Geld- und Zinspolitik. Sollte die Lage am Arbeitsmarkt nicht angespannter werden - Experten rechnen mit dem Rückgang der Arbeitslosenquote von 9,3 auf 8,1 Prozent im Januar -, so müsste sie nicht gleich zu Zinserhöhungen greifen. Auf dieser Basis scheinen die Euro-Anleihen des Landes für risikofreudige Anleger gewisse Reize bieten zu können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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