21.12.2004 · Die Analysten der WGZ-Bank trauen den Anleihen der Schwellenländer auch 2005 eine gute Performance zu. So gut wie 2004 dürfte die Bilanz trotz eines tendenziell positiven Umfelds aber nicht mehr ausfallen.
Wider Erwarten haben sich die Anleihen der Schwellenländer auch in diesem Jahr gut geschlagen. So hat der für dieses Segment richtungsweisende EMBIG-Index seit Jahresanfang um knapp zwölf Prozent zugelegt. Der Spread ist dank der guten Entwicklung von 180 Basispunkten auf 120 Basispunkten geschrumpft. Das ist das tiefste bisher erreichte Niveau überhaupt und deutet damit an, wie gut es zuletzt für Schwellenländer-Anleihen gelaufen ist. In den drei Jahren seit 2002 erzielte der repräsentative Marktindex im Durchschnitt eine Rendite von knapp dreizehn Prozent, was schon als phänomenal zu bezeichnen ist.
In diesem Jahr wurde die Wertentwicklung dadurch begünstigt, daß sich die Euro-Staatsanleihen selbst gut entwickelt haben und zudem der Risikoaufschlag gesunken ist. Der letztgenannte Punkt wiederum hat mit den besseren Noten zu tun, welche die Ratingagenturen vielen Schwellenländern in Sachen Kreditwürdigkeit im Laufe des Jahres zugebilligt haben. Die Agenturen honorierten damit die oft verbesserten Schuldenstrukturen dieser Länder.
WGZ rät zu einer Kaufen-und-Halten-Strategie
Geht es nach den Analysten der WGZ-Bank dann dürfte dieser positive Trend beim Rating anhalten. In einer Studie schreiben sie, daß sie mit neun weiteren Ratingheraufstufungen rechnen, demgegenüber aber nur einem Land eine Verschlechterung der Bonitätseinschätzung drohe. Was das Wachstum der Weltwirtschaft angeht, sei 2005 nicht mit einer ähnlichen Dynamik wie 2004 zu rechnen, doch immerhin dürfte es weiter aufwärts gehen.
Dennoch stellt sich insgesamt natürlich die Frage, ob die Schwellenländer-Anleihen ihren Lauf auch 2005 fortsetzen können. Die Analysten der WGZ-Bank gehen davon aus, daß auf dem derzeitig historisch niedrigen Spreadniveau nun nur noch ein marginaler Rückgang der Renditeaufschläge möglich sein wird. Damit dürfte der Fokus der Investition in dem Marktsegment erneut weniger bei der Spekulation auf Spreadgewinne als eher bei der Erzielung der im Vergleich zu Euro-Staatsanleihen erhöhten Rendite bei einer längerfristigeren Anlage liegen. Da sich vorerst das globale monetäre Umfeld dank reichlich vorhandener Liquidität und einer anhaltenden Risikofreudigkeit vieler Investoren weiter günstig darstellen sollte, dürfte sich ähnlich wie in diesem Jahr daher auch im kommenden Jahr wieder eine buy-and-hold Strategie anbieten, heißt es in einer Studie mit dem Titel „Jahresausblick Emerging Markets 2005“.
EZB-Zinswende die größte Gefahr
Was die Risikofaktoren angeht, welche diese Prognose gefährden könnten, wird auf die Tatsache verwiesen, daß die Märkte offenbar in immer geringerem Maße mit dem Auftreten von Krisensituationen in einzelnen Schwellenländern rechen. Politische, fiskalische oder wirtschaftliche Risiken könnten daher in den jeweils betroffenen Ländern zu einer entsprechenden Erhöhung der geforderten Risikoaufschläge führen. Das Ausmaß der Spreadausweitungen würde auch sicherlich deutlich höher sein können als dies bei einer Fortsetzung der positiven Nachrichten in der Gegenrichtung der Fall ist, erläutern die Experten der WGZ-Bank.
Allerdings bestehe in dieser Art Risikoszenarien nicht die Hauptgefährdung für Anleihen der Schwellenländer. Die größte Gefahr gehe wohl eher von einem stärker als erwartet ausfallenden Zinsanstieg am Euro-Rentenmarkt aus. Sollte die EZB signalisieren, früher und in stärkerem Ausmaß als vom Markt erwartet, die Zinsen anheben zu wollen, könnte ein deutlicher Zinsanstieg am Rentenmarkt die Folge sein. Zu einer Dämpfung der Auswirkungen auf das Emerging Markets Segment dürften allerdings hinreichend Investoren mit hoher Liquidität bereitstehen, um bei günstigeren Einstiegskursen in dem Marktsegment zu investieren.