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Schwellenländer-Anleihen Lokale Währungen rücken in den Mittelpunkt

10.09.2008 ·  Schwellenländer-Anleihen finden dank eines verbesserten Renommees immer mehr Interesse. An Doch der Markt wandelt sich: An Emissionen in lokaler Währung führt derzeit kaum noch ein Weg vorbei.

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Schwellenländer-Anleihen gelten nicht ganz zu Unrecht als Risikopapiere, sorgten sie in der Vergangenheit doch immer wieder für Aufruhr, da sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit nach einigen Jahren Zahlungsausfälle ereigneten, die meist spektakuläre Folgen hatten.

Im Umfeld der Finanzkrise und einer Wachstumsabschwächung in den entwickelten Volkswirtschaften und einhergehen damit einer volatilen und negativen Entwicklung der Aktienmärkte aber, wächst derzeit das Interesse an diesen Anleihen erneut - allzumal es seit dem Moratorium Argentiniens im Jahr 2002 Zahlungsprobleme lediglich bei vernachlässigbar kleinen Emittenten wie Belize gab.

Schwellenländer stehen besser da

Dabei rücken in jüngster Zeit Anleihen in lokalen Währungen in den Vordergrund. Zum einen locken die höheren Renditen als für Fremdwährungsanleihen, zum anderen scheint die Anlageklasse weit sicherer zu sein als sie es früher war. das meint auch Jeffrey Grills, einer der Leiter des Teams der amerikanischen Investmentbank JP Morgan, das sich mit Anleihen aus Schwellenländern befasst, gleichzeitig Manager mehrerer in diesem Segment anlegender Fonds.

Er sieht dafür mehrere Ursachen und verweist auf die starke makroökonomische Entwicklung der Länder in den vergangenen Jahren, die in steigenden Währungsreserven, verbesserten Leistungsbilanzen, niedrigeren Inflations- und Verschuldungsraten zum Ausdruck kommen. Dies habe sich auch in der Tatsache niedergeschlagen, dass die Rating-Agenturen seit Beginn der Finanzkrise deutlich mehr Länder hoch- als herabstuften.

Gewandelter Markt

Vor allem aber hat sich der Markt gegenüber früheren Zeiten erheblich gewandelt. Die Zahl der Fremdwährungsemissionen ist mit den Entschuldungsmaßnahmen gesunken. Im vergangenen und laufenden Jahr wurden netto mehr Schulden getilgt als aufgenommen. Darin ist das Bemühen der Länder zu sehen, von ausländischen Kapitalmärkten unabhängiger zu werden, denn gleichzeitig hat sich die inländische Verschuldung seit 1990 mehr als verdoppelt. Was Wunder also, wenn sich Investoren zwangsläufig mit Anleihen in lokaler Währung auseinandersetzen müssen.

Zwei Dinge fürchten Anleger dabei notwendigerweise am meisten und das sind Abwertung und Inflation. Beide Faktoren können Gills derzeit nur bedingt schrecken. Die positiven Leistungsbilanzsalden sprächen für die Währungen und dank unabhängiger als früher agierender Zentralbanken seien starke Inflationen wie in früheren Zeiten derzeit nicht zu befürchten. Die höheren Inflationsraten der jüngsten Vergangenheit sieht er als globales und abebbendes Phänomen an.

Faible für türkische Anleihen

Dennoch kommt es auf eine sorgfältige Auswahl an. So sieht er derzeit beispielsweise südafrikanische Anleihen als weniger attraktiv an, da die Realzinsen angesichts des hohen Leistungsbilanzdefizits zu niedrig seien. Zu den bevorzugten Papieren gehören dagegen türkische Bonds, die derzeit reale Renditen von annähernd zehn Prozent aufwiesen. Da JP Morgan mit einer niedrigeren Inflation rechnet, ergeben sich gute Investmentchancen.

Die Anlageklasse gehört zu denen, in der eine Fondsanlage gegenüber dem Einzelinvestment ein deutlich größeres Spektrum eröffnet. In Anleihen der Dominikanischen Republik etwa kann selbst JP Morgan nur über strukturierte Anleihen (Credit-Linked Notes) der Citigroup investieren, die als einzige vor Ort handelt.

Optimistisches Szenario

Nicht zu jeder Zeit hat das Portfolio-Management dabei ein glückliches Händchen besessen. Gehört die schon länger auf dem Markt befindliche Fondsvariante des Emerging Markets Bond Fund, der zu drei Vierteln in Dollar-Anleihen investiert, auf Sicht von fünf Jahren zu den besseren seiner Klasse, so blieb man auf Sicht eines Jahres zurück. Vor allem mit argentinischen Anleihen, die in den vergangenen Jahren einer der Erfolgsfaktoren waren, hatte man falsch gelegen.

Grills gibt sich indes überzeugt, dass Schwellenländeranleihen, besonders in den renditeträchtigeren lokalen Währungen, künftig guten Ertrag bringen werden und zeichnet ein optimistisches Szenario. Die stabileren Verschuldungsrelationen schafften deutlich besser Voraussetzungen gegenüber früheren Zeiten. Und auch die derzeit negative Entwicklung an den Rohstoffmärkten, deren Boom einer der entscheidenden Faktoren für den Aufstieg der Schwellenländer war, sieht er bereits auslaufen. Darüber hinaus seien beispielsweise die Haushalte der ölexportierenden Länder dank niedriger kalkulierter Ölpreise gut abgesichert. Zudem profitierten die Länder immer noch vom hohen Preisniveau.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: mho
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