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Schwellenländer Anleihen-Hausse könnte sich dem Ende nähern

20.08.2009 ·  Schwellenländer-Anleihen waren in den vergangenen Monaten extrem gefragt. Doch mittlerweile sind die Bewertungen sehr hoch gestiegen und so könnte sich die Hausse ihrem Ende nähern.

Von Martin Hock
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Waren Anleihen Anfang des Jahres noch als „sicherere Hafen“ vor den Unbillen der Aktienmärkte gefragt, so hat sich längst der Risikoappetit durchgesetzt. „Derzeit stehen Anleihen aus Schwellenländern bei Anlegern wieder weit oben auf der Kaufliste“, schreibt William Frewen, Leiter der Rentenabteilung bei der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle.

Was Wunder also, wenn die Renditeaufschläge gegenüber amerikanischen Staatsanleihen im Rekordtempo zurückgegangen sind. So schnell wie seit 2003 nicht mehr sanken sie auf nur noch 398 Basispunkte Ende Juli.

Gefragte Neuemissionen

Auch die Primärmärkte zeigten sich aufnahmefähig. Hatte im Februar Mexiko Anleihen mit Laufzeitende im Jahr 2030 nicht vollständig plazieren können, so emittierten staatliche Schuldner und Unternehmen der Schwellenländer in der ersten Jahreshälfte schließlich Anleihen im Gesamtvolumen von 79 Milliarden Dollar. Allein Kolumbien gab Anleihen im Volumen von 2 Milliarden Dollar aus, soviel wie seit zwei Jahren nicht mehr.

„Der Erfolg der letzten Neuemissionen zeigt deutlich, wie stark und wie schnell das Anlegervertrauen wieder zurückgekehrt ist“, sagt Helene Williamson, Leiterin der Abteilung Schwellenländerrenten bei der britischen Fondsgesellschaft F&C und Fondsmanagerin des F&C Emerging Markets Bond Funds.

Argentinien führt

Am besten entwickelten sich Anleihen aus Argentinien. Ihre Renditeabstand gegenüber amerikanischen Staatsanleihen fiel von 1965 Basispunkten im November auf 916 Basispunkte zum 27 Juli. Fondsmanagerin Williamson hat argentinische Renten immer noch übergewichtet, obwohl diese ihrem Fonds schon eine gute Wertentwicklung beschert haben.

„Wir sind davon überzeugt, dass in Argentinien weiteres Aufwärtspotential vorhanden ist, wenn die Regierung Kirchner ihre Haltung zu den IWF-Hilfsprogrammen ändert. Das Land braucht einen wirtschaftlichen Stimulus und ohne Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten hat die Regierung wenig Chancen, ihre Popularität zu steigern.“, meint Williamson.

Von spekulativen zu besseren Schuldnern

Sie ist auch sonst weiter von einer guten Entwicklung überzeugt. Die Weltkonjunktur scheine das Schlimmste überstanden zu haben, Rohstoffpreise und Aktienkurse stiegen, zudem sei das Angebot vergleichsweise knapp.

Frewen verweist auf die „dramatisch Verbesserung“ vieler volkswirtschaftlicher Rahmendaten wie einer Netto-Gläubigerposition gegenüber dem Ausland und einer stabileren Wirtschaftspolitik. Das habe die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen verringert. Er hält einen kurzfristigen Ausfall von weniger als 5 Prozent der staatlichen Schwellenländer-Emittenten für möglich.

Angesichts der Rallye bei Anleihen spekulativerer Emittenten wie Ecuador und Pakistan werde sich der Markt vorerst auf bessere Schuldner wie Venezuela, Brasilien, Russland und auch Mexiko konzentrieren. Interessant seien zunächst Fremdwährungsanleihen, doch langfristig gebe es auch gute Anlagemöglichkeiten in lokaler Währung. Allerdings sei die Auswahl nicht einfach, sagt er mit Verweis auf die Liquiditäts- und Transparenz-Probleme, die das Jahr 2008 offenbart habe.

Vor allem Osteuropa erscheint zu teuer

Auch J.P. Morgan Asset Management gegen sich im allgemeinen optimistisch. Sorgen macht ihnen aber die Entwicklung von Anleihen osteuropäischer Emittenten. Nach der scharfen Schrumpfung der Wirtschaft stabilisiere sich diese vielerorts gerade erst. Das Wachstum habe aber noch nicht an Fahrt aufgenommen und der starke Rückgang des Importvolumens stehe dem im Weg.

Demgegenüber seien die Bewertungen und Renditeaufschläge zu schnell gestiegen, so dass vor allem angesichts der Situation in Osteuropa der Markt mit 25 bis 50 Basispunkten überbewertet erscheine. Auch das hohe Emissionsvolumen im Juli werde die Märkte mittelfristig belasten.

Für Euro-Anleger sind die die Direktanlagemöglichkeiten beschränkt, sofern sie nicht zu Dollar-Anleihen greifen. Nur eine Minderheit der Schwellenländer-Anleihen ist in Euro denominiert, von denen der größte Teil aus Osteuropa stammt.

Geringes Euro-Angebot

Die hohe Bewertung vieler Titel wird am Vergleich von Kupons und Rendite deutlich. Eine im Januar 2011 fällige Anleihe der Türkei mit einem Kupon von 9,5 Prozent rentiert zu 3,42 Prozent, die im Mai 2012 fällige Schuldverschreibung Rumäniens bei einer Verzinsung von 8,5 Prozent zu 5,23 Prozent. Dabei ist das Rating der Türkei das fünftschlechteste, das die Agenturen zu vergeben haben. Auch eine mit 9,5 Prozent verzinste Anleihe Brasiliens, die im Januar 2011 fällig wird, rentiert aktuell mit nur 2,68 Prozent und ist damit teurer als viele Anleihen deutscher Bundesländer.

Vergleichsweise attraktiv sind dagegen Anleihen Mexikos, Israels oder Ungarns, die von den Agenturen allesamt besser bewertet werden, deren Renditen aber nicht drastisch gefallen sind. Das dürfte wohl nicht zuletzt daran liegen, dass die Kuponjäger unterwegs sind. Der Blick auf die Euro-Anleihen zeigt, dass in der Tendenz besonders Anleihen mit hohem Kupon gefragt sind. Dies wiederum lässt den Schluss zu, dass die Orientierung der Anleger kurzfristig und spekulativ ist und diese Bewegung langsam an ihre Grenzen gerät.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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