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Schwellenländer Anleger sehen Risiko für Zahlungsausfall in Ecuador

 ·  Die Anleihen Ecuadors konnten in den vergangenen Jahren vom internationalen Anleihenboom profitieren. Sie sind jedoch nicht nur volatil, sondern eine Insolvenz des Landes scheint nicht ausgeschlossen zu sein.

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Ecuadors neuer Präsident Alfredo Palacio plant ein Hilfspaket für die 9,2 Millionen Armen des Landes. Damit bleibt aber weniger Geld übrig, um die Anleiheverbindlichkeiten des Landes im Volumen von 16,6 Milliarden Dollar zu bedienen. Selbst ein Zahlungsausfall sei möglich, warnen Anleger und Analysten.

Es wäre auch das Ende des derzeitigen Währungssystems mit dem amerikanischen Dollar als offizieller Landeswährung. Damit steigt die Gefahr, daß Anleger aus den ekuadorianischen Aktien, Anleihen und Dollareinlagen fliehen.

Krise nur eine Frage der Zeit

"Wann die Krise kommt, ist nur eine Frage der Zeit," sagt Jaime Valdivia, Fondsmanager bei Emerging Sovereign Group in New York. "Die Anleger werden Geld abziehen, wenn sie sehen, daß mehr Geld ausgegeben wird als vorhanden ist." Und sie werden nicht warten, bis die Regierung sich vom Dollar verabschiedet, prognostiziert Valdivia. "Es könnte zu einem Run auf die Konten kommen."

Lisa Schineller, Analystin bei Standard & Poor's in New York, meint, ein Zahlungsausfall innerhalb der nächsten anderthalb Jahre könne nicht ausgeschlossen werden. "Einem Zahlungsausfall könnte sehr bald eine Aufgabe der Dollarisierung folgen," erwartet sie. Ecuador hat vor fünf Jahren die eigene Währung, den Sucre, durch den amerikanischen Dollar abgelöst.

Schon wenige Stunden nachdem Palacio am 20. April Präsident Ecuadors wurde, tauchten die ersten Bedenken wegen seiner Fiskalpolitik auf. In einem Fernsehinterview erklärte Palacio, er sei für mehr Ausgaben für soziale Programme. So hat er die Prognose für den primären Haushaltsüberschuß, in dem der Schuldendienst für die Anleihen nicht enthalten sind, auf 4,1 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt gesenkt, von zuvor 4,8 Prozent.

Auch hat er den Kongreß gebeten, die Vorschriften für einen Fonds im Volumen von 700 Mill. Dollar zu ändern, der aus den staatlichen Öleinnahmen gespeist wird. Weniger Geld soll an die Anleihegläubiger fließen und mehr in Gesundheitsfürsorge und Bildung. Er versicherte jedoch in einer Fernsehansprache am 24. Mai, das Land werde seinen Anleiheverbindlichkeiten nachkommen.

Einen Tag nach seiner Amtseinführung berief der neue Präsident den Ökonomen Rafael Correa Delgado zum Finanzminister. Dieser sagte auf einer Pressekonferenz in Quito, die Einführung des Dollar-basierten Währungssystems im Jahr 2000 sei "der größte Fehler" in der Wirtschaftspolitik des Landes gewesen. Allerdings zeigte er sich zurückhaltend, dies zu ändern, berichtete die Nachrichtenagentur Efe.

„Dollar-System“ als kritischer Faktor

"Die Investoren würden in Scharen davonlaufen, wenn das Dollar-System abgeschafft würde," erklärt Lawrence D. Krohn, Volkswirt bei der Analysegesellschaft IDEAglobal in New York. Ecuadors hatte den Dollar im Jahr 2000 als offizielle Währung eingeführt, nachdem der Sucre im Jahr davor zwei Drittel an Wert verloren hatte. Der Übergang zum Dollar lockte Investoren in das Land und trug zu einem Rückgang der Inflationsrate auf 2,7 Prozent im letzten Jahr bei, nach 108 Prozent im Jahr 2000.

Gernando Pozo, Präsident des Banco del Pichincha, der größten Bank des Landes, erklärte, das Dollar-Währungssystem habe nach der Absetzung des vorherigen Präsidenten einen Run auf die Konten verhindert. "Der Dollar schützt uns vor den Auswirkungen der politischen Turbulenzen," erläutert er.

Am 21. April, dem selben Tag, als Delgado ernannt wurde, teilte die Ratingagentur S&P mit, sie erwäge eine Herabsetzung der Bonitätsnote von Ecuador. Derzeit wird das Land mit "B-" benotet, sechs Stufen unterhalb der Kategorie "Investment grade". "Es gibt Bedenken, daß sie mehr ausgeben, als an Finanzmitteln vorhanden ist," erläutert Schineller.

Zwischen dem 19. April und 22. April ist der Kurs der Benchmark-Anleihe Ecuadors mit Fälligkeit 2012 um zehn Prozent auf 90,25 Cent je Dollar Nominalwert gesunken, geht aus den Daten von JPMorgan Chase hervor. Valdivia befürchtet, daß die Papiere bis auf 60 Cent fallen können, wenn Ecuadors die Mittel aus dem Staatshaushalt für die Armen verwendet. "Der Markt unterschätzt noch das Ausfallrisiko," erläutert Vitali Meschoulam, Stratege für Festverzinsliche bei HSBC Securities USA in New York. Das Ausmaß des Risikos sei auch von der Entwicklung des Ölpreises und dem politischen Kurs abhängig.

Auf Öl, Ecuadors wichtigstes Exportprodukt, entfallen ein Drittel der Staatseinnahmen und 20 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt von 30 Milliarden Dollar. Ecuador muß 183 Millionen Dollar an Auslandsverbindlichkeiten bis Ende 2005 zurückzahlen, bis 2006 summieren sich diese auf 490 Millionen Dollar.

Bei einem Ölpreis von etwa 50 Dollar je Barrel kann Ecuador einen Zahlungsausfall vermeiden, erwartet Enrique Arosemena, Präsident der Guayaquil Stock Exchange. Das würde sich aber ändern, wenn der Preis stark fällt.

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