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Veröffentlicht: 27.04.2017, 20:25 Uhr

Schwedische Kronen Die Reichsbank lockert überraschend ihre Geldpolitik

Die schwedische Reichsbank kündigt an ihr Anleihekaufprogramm weiterzuführen und überrascht die Finanzmärkte. Doch im zuständigen Zentralbankrat sind längst nicht alle mit der Maßnahme einverstanden.

© dpa Lockert die Zügel: Stefan Ingves, Gouverneur der Schwedischen Reichsbank.

Die Schwedische Reichsbank hat am Donnerstag mit einer unerwarteten Lockerung ihrer Geldpolitik die Finanzmärkte überrascht. Am Devisenmarkt wertete die schwedische Krone gegenüber dem Euro und dem Dollar spürbar ab. Vorausgegangen war die unerwartete Ankündigung der Reichsbank, ihr Anleihekaufprogramm über den Juni hinaus weiterzuführen und Papiere im Wert von 15 Milliarden Kronen – umgerechnet 1,56 Milliarden Euro – zu erwerben. Der Leitzins bleibt bei minus 0,5 Prozent.

Die Entscheidung war im sechsköpfigen Führungsgremium der schwedischen Notenbank sehr umstritten, denn nur drei Mitglieder traten für eine Verlängerung des Programms ein. Unter ihnen befand sich jedoch der Gouverneur der Reichsbank, Stefan Ingves, dessen Stimme im Falle eines Patts entscheidet. Er hatte schon vor mehreren Monaten auf das Vorrecht zurückgreifen müssen, um eine Entscheidung in seinem Sinne herbeizuführen.

Inflationsziel als Grund für Lockerung

Die geldpolitische Lockerung kam aus zwei Gründen überraschend. Zum einen gehen die öffentlichen Diskussionen in den Industrienationen seit Monaten um den Zeitpunkt, zu dem die Notenbanken ihre Politik straffen sollten. Dass noch einmal eine Lockerung kommen könnte, hatten viele Analysten nicht erwartet. Zum Zweiten erschien eine Lockerung der Geldpolitik gerade in Schweden als unwahrscheinlich, da die Konjunktur besser läuft als erwartet.

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Das räumt die Reichsbank auch ein. Allerdings verweist sie auf ihr Inflationsziel von 2 Prozent als Grund für die Lockerung: „Die wirtschaftliche Aktivität in Schweden wird immer stärker, doch die Reichsbank ist zu der Einschätzung gelangt, dass es länger dauern wird, bis sich die Inflationsrate um 2 Prozent stabilisiert.“ Außerdem gab die Reichsbank bekannt, dass sie nicht vor Mitte 2018 eine Erhöhung des Leitzinses erwartet.

Expansiven Kurs beibehalten

Zum ersten Mal seit neun Jahren hat die Bank von Japan das Wort Expansion verwendet, um die Lage der japanischen Wirtschaft zu beschreiben. Die Wortwahl deutet auf eine größere Zuversicht der Zentralbank hin, dass Japan auf einen stabileren Wachstumspfad findet. „Die Wirtschaft wird wahrscheinlich ihre moderate Expansion fortsetzen“, heißt es im Wirtschaftsausblick, den die Bank von Japan am Donnerstag vorgelegt hat.

Die Geldpolitiker stützen diese Erwartung vor allem auf die mit neuen Schulden expansive Fiskalpolitik und die weltwirtschaftliche Verbesserung. Die Zentralbank änderte ihre Geldpolitik nicht und sicherte zu, dass sie den expansiven Kurs ohne Zeitbegrenzung weiter beibehalten möchte. „Jetzt über eine spezifische Exit-Strategie zu sprechen würde nur zu unerwünschter Konfusion im Markt führen“, sagte Notenbankgouverneur Haruhiko Kuroda vor Journalisten. Mit Käufen von Staatsanleihen im Volumen von rund 80 Billionen Yen (rund 660 Milliarden Euro) im Jahr versucht die Bank, den Zinssatz auf Sicht von zehn Jahren bei 0 Prozent zu halten. Der kurzfristige Zinssatz ist dabei auf minus 0,1 Prozent gesetzt.

Inflationsrate zu optimistisch angesetzt?

In der konkreten Prognose der Bank von Japan zeigt sich die größere Wachstumszuversicht nur bedingt. Die Wirtschaft soll danach in diesem und im kommenden Fiskaljahr um 1,6 und 1,3 Prozent wachsen, um im Jahr darauf mit der geplanten Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes von 8 auf 10 Prozent um nur noch 0,7 Prozent zuzulegen. Die Wachstumsraten bis 2018 liegen dennoch weit höher als die geschätzte inflationsneutrale Potentialwachstumsrate, so dass die Notenbank weiter eine anziehende Inflationsrate prognostiziert.

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Zuletzt lag die Inflation um 0 Prozent. Engpässe am Arbeitsmarkt und steigende Löhne nennt die Bank als treibende Kräfte. In diesem Fiskaljahr prognostiziert die Bank eine Inflationsrate von 1,4 Prozent (statt zuvor geschätzter 1,5 Prozent), die 2018 auf 1,7 Prozent steigen soll. Viele Analysten halten das für zu optimistisch. Auf mittlere Frist strebt die Zentralbank eine Inflationsrate von 2 Prozent an. Dieses Ziel aber hat sie trotz vier Jahren der drastischen monetären Lockerung bislang verfehlt.

Gewinne durch gestiegenen Goldpreis

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im ersten Quartal 2017 einen Gewinn von 7,9 Milliarden Franken erzielt. Das sind 39 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahreszeit. Der hohe Gewinn resultiert vor allem aus den Devisenanlagen, welche die SNB inzwischen auf 711 Milliarden Franken hochgefahren hat. Darin spiegelt sich der harte Kampf der Notenbank gegen eine weitere Aufwertung des Frankens. Der enorme Bestand an Aktien bescherte der SNB dank der günstigen Entwicklung an den Börsen im ersten Quartal Bewertungsgewinne von 6,3 Milliarden Franken.

Auch der Goldpreis ist bis Ende März spürbar gestiegen. Dies brachte der Nationalbank Buchgewinne von 2,2 Milliarden Franken ein. Auf der anderen Seite kam es zu wechselkursbedingten Verlusten von 2,2 Milliarden Franken. Die Ergebnisse der SNB, die zu den wenigen börsennotierten Notenbanken gehört, können stark schwanken, da sie maßgeblich von der Entwicklung an den Devisen- und Kapitalmärkten abhängen.

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