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Schwache Konjunktur Ratingagenturen bewerten Unternehmen skeptischer

 ·  S&P erwartet einen Anstieg der Ausfallraten europäischer Unternehmen auf 6,8 Prozent. Auch Moody’s schätzt die Aussichten schwächer ein. Der Fondsmanager George Muzinich setzt daher auf hochverzinsliche Anleihen.

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© dapd Vergrößern „Das kommende Jahr wird härter“: Standard & Poor’s sagt schwierige Zeiten für europäische Unternehmen voraus

Die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s schätzen die Aussichten europäischer Unternehmen schwächer ein. „Das kommende Jahr wird härter“, sagte S&P-Analyst Tobias Mock am Donnerstag in Frankfurt. Die Ausfallraten europäischer Unternehmen steigen 2013 von 6,3 auf 6,8 Prozent. Dies entspricht 49 Insolvenzfällen nach 46 im zu Ende gehenden Jahr. Laut Mock dürfte es sich dabei vor allem um Unternehmen handeln, deren Rating schon in den unteren Kategorien von „B“ oder „CCC“ liegt. Mit „CCC“ und negativem Ausblick bewertet S&P derzeit den deutschen Waffenhersteller Heckler & Koch. Auf diesem Niveau befinden sich auch griechische Banken wie Alpha Bank oder Piräus Bank.

Nach Ansicht von Mock schwächt sich die Wachstumsdynamik im kommenden Jahr ab. Das belaste die Ertragslage der Unternehmen. Im Basis-Szenario erwartet S&P im Euroraum 2013 eine Stagnation. In Deutschland dürfte die Wirtschaft um 1,2 Prozent wachsen. Unter besondere Beobachtung nehmen die S&P-Analysten Unternehmen, die stark von der Entwicklung in den Euro-Krisenländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien abhängen. Dazu zählen vor allem Gesellschaften aus der Telekommunikation und den Versorgungsbereichen. Diese beiden Branchen haben in den kommenden fünf Jahren den höchsten Refinanzierungsbedarf: Bis Ende 2017 werden Anleihen von Telekommunikationsunternehmen im Volumen von fast 250 Milliarden Euro fällig. Für Versorger sind es rund 170 Milliarden Euro.

Konjunktur und Staatsschuldenkrise als zentrale Risiken

Die schwächere Konjunktur wird laut Mock auch Stahlproduzenten und die Massenhersteller im Automobilbereich treffen. Jedoch könnten die Produzenten teurer Autos von der weiterhin hohen Nachfrage in China und anderen Schwellenländern profitieren. Auch VW mit seinen beiden Luxusmarken Porsche und Audi zählt Mock dazu. Deutschen Unternehmen bescheinigt er eine sehr gute Finanzausstattung. 44 Prozent wiesen eine starke Liquiditätsausstattung auf, während der Vergleichswert auf europäischer Ebene 23 Prozent betrage.

© F.A.Z. Vergrößern

Auch die Analysten von Moody’s nennen die schwache Konjunktur und die europäische Staatsschuldenkrise als die zentralen Risiken für europäische Unternehmen im kommenden Jahr. Die Sparmaßnahmen der Regierungen würden die Kaufbereitschaft der Verbraucher einschränken. Davon sind laut Moody’s vor allem Unternehmen aus der Telekommunikation, dem Einzelhandel und der Autoindustrie betroffen. Zudem dürften die Unterschiede in der Geschäftsentwicklung zwischen nord- und südeuropäischen Unternehmen zunehmen. Schließlich steige das Risiko, dass die Konjunkturschwäche von Süd- auf Nordeuropa überspringe. Als Beispiel verweist Moody’s auf den italienischen Autohersteller Fiat und die spanische Telekommunikationsgesellschaft Telefónica, die beide unter der Krise in ihren Ländern litten.

„Die Finanzen der meisten Unternehmen sind in einem deutlich besseren Zustand als die der Staaten“, sagt George Muzinich, Gründer und Präsident des auf Unternehmensanleihen spezialisierten Vermögensverwalters Muzinich & Co. Die amerikanische Fondsgesellschaft, die rund 15 Milliarden Dollar verwaltet, konzentriert sich vor allem auf den sogenannten „Ramschbereich“, also auf die Ratingklassen unterhalb des investitionswürdigen Bereichs. Investment Grade setzt bei S&P mindestens „BBB-“ und bei Moody’s „Baa3“ voraus. „Die Renditen von Unternehmen mit erstklassigen Bonitätsnoten bewegen sich ähnlich wie Staatsanleihen“, sagt Muzinich im Gespräch mit dieser Zeitung. Dagegen ermöglichten hochverzinsliche Anleihen, sogenannte High Yields, eine attraktive Rendite bei gleichzeitig kontrollierbaren Risiken. Der High-Yield-Markt ist in den Vereinigten Staaten mit einem Volumen von mehr als 1 Billion Dollar deutlich größer als in Europa. „Dafür wächst der Markt hier schneller“, zeigt sich Muzinich zuversichtlich.

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