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Schuldenkrise Portugals Staatsanleihen schlagen Bundesanleihen

 ·  Die Schuldtitel des Krisenlandes Portugal legen deutlich zu - sogar weit mehr als Deutschlands Anleihen. Die Sparpolitik des Landes war erfolgreich, doch für nächstes Jahr wird noch mehr erwartet.

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© dpa Portugiesische Schuldtitel haben seit Jahresanfang einen Wertzuwachs von 28 Prozent erreicht. Bundesanleihen verzeichnen lediglich 4,1 Prozent

Portugiesische Staatsanleihen haben seit Jahresanfang im europäischen Vergleich die beste Kursentwicklung verzeichnet. So hat der Kurs der zehnjährigen Anleihe Portugals seit Jahresanfang von 51,56 Prozent auf 65,55 Prozent zugelegt. Dies entspricht einem Anstieg von 27 Prozent.

Der Finanzdatenanbieter Bloomberg hat für portugiesische Schuldtitel seit Jahresanfang einen Ertrag von 28 Prozent errechnet. Dagegen haben die Bundesanleihen einen Wertzuwachs von lediglich 4,1 Prozent verzeichnet. Spanische Staatsanleihen verloren in diesem Zeitraum 5,1 Prozent.

Entsprechend sind die Renditen Portugals, das im April 2011 ein Rettungspaket der Eurogruppe und des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 78 Milliarden Euro benötigt hat, deutlich zurückgegangen. In der zehnjährigen Laufzeit sank die Risikoprämie seit Jahresanfang von 13,3 auf nun 10,3 Prozent.

Zwischen dem Ende Januar mit knapp 16 Prozent erreichten Renditehoch und dem Tief vom 22. Juni klafft eine Lücke von knapp 7 Prozentpunkten. Noch deutlicher ist die Rendite für zweijährige Staatsanleihen gesunken. Hier beträgt der Unterschied zwischen Renditehoch und -tief mehr als 11 Prozentpunkte. Seit Jahresanfang sind es 7 Prozentpunkte weniger.

Bis September 2013 will der portugiesische Ministerpräsident Passos Coelho wieder an den Anleihemarkt zurückkehren. Bislang kann das Land kurzfristige Geldmarktpapiere plazieren, aber keine Anleihen mit mehrjähriger Laufzeit. Allerdings hatte der Leiter der portugiesischen Schuldenagentur, Joao Moreira Rato, Ende Juli von Kontakten zu Investoren berichtet, um deren Aufnahmebereitschaft für Schuldtitel mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren zu sondieren.

Die Troika lobte und zahlte anstandslos

Die portugiesische Regierung kann auf die Erfolge ihrer Sparpolitik verweisen. Im vergangenen Jahr wurde das Haushaltsdefizit auf 4,2 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung gesenkt. Mit der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und IWF war eine Defizitquote von 5,9 Prozent vereinbart worden. Auch im ersten Halbjahr erfüllte Portugal mit einer Defizitquote von 4,5 Prozent die Vorgaben. Die Troika lobt die Regierung und zahlt die Tranchen aus dem Hilfsprogramm anstandslos.

Bis Ende des kommenden Jahres soll die Defizitquote 3 Prozent betragen. Allerdings befindet sich Portugal in einer Rezession. Für das laufende Jahr wird ein Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von mehr als 3 Prozent erwartet. Das bedeutet weniger Steuereinnahmen für den Staat, der gezwungen wäre, sein Sparprogramm zu verschärfen. Das würde die Konjunktur zusätzlich belasten.

Die Ratingagentur Standard&Poor’s (S&P) hat kürzlich zwar auch lobende Worte für die Regierung gefunden, aber trotzdem den Ratingausblick auf „negativ“ belassen. Damit droht eine weitere Herabstufung der Bonitätsnote, die mit „BB“ schon nicht mehr im investitionswürdigen Bereich liegt. S&P verweist auf die Risiken aus der Euro-Staatsschuldenkrise und der hohen Abhängigkeit Portugals vom großen Nachbarland Spanien, das mit enormen Schulden- und Konjunkturproblemen konfrontiert ist.

Immerhin gelang es Portugal im Juli, zwölfmonatige Geldmarktpapiere zu günstigeren Zinskonditionen zu plazieren als Spanien. Wenn bis September 2013 die Rückkehr an den Anleihemarkt gelingt, dürfte auch die Troika erleichtert sein. Denn am 23. September 2013 wird eine 15-jährige Anleihe im ungewöhnlich hohen Volumen von 9,7 Milliarden Euro fällig.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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