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Schroders-Fondsmanager im Gespräch „Großbritanniens Geschäftsmodell ist nicht haltbar“

 ·  Großbritannien will dieses Jahr 220 Milliarden Pfund am Kapitalmarkt aufnehmen. Das werde nicht leicht, sagt der Fondsmanager David Scammell, denn das Land stecke wegen der Finanzkrise in ähnlich großen Schwierigkeiten wie der Süden.

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Großbritannien könnte eine lange Pause mit niedrigem Wirtschaftswachstum drohen, glaubt David Scammel. Er ist Fondsmanager bei Schroders, einer Gesellschaft, die 167 Milliarden Euro verwaltet.

Scammel hält Großbritanniens starke Abhängigkeit vom Finanzsektor für künftig nicht mehr tragbar - die Industrie werde zulegen müssen, um das Vertrauen der Investoren zu stärken. Und das ist besonders wichtig, denn eine Rating-Herabstufung des Landes werde immer wahrscheinlicher. In der Vergangenheit habe Großbritannien jedoch bewiesen, dass es seine Schulden bezahlt, sagt Schammel. Ob diese Tatsache und die höheren Zinsen das Überangebot an Anleihen werden ausgleichen können?

Herr Scammell, als Großbritannien zuletzt Schuldscheine ausgab, war das Interesse der Käufer vergleichsweise gering. Gibt es Finanzprobleme?

Auf jeden Fall. Die Situation in Großbritannien ist genauso schlecht wie diejenige in Südeuropa. Im Moment scheint die Regierung noch ganz gut wegzukommen, weil sie ihre Anleiheemissionen plazieren kann. Jedoch unterscheidet sich Großbritannien von Kontinentaleuropa auch in einem wichtigen Punkt: Es hängt viel stärker von der Finanzbranche ab, und das ist es, was viele Investoren beunruhigt.

Warum?

Weil viele zu der Überzeugung gelangen, dass im Grunde das britische Geschäftsmodell nicht mehr haltbar ist. Tatsächlich wird es sich ändern, da bin ich sicher. Ungefähr 30 Prozent aller Steuereinnahmen stammten noch vor der Krise effektiv aus dem Finanzsektor in der City. Großbritannien wird wieder eine stärkere Industrie haben müssen.

Das braucht Zeit.

Ja, das ist ein Prozess, der sich über viele Jahre erstrecken wird. Und wir könnten eine lange Phase mit niedrigem Wirtschaftswachstum erleben.

Auf dem Weg dorthin wird Großbritannien noch viel Geld leihen müssen. Welche Summen braucht es in diesem Jahr? Wie viel Geld muss es in den kommenden Jahren aufnehmen?

In diesem Jahr ist eine Kapitalaufnahme in Höhe von 220 Milliarden Pfund geplant, in den kommenden drei Jahren eine von 550 Milliarden Pfund.

Ist das möglich auch angesichts dessen, dass das britische Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr etwas über 12 Prozent lag?

Viel wird davon abhängen, wie stark die Wirtschaft wächst. In einer Periode mit wenig Wachstum wird das unzweifelhaft sehr schwer werden - ein Szenario, das momentan übrigens die meisten europäischen Länder betrifft. Denn Großbritannien wird den Marktteilnehmern im Gegenzug zu zeigen haben, dass es ernsthaft spart und seinen Haushalt in Ordnung bringt. Wenn nicht gleichzeitig neue Jobs in der Privatwirtschaft entstehen, ist das schwer durchzuhalten.

Wer leiht Großbritannien Geld?

Letztes Jahr war das vor allem die Bank of England. Ihr Ankaufprogramm ist ausgelaufen, könnte aber wiederaufgenommen werden. Traditionell sind die wichtigsten Käufer Pensionsfonds. Sie werden aber sicher nicht in der Lage sein, diese großen Summen bereitzustellen. Als Drittes kommen die in der Krise vom Staat geretteten Geschäftsbanken in Frage, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie gezwungen werden könnten, einzuspringen und Geld zu leihen.

Welche Rolle spielen dabei Kredite ausländischer Investoren?

Ausländische Investoren halten britische Anleihen im Wert von 220 Milliarden Pfund, sie liegen damit auf dem zweiten Platz hinter britischen Pensionsfonds. Ob sie auch weiterhin im gleichen Maß Anleihen kaufen werden, kann ich nicht sicher beantworten. Jedenfalls hat die britische Währung stark abgewertet, deshalb sind diese Anleihen vergleichsweise billig zu haben. Hinzu kommt, dass Großbritannien historisch betrachtet seine Schulden bezahlt hat.

Ist das wichtige Triple-A-Rating des Landes in Gefahr, und drohen damit größere Zinslasten?

Es gibt eine große Wahrscheinlichkeit dafür, dass das Land in diesem Jahr herabgestuft wird, und zwar aus einem einfachen Grund: Momentan warten alle die Parlamentswahlen ab. Wer auch immer sie gewinnt, müsste eigentlich harte Sparmaßnahmen ankündigen. In einem anhaltend schlechten wirtschaftlichen Umfeld wird das aber niemand tun.

Was bedeutet eine Herabstufung in Zahlen?

Wir haben ausgerechnet, dass eine Rating-Verschlechterung um einen Schritt rund 0,5 Prozent höhere Zinsen bedeuten würde.

Gibt es in diesem Jahr ein Überangebot an neuen britischen Anleihen?

Ich habe mir angeschaut, wer in den vergangenen Jahren britische Anleihen kaufte und diesen Trend dem geplanten Emissionsvolumen gegenübergestellt. Es ergibt sich ein Überangebot zwischen 50 und 75 Milliarden Pfund. Als einzige Hoffnung bleibt, dass die heimischen Banken diese Titel kaufen werden.

Das Gespräch führte Alexander Armbruster.

Quelle: F.A.Z.
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