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Schlechte Wachstumsaussichten : Großbritannien verliert Spitzenrating „Aaa“

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Die Finanzkrise und ihre Folgen haben die Verschuldung Großbritanniens stark ansteigen lassen. Bild: dpa

Die Ratingagentur Moody’s hat Großbritannien auf „Aa1“ herabgestuft. Grund seien das langsame Wachstum und die hohe Verschuldung.

          Großbritannien zahlt den Preis für eine hartnäckige Wirtschaftsflaute und ist erstmals in der Geschichte von einer großen Rating-Agentur herabgestuft worden. Moody’s entzog dem Königreich am Freitag das wertvolle Spitzenrating „AAA“ und überreichte so gleichzeitig die Quittung für den explosiven Anstieg der staatlichen Verschuldung seit der Finanzkrise. Damit schrumpft in der EU die Gruppe der „AAA“-Länder um Deutschland weiter - Frankreich hatte erst im vergangenen Jahr seine Bestnote eingebüßt.

          Für Finanzminister George Osborne und seinen unbeliebten Sparkurs ist das Urteil ein herber Rückschlag: Er war 2010 mit dem Versprechen gewählt worden, das Spitzenrating zu verteidigen. Die Opposition sprach von einer „Demütigung“ für Osborne. Moody’s bewertet die Bonität Großbritanniens nun nur noch mit der Note „AA1“. Damit könnten sich neue Kredite für das Land verteuern, falls die Finanzmärkte einen höheren Risikoaufschlag verlangen. Auch die Vereinigten Staaten haben im Zuge der Finanzkrise die „AAA“-Note schon verloren. Bei diesen beiden Ländern hatte der Schritt jedoch bislang keine größeren Auswirkungen auf die Kreditkosten.

          Finanzmärkte waren auf die Herabstufung gefasst

          Für die Finanzmärkte kam die Nachricht nicht ganz überraschend: Neben Moody’s hatten auch Standard & Poor’s sowie Fitch Großbritannien mit einem Entzug der Bestnote gedroht. Deshalb dürften sich die Kursreaktionen nach Einschätzung von Börsianern zum Handelsstart am Montag zunächst in Grenzen halten. Das Pfund reagierte bereits mit einem Wertverlust von knapp einem amerikanischen Cent auf 1,5160 Dollar.

          Die Finanzkrise und ihre Folgen haben die Verschuldung Großbritanniens so rasant ansteigen lassen wie in kaum einem anderen Land: Der Gesamtschuldenberg verdoppelte sich innerhalb von nur fünf Jahren auf zuletzt rund 90 Prozent der Wirtschaftsleistung. Grund hierfür ist vor allem der riesige Finanzsektor des Landes. Dieser erforderte während der Krise zahlreiche teure staatliche Rettungsaktionen und belastete zudem die gesamte Wirtschaft, die seitdem nie wieder richtig auf die Beine gekommen ist.

          Osborne will an Sparkurs festhalten

          Moody’s teilte am Freitagabend nach amerikanischem Börsenschluss mit, auch die zukünftigen Aussichten für die Wirtschaft seien trübe. Die Regierung musste wegen dieser Misere ihr Ziel eines ausgeglichenen Haushalts bis zur Wahl 2015 um mindestens zwei Jahre verschieben. Moody’s machte den Sparkurs von Regierung und Firmen, aber auch die Euro-Krise für die Schwäche der Konjunktur verantwortlich. Gleichwohl machten die grundsätzlich vorhandene Wirtschaftskraft des Landes und ein politischer Wille eine finanzielle Konsolidierung in Großbritannien möglich. Deshalb versah Moody’s das neue Rating mit einem stabilen Ausblick und signalisierte damit, dass zunächst keine weitere Herabstufung droht.

          Finanzminister George Osborne sprach von einer harschen Erinnerung daran, wie Ernst die Schuldenprobleme des Landes seien. Die neue Benotung sei jedoch kein Grund für eine Kehrtwende in der Politik. Im Gegenteil: Sie werde die Entschiedenheit der Regierung verdoppeln, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Die oppositionelle Labour-Partei macht den drastischen Sparkurs für das hohe Defizit verantwortlich, weil er die Wirtschaft so stark abbremst.

          Olympia-Euphorie war nur von kurzer Dauer

          Großbritannien steckte zuletzt von Ende 2011 bis zum zweiten Quartal 2012 in der Rezession. Im vergangenen Sommer gelang dank der Olympischen Spiele in London ein Plus. Doch danach machten dem Land Produktionsausfälle in der Industrie und eine geringere Öl-Förderung in der Nordsee zu schaffen. Eis und Kälte lähmten zuletzt Einzelhandel und Bau.

          Für Verunsicherung sorgen auch die Reformwünsche von Premierminister David Cameron, der Rechte von Brüssel nach London zurückverlagern will und dabei auf Widerstand der anderen EU-Staats- und Regierungschefs stößt. Die britische Währung fiel im Zuge dieser Unsicherheiten zuletzt auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahr.

          Quelle: FAZ.NET mit Reuters

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