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Rettung von Banco Popular : Warnschuss für die Anleger

Und plötzlich nichts mehr Wert: Aktien und Anleihen von Banco Popular Bild: AFP

Die europäische Zentralbank überbringt die Hiobsbotschaft: Das spanische Finanzhaus Banco Popular ist nicht überlebensfähig. Doch die Rettung durch Santander hat fatale Konsequenzen.

          Dicke Kupons einstreichen, und am Ende springt der Steuerzahler ein: Diese Rechnung ging bei der Rettung der spanischen Bank Banco Popular nicht auf. Am Dienstag stufte die Europäische Zentralbank (EZB) die Bank als nicht mehr überlebensfähig ein. Vorher hatte es nach EZB-Angaben einen Ansturm auf die Bank und dadurch Liquiditätsprobleme gegeben. Doch anders als im Fall der italienischen Monte Dei Paschi, als mit Steuergeld das Überleben der Bank gesichert wurde, kam nun erstmals lehrbuchartig die neue europäische Bankenabwicklung zum Zuge, und die Bank wurde am Mittwoch für einen symbolischen Euro vom Banco Santander übernommen. Diskussionen, ob es wirklich eine Abwicklung der Bank gegeben hätte, wenn der Banco Santander nicht als Übernehmer bereitgestanden hätte, sind müßig.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Ergebnis aus Anlegersicht ist jedoch klar. Der Aktionär bekommt für seine Aktien nun die Mitteilung „Suspended by the regulator“ angezeigt, sprich: Durch Entscheidung der Abwicklungsbehörde SRB unter Leitung der früheren Bafin-Präsidentin Elke König sind die Aktien wertlos geworden. 90 Prozent Kursverlust in den vergangenen Jahren standen ohnehin schon zu Buche. Die Hoffnung auf eine Kurserholung ist nun vorbei. 3 Milliarden Euro betrug der Börsenwert immerhin noch vergangene Woche. Das zeigt, dass einige Anleger nicht mit so einem schnellen und auch nicht mit diesem Ende von Banco Popular gerechnet hatten.

          Ebenfalls auf dem falschen Fuß erwischt wurden viele Anleihegläubiger der sechstgrößten spanischen Bank. Bis auf die dem Volumen nach unbedeutsamen Anleihen im ersten Rang wurden alle Anleihen wertlos. Erstmals kommt es damit zum Ausfall von zwei Contingent Convertible Bonds (Coco-Bonds) im Volumen von 1,25 Milliarden Euro. Coco-Bonds sind Anleihen, die der Emittent in Eigenkapital, also Aktien, wandeln kann. Die Abwicklungsbehörde hat beschlossen, dass die beiden Coco-Bonds in die für wertlos erklärten Aktien gewandelt wurden. Auch hier lagen die Kurse im Mai noch bei mehr als 100 Prozent. Auch unmittelbar vor der Verkaufsentscheidung waren es noch rund 50 Prozent. 11,5 Prozent Kupon lockten in dem einen Coco-Bond, 8,25 Prozent in dem anderen. Manche Marktteilnehmer sind etwas verdutzt, weil die Kapitalquoten, bei denen in Aktien gewandelt werden muss, noch gar nicht unterschritten waren.

          Ausfall der Papiere kaum spürbar

          „Der neue Abwicklungsmechanismus wurde konsequent angewendet, anders als zum Beispiel in Italien, wo Privatanleger geschont werden sollen“, sagt Rolf Schäffer, Anleihe-Fachmann der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Rein rechtlich hätten neben den Coco-Bonds und den Nachranganleihen auch noch die Anleihen im ersten Rang für wertlos erklärt werden können, doch sie wurden wohl mangels Masse geschont.“

          UNIPER SE NA.

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          Am Anleihemarkt war der Ausfall der Papiere von Banco Popular kaum spürbar. Panik kam jedenfalls nicht auf. „Es wird an den Märkten keine Ansteckungsgefahr gesehen“, sagt Schäffer. Daniel Björk, Manager eines Coco-Bonds-Fonds von Swisscanto rechnet aber damit, dass die Anleger nun genauer hinschauen werden: „Wir gehen davon aus, dass künftig verstärkt die Frage gestellt wird, welche Emittenten ausreichend kapitalisiert, diversifiziert und nachhaltig aufgestellt sind. Das wird sich auch in den Risikoprämien niederschlagen.“ Die Rechnung mit dem Steuerzahler können die Anleger jedenfalls nicht mehr bedenkenlos machen.

          Quelle: F.A.Z.

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