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Unternehmensanleihen : Run auf Amazons Langzeit-Anleihen

Begehrter Schuldner: Internethändler Amazon Bild: AFP

Amazon.com ist auf der Erfolgsspur, auch am Anleihenmarkt. Seine neuen Anleihen wurden dem Konzern förmlich aus den Händen gerissen – trotz Laufzeiten von 40 Jahren.

          Wer in diesen Tagen Anleihen von Air Berlin besitzt, weiß, wie es sich anfühlt, ein Schuldpapier eines in erheblichen Schwierigkeiten befindlichen Unternehmens im Depot zu haben. Die Kursverluste sind dramatisch. Am anderen Ende des Marktes für Unternehmensanleihen finden sich dagegen Emittenten, die so viel Geld in der Kasse haben, dass sie eigentlich gar keine Anleihen ausgeben müssten.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Zu diesen Emittenten gehören große amerikanische Unternehmen wie der Internethändler Amazon. Dieser hat in diesen Tagen mehrere Anleihen in drei Währungen begeben: Dollar, Euro und kanadischen Dollar.

          Obgleich es sich mit einem Volumen von 16 Milliarden Dollar um die viertgrößte Emission des Jahres handelte, war die Nachfrage knapp dreimal so hoch. Dadurch muss der kalifornische Konzern gegenüber amerikanischen Staatsanleihen nur einen Renditeaufschlag von rund 1,5 Prozentpunkten bezahlen. Dabei wird zum einen die Bonität von Amazon für langfristige Verbindlichkeiten durch die große Ratingagentur Moody’s mit der Note „Baa1“ nur  durchschnittlich bewertet.

          AMAZON.COM 14/44

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          Zum anderen sind die Laufzeiten der neuen Papiere bemerkenswert lang. Eine Dollar-Anleihen ist im August 2057 fällig und trägt einen Kupon von 4,25 Prozent, das im August 2047 fällige Papier ist mit einem Kupon von 4,05 Prozent ausgestattet.

          Wenn Anleihen mit sehr langen Laufzeiten an den Markt kommen, sind immer wieder Kritiker mit dem Einwand zu hören, es sei unmöglich, über eine solch lange Laufzeit eine Aussage über die Qualität eines Schuldners zu machen. Dieser Einwand ist ebenso richtig wie banal: Ob es Amazon in 30 oder 40 Jahren überhaupt noch geben wird, kann heute niemand wissen. Auch weiß niemand, wie es in ein paar Jahrzehnten um die Zahlungsfähigkeit heutiger Staaten bestellt sein wird. Sehr langfristige Betrachtungen sind immer und überall mit hohen Unsicherheiten verbunden.

          Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Finanzunternehmen häufig sehr langfristige Zusagen aussprechen. Das gilt nicht nur für Lebensversicherer. Wer als Finanzunternehmen solche Zusagen trifft, wird sich nicht damit bescheiden, seine Kapitalanlagen nur mit kurzfristigen Wertpapieren zu bestreiten.

          Nachfrage nach sehr langen Laufzeiten ist groß

          Vielmehr wird großes Interesse bestehen, auch sehr langfristige Wertpapiere mit festem Zinssatz aufzunehmen, um sich auf die fern in der Zukunft liegenden Auszahlungsverpflichtungen einzustellen. Dass solche Wertpapiere auch dann Risiken beinhalten, wenn der Schuldner aus heutiger Sicht sehr sicher erscheint, ist kein Geheimnis. Aber keine Kapitalanlage verspricht auf lange Frist Sicherheit und Rendite in einem.

          Das erklärt, warum in der Vergangenheit die Renditen britischer Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit immer wieder einmal unter den Renditen von Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit lagen. Die Nachfrage nach den Dreißigjährigen durch Anbieter privater Altersvorsorge ist sehr hoch und nachhaltig.

          Immer mehr Unternehmen machen sich diese Nachfrage zunutze und begeben selbst Langläufer – zum Teil mit einer Laufzeit von 100 Jahren. Dem Vernehmen nach wurden schon solche Papiere als Ergebnis der Nachfrage einzelner großer Versicherer aufgelegt. Man muss sich daher nicht wundern, dass jetzt auch das Interesse für die Langläufer von Amazon groß ist.

          Verwendet werden soll der Erlös größtenteils zur Finanzierung der Übernahme der Supermarktkette Whole Foods Market. Dafür hat Amazon 13,7 Milliarden Dollar bezahlt. Amazon verfügt zwar über 21 Milliarden Dollar in Bankguthaben und kurzfristigen Wertpapieren, aber der Konzern hält es angesichts der niedrigen Renditen für sinnvoller, den Kauf über die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren. Zuletzt hatte Amazon im Jahre 2014 Anleihen an den Markt gebracht.

          Quelle: F.A.Z.

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