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Rückzahlung für Langfristgeschäfte Bis zu 300 Milliarden Euro Sondertilgung bei der EZB

Die Europäische Zentralbank erwartet hohe Rückzahlungen für ihre beiden Langfristgeschäfte vor einem Jahr. Die Höhe der Sondertilgung gilt als Indiz für Entspannung. Von Banken in den Peripherieländern wird es allerdings nur wenig Geld geben.

© dapd Vergrößern Die Finanzierungssituation europäischer Banken hat sich zuletzt gebessert

Der Europäischen Zentralbank könnten hohe Rückzahlungen aus den beiden vor gut einem Jahr aufgelegten Langfristgeschäften bevorstehen. Die Schätzungen reichen von 100 bis 300 Milliarden Euro. Vor gut einem Jahr hatte die EZB den Banken Geld für die ungewöhnlich lange Laufzeit von drei Jahren zum Leitzins angeboten, um ihre angespannte Finanzierungslage zu lindern. Mehr als 800 Banken griffen zu und liehen sich gut 1000 Milliarden Euro. Da zugleich andere Geschäfte mit kürzerer Laufzeit beendet werden konnten, betrug der Nettozufluss rund 500 Milliarden Euro, von denen mehr als die Hälfte an Banken in Spanien und Italien gingen. Die Banken dürfen nun am 30. Januar erstmals Geld aus diesen Krediten vorzeitig zurückzahlen.

Diese Option haben sie von nun an bis zum Ende der Laufzeit der Langfristgeschäfte in zwei Jahren. Rückzahlungen wird es von Banken geben, die über genügend andere Finanzierungsquellen verfügen. Deshalb dürfte die Höhe der Sondertilgungen, die von der Ratingagentur Fitch auf bis zu 300 Milliarden Euro geschätzt werden, ein Indiz für die Entspannung auf den Kapitalmärkten sein, auf die EZB-Präsident Mario Draghi hingewiesen hat.

Trend zur Balkanisierung auf hohem Niveau gestoppt

In diesem Sinn wird nicht nur die absolute Höhe der Rückzahlung von Interesse sein, sondern auch, welche Banken zahlen. Analysten der britischen Bank Barclays erwarten Tilgungen von rund 200 Milliarden Euro. Allerdings dominierten dabei die Banken der Länder wie Deutschland und Frankreich. Von spanischen und italienischen Banken, die sich über die dreijährigen Geschäfte mehr als 550 Milliarden Euro geliehen haben, seien immerhin 70 Milliarden Euro zu erwarten. Das gilt bei Morgan Stanley als optimistische Schätzung, die nur in einem positiven Szenario erreicht werde. Im wahrscheinlicheren Szenario geht Morgan Stanley von einer Rückzahlung von insgesamt 116 Milliarden Euro aus, wobei nur ein Drittel aus Spanien und Italien kommen werde, heißt es in einer Studie der amerikanischen Bank.

Der Trend zur Balkanisierung sei auf gefährlich hohem Niveau gestoppt. Mit diesem Begriff werden im Fachjargon die lange Zeit auseinanderdriftenden Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft in den einzelnen Euroländern bezeichnet, mit hohen Zinsen in den finanzschwachen Staaten und rekordniedrigen in Deutschland. Ein Indiz für die Trendwende sieht Morgan Stanley in den kürzlich stark gesunkenen Targetsalden.

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Die Finanzierungssituation europäischer Banken hat sich nach Ansicht von Oliver Piquardt, Analyst der DZ Bank, in den vergangenen Wochen gebessert. Jedoch sei der Geldmarkt angesichts der hohen Einlagen bei der EZB noch immer angespannt. Die sogenannte Einlagefazilität, auf die die Zentralbank keinen Zins mehr zahlt, beträgt gegenwärtig 173 Milliarden Euro. Vor der Finanzkrise im Sommer 2008 waren es deutlich unter 100 Milliarden Euro, in der Zuspitzung der Staatsschuldenkrise aber auch schon mehr als 800 Milliarden Euro. Hier parken Banken umso stärker ihre überschüssige Liquidität, je größer ihr Misstrauen gegenüber anderen Instituten ist.

Laut Piquardt können die Banken wieder stärker am Anleihemarkt auch längerfristige Schuldtitel plazieren. Doch seien die Volumina im Vergleich zu den Jahren vor der Finanzkrise noch immer sehr niedrig. Nach einer Statistik des britischen Finanzdatenanbieters Dealogic haben Banken aus dem Euroraum im vergangenen Jahr unbesicherte Anleihen über 155 Milliarden Euro plaziert. Das ist ungefähr die Hälfte der Emissionen im Jahr 2006. In diesem und in den kommenden beiden Jahren müssen die Banken fällig werdende Titel von jeweils mehr als 200 Milliarden Euro tilgen.

Geldmarkt kann sich „sehr schnell wieder schließen“

Dass sich die Lage europäischer Banken wieder etwas gebessert hat, führt ING-Fondsmanager Roel Jansen auf die Maßnahmen der EZB zurück, mit denen die kurz- und mittelfristigen Risiken für die Bankbilanzen deutlich reduziert wurden. Er bevorzugt aber mit Hypothekenkrediten unterlegte Bankanleihen (Covered Bonds wie deutsche Pfandbriefe) gegenüber unbesicherten Titeln. Gerade die von Banken aus Euro-Krisenländern begebenen Covered Bonds wiesen ein attraktiveres Risiko-Rendite-Profil aus. Zudem zielten die Maßnahmen der europäischen Politik darauf, die Covered-Bonds-Investoren zu schützen, während Anleihegläubiger möglicherweise künftig in Schieflagen haften könnten.

Nach Ansicht von DZ-Bank-Analyst Thomas Meißner kann es für viele europäische Banken noch attraktiv sein, an den Mitteln aus den EZB-Langfristtendern festzuhalten und diese nicht vorzeitig zurückzuzahlen. Dabei hat er vor allem die Institute aus den Euro-Krisenländern im Blick. „Die Krise hat gezeigt, dass sich der Geldmarkt sehr schnell wieder schließen kann“, sagt er.

Quelle: F.A.Z.

 
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