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Veröffentlicht: 20.04.2017, 08:24 Uhr

Unternehmensanleihen Rickmers-Gläubiger müssen bluten

Lange hatte sich die Reederei Rickmers gesträubt, nun kommt es so wie von vielen Beobachtern erwartet: Im Zuge einer finanziellen Restrukturierung werden die Anleihegläubiger wohl bluten müssen.

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© dpa Zeichen vergangenen Glanzes: Das Museumsschiff „Rickmer Rickmers“ im Hamburger Hafen
 
Finanzielle Restrukturierung: Rickmers-Aktien statt -Anleihen

Die angeschlagene Reederei Rickmers hat einen Plan zur Restrukturierung ihrer Schulden verabschiedet. Demnach sollen Gläubiger und Eigentümer, das heißt Alleinaktionär Bertram Rickmers wesentliche Sanierungsbeiträge leisten.

Martin Hock Folgen:

Das betrifft damit neben den Banken auch die Gläubiger der 2018 fälligen und mit 8,875 Prozent verzinsten Unternehmensanleihe im Volumen von 250 Millionen Euro. Das Procedere ist allerdings nicht ganz unkompliziert. Bertram Rickmers wird 75,1 Prozent am Unternehmen abgeben, damit die wesentlichen Gläubiger, die HSH Nordbank, die Anleihegläubiger und gegebenenfalls eine weitere Bank diese Anteile erwerben können.

RICKMERS HOLD.ANL 13/18

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Dazu soll eine Luxemburger Zweckgesellschaft mit dem Arbeitsnamen „LuxCo“ die Anleiheverbindlichkeiten übernehmen und somit statt der Rickmers Holding Schuldnerin der Anleihe sowie eines Teils der Bankkredite werden sowie im Wege einer Kapitalerhöhung 75,1 Prozent an der Rickmers Holding erwerben. Diese Aktien sollen dann verkauft und der Erlös unter den Gläubigern der „LuxCo“ verteilt werden. Daran soll auch ein gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger mitwirken.

Die am 11. Juni fälligen Anleihezinsen sollen dagegen noch bezahlt werden, sofern bis zu diesem Zeitpunkt ein gemeinsamer Vertreter benannt ist. Ein designierter gemeinsamer Vertreter habe schon an dem vorgelegten Konzept mitgearbeitet.

Rickmers Gruppe soll sanierungsfähig sein

Bertram Rickmers wird zu dem eine Bareinlage von 10 Millionen Euro leisten sowie eine Werftenverbindlichkeit von 10 Millionen Dollar übernehmen und zudem bis zum zweiten Quartal 2021 auf Markenlizenzgebühren verzichten. Darüber will der bisherige Alleinaktionär, der nach Unternehmensangaben schon 2016 eine Bareinlage in die Rickmers Holding von 13 Millionen Euro geleistet hat, für ein Reservedarlehen von bis zu 10 Millionen Euro sorgen. Des weiteren sollen Banken und eine Werft Tilgungsstundungen gewähren, verpfändete Gelder freigeben und auf Zinsen verzichten.

Derzeit wird die Rickmers Gruppe von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf ihre Sanierungsfähigkeit begutachtet. Dieser Prozess stehe kurz vor dem Abschluss und bestätige bisher die Sanierungsfähigkeit des Konzerns. Die Sanierung führe gegenüber einem vorliegenden Liquidationswertbericht für die Anleihegläubiger zu einem deutlich besseren Ergebnis als eine Insolvenz. Diese werde voraussichtlich unausweichlich sein, sollten die Gremien der Gläubigerbanken und/oder die Anleihegläubiger dem Konzept nicht zustimmen.

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Wie jeder Zahlungsausfall ist auch dieser für die Anleihegläubiger schmerzlich. Angesichts der Situation der Gruppe dürfte eine erfolgreiche Sanierung tatsächlich mehr versprechen als eine Liquidation. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) fordert indes, dass den Anleiheinhabern die Möglichkeit eingeräumt wird, bei einem sich wiederaufhellenden wirtschaftlichen Umfeld an einer positiven Entwicklung der Rickmers Holding teilzuhaben. Damit wendet sie sich gegen die unmittelbare Abgeltung der Forderungen durch den Verkauf der Aktien seitens der „LuxCo“.

Etwas befremdlich wirkt auch, dass ein „designierter gemeinsamer Vertreter“ der Anleihegläubiger an dem Konzept mitgearbeitet hat. Das ist zwar eigentlich begrüßenswert, stellt aber die Hierarchie auf den Kopf, wenn eine Vertrauensperson der Gläubiger vom Schuldner vorgeschlagen wird.

Rickmers war zum 1. Juli 2016 netto mit dem zwanzigfachen des operativen Gewinnes verschuldet. 2015 und im ersten Halbjahr 2016 waren jeweils Verluste von mehr als 130 Millionen Euro angefallen. Nachdem sich die über die Jahre rückläufigen Umsätze 2015 etwas erholt hatten, waren sie im ersten Halbjahr 2016 abermals um 14 Prozent gefallen.

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Im November war die Sanierung der in Singapur ansässigen Rickmers Maritime Trust gescheitert, nachdem sich die Gläubiger nicht hatten auf eine Restrukturierung einigen können. Rickmers Maritime war im November zahlungsunfähig geworden und konnte Anleihezinsen von 4,3 Millionen Singapur-Dollar nicht bedienen. Die Rickmers Gruppe hatte Anteile am Trust kurz vor dem Eintreten der Zahlungsunfähigkeit verkauft und soll zuletzt noch etwa 34 Prozent gehalten haben.

Im Februar hatte die Rickmers Gruppe zudem den Geschäftsbetrieb der Rickmers-Linie an eine Gesellschaft des Bremer Immobilienunternehmers Kurt Zech verkauft. Dieser ist auch wegen seines Engagements bei insolventen Emittenten von Mittelstandsanleihen bekannt. So hat die Zech-Gruppe KTG Energie und KTG Agrar übernommen sowie ein Luxushotel des Vorstandschefs der gescheiterten Versicherung Enterprise Holdings.

Der Kurs der Rickmers-Anleihe war schon Ende 2015 ins Rutschen geraten. Zuletzt hatte er bei nur noch acht Prozent der Nominale gelegen.

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