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Veröffentlicht: 12.04.2017, 19:50 Uhr

Repo-Markt Notenbanken müssen mehr Anleihebestände verleihen

Der Repo-Markt leidet unter den Anleihekaufprogrammen der Notenbanken und den neuen Regulierungen. Gerade in Europa ist das spürbar. Die BIZ ermuntert deswegen die Zentralbanken zu einer neuen Strategie.

von
© Junker, Patrick Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: Mitverursacher des schwachen Repo-Marktes.

Die meisten Anleger wissen nicht einmal von seiner Existenz, obgleich er für das reibungslose Funktionieren eines modernen Finanzsystems unabdingbar ist: Die Rede ist vom sogenannten Repo-Markt, einem Markt mit einem Volumen von rund 12 Billionen Dollar. Wie eine neue, von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) veröffentlichte Studie zeigt, leidet dieser Markt unter den Anleihekaufprogrammen der Notenbanken ebenso wie unter neuen Regulierungen. Um Spannungen in diesen Märkten zu vermeiden, könnten sich die Notenbanken veranlasst sehen, mehr Anleihen aus ihren Beständen zu verleihen. Repos sind meist kurzfristige Finanzgeschäfte mit einer Rückkaufvereinbarung, für die meist Staatsanleihen verwendet werden. Das Volumen der Repo-Geschäfte mit Staatsanleihen macht knapp 8 Billionen Dollar und damit zwei Drittel des gesamten Repo-Marktes aus.

Gerald Braunberger Folgen:

In der Praxis geht das so: Ein Investor, der Staatsanleihen besitzt, sie aber unmittelbar nicht benötigt und stattdessen Geld braucht, verkauft sie für einen im Voraus vereinbarten Zeitraum an einen anderen Investor, der Geld hat und gerne vorübergehend die Staatsanleihen hält. Nach dem Ende der Laufzeit kauft der ursprüngliche Eigentümer seine Papiere zu einem im Voraus vereinbarten Preis wieder zurück. In wirtschaftlicher Hinsicht ähnelt das Geschäft einem kurzfristigen Kredit, bei dem Staatsanleihen als Sicherheit dienen.

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Großanleger, die typischerweise Geldüberschüsse haben und kurzfristige Anlagen in Anleihen suchen, sind Geldmarktfonds, Banken und Unternehmen aus Industrie und Handel. Großanleger, die typischerweise Staatsanleihen halten, aber bereit sind, diese kurzfristig gegen Geld abzugeben, sind Pensions- und Investmentfonds, Hedgefonds und Versicherungen. Abgewickelt werden solche Geschäfte meist durch zwischengeschaltete Banken oder andere spezialisierte Finanzunternehmen.

Europa ist für Verspannungen bekannt

In den vergangenen Jahren ist es mehrfach zu kurzzeitigen Verspannungen am Repo-Markt gekommen, die nicht ausschließlich, aber doch häufig gegen Ende eines Quartals zu beobachten waren. Erkennen lassen sich solche Verspannungen am Zinssatz, zu dem solche Geschäfte ausgeführt werden. Handelt es sich bei den verwendeten Wertpapieren um Staatsanleihen erstklassiger Qualität wie amerikanische oder deutsche Staatsanleihen, sollte sich der Zinssatz für kurzfristige Repo-Geschäfte nur wenig vom kurzfristigen Notenbankzins unterscheiden. Engpässe am Markt lassen sich unter anderem an sprunghaft steigenden Differenzen zwischen dem Zinssatz für Repo-Geschäfte und dem Notenbankzins zeigen. Engpässe sind unter anderem denkbar, wenn Notenbanken im Rahmen von Ankaufprogrammen so viele Anleihen aus dem Markt aufnehmen, dass den privaten Teilnehmern das Material für Repo-Geschäfte ausgeht.

Gerade in den fragmentierten nationalen europäischen Staatsanleihemärkten sind solche Erfahrungen bekannt. Als die Europäische Zentralbank in der Euro-Krise in den Jahren 2011 und 2012 vorübergehend italienische Staatsanleihen aufkaufte, kam es auf dem Markt zu Spannungen. Daher gab die EZB vor Beginn ihres aktuellen Kaufprogramms im Frühjahr 2015 bekannt, dass sie einen Teil der angekauften Staatsanleihen aus Euroländern auf dem Wege von Verleihgeschäften dem Markt wieder zur Verfügung stellen werde. So sagte Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré im Frühjahr 2015: „Das Verleihen von Wertpapieren wird nicht nur wichtig sein, um für genügend sichere Wertpapiere im Markt zu sorgen, sondern auch, um die Liquidität im Markt generell zu sichern.“

Im Verlauf des Anleiheprogramms zeigte sich dann jedoch, dass die EZB nicht genügend Anleihen verleihte. Daher wurden die Regeln im Dezember 2016 überarbeitet. In den vergangenen Monaten haben sich mehrere internationale Großbanken kritisch zur Verfassung des Repo-Marktes speziell in Europa geäußert. Die Spannungen an den Quartalsenden dürften allerdings weniger das Ergebnis der Geldpolitik sein, sondern mit schärferen Eigenkapitalregeln für Banken zusammenhängen. Da Quartalswechsel auch Bilanzstichtage sind, neigen manche Banken dazu, ihr Geschäftsvolumen am Quartalswechsel zu reduzieren, um keine Schwierigkeiten mit den Eigenkapitalregeln zu erhalten.

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Die Autoren der von der BIZ veröffentlichten Studie tun sich mit grundlegenden politischen Empfehlungen schwer. Sie ermuntern Notenbanken, ihre Verleihgeschäfte auszubauen, um temporäre Verspannungen zu verhindern. Gleichzeitig geben sie sich zwei Jahre Zeit, um die Repo-Märkte noch intensiver zu studieren. Ein Problem besteht in der gesamtwirtschaftlichen Bewertung der Repo-Märkte. Funktionieren sie schlecht, wird eine ordentliche Preisbildung an den Finanzmärkten erschwert, was aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive negativ zu bewerten ist. Das andere Extrem sind extrem liquide Repo-Märkte, mit deren Hilfe sich Teilnehmer an den Finanzmärkten hoch verschulden können. Kommt es zu einer Finanzkrise, drohen auch an sich soliden Finanzhäusern plötzlich Schwierigkeiten – wie das Beispiel der amerikanischen Geldmarktfonds aus der Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 belegt.

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