Home
http://www.faz.net/-gvt-x447
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rentenpapiere Inflationsschutz-Anleihen mit Verlusten

 ·  Obwohl sich die Inflationsrate im Euro-Raum auf einem ungewöhnlich hohen Niveau bewegt, haben Anleihen mit Inflationsschutz ihren Besitzern in den vergangenen drei Monaten Verluste beschert.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Obwohl sich die Inflationsrate im Euro-Raum auf einem ungewöhnlich hohen Niveau bewegt, haben Anleihen mit Inflationsschutz ihren Besitzern in den vergangenen drei Monaten Verluste beschert. Der Kursrutsch am Markt für europäische Staatsanleihen drückt auch den Preis der Schuldtitel, deren Zins und Tilgung an einen Inflationsindex gekoppelt sind. „Der Inflationsschutz ist absolut intakt“, sagt Michael Wenselaers von der belgischen KBC Asset Management, einem der größten Akteure auf dem noch vergleichsweise jungen Nischenmarkt. „Wenn aber die Marktzinsen deutlich nach oben und damit die Kurse nach unten gehen, kann man sich dem nicht entziehen.“

Tatsächlich fiel der Abschlag von Anleihen mit Inflationsschutz etwas milder aus als der von klassischen Staatsanleihen. So verlor der JPMorgan-Euro-Government-Index, ein Marktbarometer für klassische europäische Staatsanleihen, seit Anfang März 2,4 Prozent an Wert. Der JPMorgan-Elsi-Index, der die Wertentwicklung von europäischen Anleihen mit Inflationsschutz misst, gab dagegen nur um ein Prozent nach.

Luft war bei den Realrenditen ab März dünner geworden

Dass der Nischenmarkt das Geschehen am breiten Rentenmarkt nicht vollständig ausblenden konnte wie noch im vergangenen Jahr, begründet Frank Hagenstein von der Fondsgesellschaft Deka Investments mit den kräftigen Kurszuwächsen - ausgelöst durch den Realzinsrückgang - von inflationsindexierten Anleihen im zweiten Halbjahr 2007 sowie in den ersten beiden Monaten dieses Jahres. Der JPMorgan-Index machte in diesem Zeitraum vor dem Hintergrund einer anziehenden Teuerungsrate im Euro-Raum einen Sprung von 9 Prozent. „Die Luft war bei den Realrenditen ab März dünner geworden“, kommentiert Hagenstein das Geschehen.

Anleihen mit Inflationsschutz kamen Ende der neunziger Jahre verstärkt in Europa auf. Vor zwei Jahren wurde auch die Bundesregierung aktiv und emittierte erstmals entsprechende Titel. Diese Schuldtitel funktionieren zunächst wie klassische Anleihen. Regelmäßig wird an die Gläubiger der Kupon überwiesen und am Laufzeitende das Geld zurückgezahlt. Allerdings sind Zins und Tilgung an einen Inflationsindex gekoppelt. Für Titel aus dem Euro-Raum ist das üblicherweise der harmonisierte Verbraucherpreisindex ohne Tabakwaren, wie ihn das europäische Statistikamt Eurostat berechnet. Schwindet die Kaufkraft zum Beispiel um 3 Prozent, steigen der Kupon und die Auszahlungssumme am Laufzeitende in gleicher Höhe. Auf dem aktuellen Kursniveau würden Anleihen mit Inflationsschutz besser als vergleichbare Staatsanleihen abschneiden, wenn die Inflationsrate in Zukunft über 2,5 Prozent liegt. Der Markt ist damit auch so etwas wie der Gradmesser für die herrschende Inflationserwartung.

Fonds mit einer Spezialisierung auf inflationsindexierte Anleihen kurzfristig schwächlich

Der Wert von Fonds mit einer Spezialisierung auf inflationsindexierte europäische Anleihen fiel über die vergangenen drei Monate im Durchschnitt um 1,3 Prozent. Bei einem Blick auf die vergangenen zwölf Monate hellt sich das Bild jedoch angesichts eines durchschnittlichen Wertzuwachses von 5,5 Prozent wieder auf. Mit weiteren einschneidenden Korrekturen rechnet KBC-Fondsmanager Wenselaers erst einmal nicht. „Die Inflationsrate im Euro-Raum dürfte eher in Richtung 4 Prozent gehen“, erwartet er. Im Mai lag sie bei 3,6 Prozent. Bei den Haupttreibern der Teuerung, den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen, ist nach seiner Einschätzung keine Entspannung in Sicht. Die Nachfrage nach Inflationsschutz sollte deshalb stabil bleiben.

An Nachschub mangelt es auf dem Markt für Anleihen mit Inflationsschutz derzeit nicht. Nach einer Aufstellung der Royal Bank of Scotland sind von Emittenten aus dem Euro-Raum in diesem Jahr schon neue Schuldtitel im Volumen von 33 Milliarden Euro auf den Markt gekommen, überwiegend aus Italien, Griechenland und Frankreich. Im vergangenen Jahr betrug das Emissionsvolumen insgesamt 64 Milliarden Euro - innerhalb von fünf Jahren hat es sich damit fast verzehnfacht. Allerdings bedauern es einzelne Marktakteure, dass sich der Kreis der Emittenten von inflationsindexierten Anleihen weitgehend auf Staaten beschränkt. „Ich würde es begrüßen, wenn etwa die KfW oder andere öffentliche Institutionen in diesem Punkt aktiver wären“, sagt André Bischoff, Anleihespezialist bei dem unabhängigen Kölner Vermögensverwalter Rheinische Portfolio Management (RP). Entsprechende Ankündigungen lassen aber noch auf sich warten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Wertpapiersuche
Renten und Zinsen
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Bund Future --  --
  Bobl Future --  --
  Euribor Future --  --
  REX (Kurs) --  --
  REX --  --
  Schatz Future --  --
  Libor EUR 1W --  --
  Libor USD 1W --  --
Zinsen