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Rentenmarkt Zinsmärkte in der Defensive

29.03.2006 ·  Lange Zeit wollte es niemand wahrhaben, aber inzwischen haben sich die Vorzeichen an den internationalen Rentenmärkten verändert. Abgesehen von technischen Gegenbewegungen erhalten sie nur bei konjunktureller Abkühlung wieder Phantasie.

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Lange Zeit wollte es niemand wahrhaben, aber inzwischen wird es immer deutlicher, daß sich die Vorzeichen an den internationalen Rentenmärkten verändert haben. Tendierten die Renditen lange Jahre aufgrund disinflationärer oder gar deflationärer Tendenzen nach unten, so scheinen inzwischen die Renditetiefs beziehungsweise die Kurshochs überschritten zu sein.

Hatten enorm tiefe Leitzinsen und große Geldmengen die Weltwirtschaft lange Zeit überaus üppig mit Liquidität versorgt, so zeigt sich inzwischen die Wirkung überaus deutlich. Einmal im anhaltenden Wirtschaftswachstum - auch wenn es in manchen Regionen auf „ungesunden“, tönernen Fundamenten stehen mag - und auf der anderen Seite haben sich in manchen Segmenten die Preise überaus rasant entwickelt. Das zeigt sich zwar nur bedingt in den offiziellen Indizes, dagegen an den Rohstoff-, Energie- und vor allem auch den Vermögenspreisen.

Genügend Gründe für Zinserhöhungen

So sind in den vergangenen Monaten vor allem die Immobilienpreise in manchen Regionen über jede vernünftige Bewertung hinaus gestiegen. Das läßt sich beispielsweise am Verhältnis zur Einkommensentwicklung ablesen oder auch mit Blick auf die Mieteinnahmen. Seltsamerweise scheint das jedoch die Verbraucher und sonstigen Wirtschaftsteilnehmer bisher nicht zu stören, sondern sogar eher zu beflügeln. Die Stimmungsindikatoren deuten sowohl in den Vereinigten Staaten, in Europa - Ifo- und auch GFK-Index - auf einen relativ großen Optimismus hin. Und der ist in der Regel auch mit entsprechenden Aktivitäten verbunden. Das heißt, die Konjunktur könnte dadurch weiter belebt werden. Vor allem in Europa hat man lange auf das Aufleben des Konsums gewartet, hatte die Wirtschaft doch bislang vor allem vom dynamischen Exportgeschäft gelebt.

Sollte sich der anhaltende Optimismus jedoch bestätigen, so hätte das entsprechende Konsequenzen für die Rentenmärkte. Denn die Notenbanken dürften gezwungen werden, die Zins- und Liquiditätsschrauben noch weiter anzuziehen. Selbst in den Vereinigten Staaten scheinen weitere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen sein, nachdem die Zentralbank den Leitzins in den vergangenen Monaten in 15 Schritten von einem Rekordtief von einem Prozent noch im Juni des Jahres 2004 auf zuletzt 4,75 Prozent am Dienstag hochgeschraubt hat. Der Zinserhöhungszyklus scheint hier noch nicht abgeschlossen zu sein, richtet sich das Augenmerk der Zentralbank doch auf die Entwicklung der Kosten.

Entwarnung nur bei konjunktureller Abkühlung

Auch in Europa scheinen weitere Zinserhöhungen absehbar zu sein. Denn tiefen Zinsen haben zu regen Aktivitäten im Kreditbereich geführt und die die Preise haben in den vergangenen Monaten deutlich angezogen, vor allem auch bei manchen „Vermögenswerten“. Im Energie- und Rohstoffbereich halten sie sich auf einem hohen Niveau und dürfte sich im Wirtschaftskreislauf immer stärker bemerkbar machen. Dazu kommen Lohnrunden und absehbare Steuererhöhungen, die wenig Gutes erwarten lassen. Vor allem dann nicht, wenn es im öffentlich Sektor, der so gut wie keine Produktivitätsverbesserungen aufweisen kann, wieder zu so unvernünftigen Abschlüssen auf Pump wie in der Vergangenheit kommen sollte.

Gleichzeitig sind die Märkte inzwischen technisch deutlich angeschlagen. Sowohl die Swapsätze als auch der Bund-Future haben inzwischen ihre langfristigen Trends gebrochen. Das läßt zumindest aus technischer Sicht auf weitere Kursverluste schließen, vor allem wenn sich die gegenwärtige „Stimmungseuphorie“ real bestätigen und wirtschaftlich niederschlagen sollte. Kurzfristig scheint aufgrund überzogener Erwartungen eine Gegenbewegung denkbar zu sein. Sie dürfte aber nur dann weiter tragen, wenn sich der amerikanische Immobilienmarkt weiter abkühlen, den Konsum und damit indirekt die Weltkonjunktur abkühlen sollte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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