24.02.2003 · Die Anleiherenditen fallen immer tiefer. Verantwortlich dafür ist die verzweifelte Suche der Anleger nach Sicherheit im Banne des Irak-Konflikts. Angeheizt wird die Nachfrage zudem durch Zinsfantasie.
Die Anleger laden sich unverändert die Depots voll mit Anleihen. Dies katapultiert den Bund-Future am Montag auf ein neues Kontrakthoch und schickt die Renditen in den Keller. Am Nachmittag verbucht der Bund-Future gegen 17.00 Uhr ein Plus von 40 Basispunkten auf 116,57 Prozent und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen ermäßigt sich auf unter 3,90 Prozent.
Begünstigt wird die anhaltend freundliche Stimmung am Rentenmarkt in erster Linie von der Irak-Krise. Dies lässt den Anleihenmarkt angesichts fallender Aktienkurse weiter als Hort der Sicherheit erscheinen. Zudem wird die positive Entwicklung gefördert durch die neuesten Andeutungen von Wim Duisenberg, bei denen der Chef der Europäischen Zentralbank eine baldige Zinssenkung durchblicken ließ.
Wobei auch hier ein möglicher Irak-Krieg der Auslöser sein könnte. Denn bei dieser Konstellation droht der Konjunktur ein Rückfall in die Rezession, wogegen die Notenbank mit einer Lockerung der Geldpolitik gegensteuern will. „Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung hat am Wochenende definitiv zugenommen", sagte ein Rentenhändler zu den Kursgewinnen.
Alles hängt am Irak-Konflikt
Ob der Rentenmarkt kurzfristig weitere Rückendeckung erhält, wird auch davon abhängen, inwieweit der Irak auf die von der UNO geforderte Zerstörung verbotener Raketen eingeht oder nicht. Im Verweigerungsfall dürfte der Krieg schon bald beginnen, was den Rentenmarkt weiter stützen dürfte. Im Falle einer überraschenden Entspannung bei der Krise drohen dagegen auch einmal Gewinnmitnahmen.
Die Haltung der Anleger spiegelt sich auch in den Sätzen von Eric Cheung, Fondsmanager bei Wilmington Trust Corp.: „Der Irak ist ein große Wolke am Himmel. Und bis wir wissen, wie es weiter geht, wird die Flucht in die Qualität und damit in den Rentenmarkt anhalten“, lautet seine Bestandsaufnahme.
Erzeugerpreise passen nicht ganz ins Bild
Gestützt wird das Ganze auch durch Konjunkturzahlen, die zuletzt nicht gerade für einen baldigen Aufschwung sprachen. Allerdings mutet es gleichzeitig schon etwas komisch an, dass die zuletzt sowohl in Deutschland als auch in den USA überraschend hoch ausgefallenen Erzeugerpreise mit einem Schulterzucken hingenommen werden. In Deutschland sind die Erzeugerpreise im Januar mit plus 1,3 Prozent gegenüber Dezember sogar mit der stärksten Rate seit 21 Jahren gestiegen.
Doch am Tag der Bekanntgabe dieser Zahl markiert der Bund-Future unbeirrt ein neues Kontrakthoch. Auch dieses Verhalten signalisiert, wie verunsichert die Anleger sind. Gleichzeitig macht dies aber auch deutlich, welche Rückschlagsgefahren drohen, wenn sich die politischen Risiken plötzlich verflüchtigen sollten. Dieses Problem sollten Anleger stets im Hinterkopf behalten, solange sie den intakten Aufwärtstrend am Rentenmarkt mitspielen.