26.07.2010 · Die Veröffentlichung der Ergebnisse der Bankenstresstests am Freitag scheint zumindest am Rentenmarkt trotz aller Zweifel an ihrer Qualität positiv aufgenommen zu werden. Die spanischen Staatsanleihen verzeichnen deutliche Kursgewinne.
Die Veröffentlichung der Bankenstresstests am Freitag nach Börsenschluss sorgt am Montag an den Devisen- und Aktienmärkten kaum für Bewegung. Dagegen scheinen die Ergebnisse zumindest am Rentenmarkt positiv aufgenommen zu werden. Denn zumindest die Kurse spanischer, britischer und italienischer Staatsanleihen steigen, während die deutscher, schwedischer und dänischer Staatspapiere nachgeben.
Der Kurs der Anfang des Monats mit der Isin ES00000122T3 auf den Markt gekommenen spanischen Anleihe mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren und einem Kupon von 4,85 Prozent setzt ihren Aufwärtstrend fort und legt um ein Prozent zu auf 105,11 Prozent.
Rendite auf tiefstem Niveau seit Wochen
Die Rendite erreicht mit 4,225 Prozent den tiefsten Stand seit Wochen. Der Kurs der bis in den September des Jahres 2020 laufenden italienischer Anleihen mit einem Kupon von vier Prozent steigt um 0,27 Prozent auf 100,5 Prozent. Das Papier rentiert mit 3,975 Prozent.
Dagegen geben die bis in den Juli 2020 laufenden deutschen Bundesanleihen mit einem Kupon von drei Prozent 0,1 Prozent ihres Wertes ab auf 102,43 Prozent. Die Rendite liegt bei 2,716 Prozent. Ob die zurückgehenden Renditedifferenzen so etwas wie einen Vertrauensbeweis in die Stabilität und Solidität europäischer Banken und Staaten ist oder nur eine taktische Reaktion auf das offensichtlich angestrebte „positive Resultat“ der Stresstests, ist noch offen.
Tatsächlich ist die Skepsis der Marktteilnehmer bezüglich der Grundlagen des Stresstests beachtlich. Er habe nur 65 Prozent des europäischen Bankensystems abgedeckt, erklärt Michael Hart von der Citigroup. Zudem werde das Ergebnis einerseits durch die Einbeziehung von Banken beeinflusst, die bereits Staatsmittel in beachtlichem Umfang erhalten hätten. Auf der anderen seien Marktteilnehmer die wie deutsche KfW nicht einbezogen worden.
Das unterstellte makroökonomische Szenario sei vergleichsweise harmlos, da es nicht von der Insolvenz von Staaten ausgehe, obwohl die Sorge genau darüber zur laufenden Schuldenkrise führte. Selbst wenn mögliche Wertabschläge auf Staatsanleihen berücksichtigt würden, bezögen sich diese nur auf Bestände in Handelsbüchern und nicht auf die Gesamtheit, die die betrachteten Banken besäßen. Auf dieser Basis seien die Stresstests in vorgelegter Form so gut wie irrelevant, erklärt Hart weiter. Er sei offensichtlich von vornherein so angelegt worden, dass er das gewünschte Ergebnis bringe.
Zweifel an der Qualität des Stresstests
Auch die Transparenz habe sich nicht verbessert, da die Stresstestergebnisse nur auf Länderebene und nicht in Bezug auf einzelne Banken veröffentlich worden seien. Selbst die Kommunikation sei nicht reibungslos verlaufen. Über mögliche Folgen und Konsequenzen eines enttäuschenden Ergebnisses oder weiterer negativer Überraschungen sei offensichtlich mit der Ausnahme Spaniens erst gar nicht überlegt worden.
In diesem Sinne dürften kritische Anleger dazu tendieren, die Resultate der Bankenstresstests skeptisch zu betrachten, auch wenn sie von den Märkten kurzfristig positiv und mit etwas erhöhtem Risikoappetit aufgenommen werden. Denn die strukturell-fundamentalen Wirtschaftsprobleme Spaniens, Griechenlands, Portugals, Italiens und Irlands werden sich kaum über Nacht in Luft auflösen und können jederzeit zu weiteren Problemen im Bankenbereich führen.