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Rentenmarkt Schwache Aktien, nicht Trichet helfen dem Rentenmarkt

07.06.2007 ·  Mit Spannung erwartet wurde die Pressekonferenz der EZB nach der Leitzinserhöhung. Doch viel kam für den Rentenmarkt dabei nicht herum. Und so bleibt wohl eher alles beim alten. Mehr Hoffnung macht da eher ein kriselnder Aktienmarkt.

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Ist es nicht schön, wenn alles so kommt wie erwartet? Dann gibt es auch keinen Grund, warum sich auch anderswo irgendetwas ändern sollte. Das erscheint zumindest im Großen und Ganzen die Reaktion auf die aktuelle Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank zu sein.

Während sich der Aktienmarkt nicht wesentlich von seinem Abwärtstrend abbringen ließ, zuckte der Anleihenmarkt kurz nach unten, entscheid sich dann aber die Dinge positiv zu sehen. Indes ist nicht nur die Anhebung der Leitzinsen auf vier Prozent bereits im vergangenen Jahr für diesen Zeitpunkt erwartet worden, auch die Aussagen des Notenbankpräsident Jean-Claude Trichet scheinen für jeden genau das zu enthalten, was er hören wollte.

Für jeden etwas

So präsentierte sich Europa Spitzenbanker soweit restriktiv, dass er die Geldpolitik nach wie vor auf der „akkommodierenden Seite“ sieht. Mit Blick auf die Zukunft werde weiterhin „entschlossenes und rechtzeitiges Handeln zur Gewährleistung von Preisstabilität auf mittlere Sicht geboten“ sein. Die Entscheidung zur Zinserhöhung begründete der EZB- Präsident mit den anhaltenden Aufwärtsrisiken für die Preisentwicklung.

Trichet verwies darauf, dass der Beschluss dazu beitragen werde, die mittel- bis längerfristigen Inflationserwartungen im Euroraum fest auf einem Niveau zu verankern, das mit Preisstabilität im Einklang stehe. Er betonte, dass der EZB-Rat „alle Entwicklungen sehr genau verfolgen“ werde, „damit die Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht nicht zum Tragen kommen“. Angesichts dieser Formulierung gilt eine weitere Zinserhöhung der EZB im September als sehr wahrscheinlich.

Andererseits machte Trichet im Gegensatz zu den vergangenen Monaten in seinen „Einleitenden Bemerkungen“ keine Aussage darüber, ob die EZB-Leitzinsen noch „moderat“ seien. Zudem sagte der EZB-Präsident mit Blick auf die aktuelle Konjunkturentwicklung im Euroraum, dass das Wirtschaftswachstum gegenwärtig stärker als noch vor einiger Zeit erwartet sei. Die mittelfristigen Aussichten für die Konjunktur blieben günstig, die Voraussetzungen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum seien gegeben. Zudem seien die außenwirtschaftlichen Bedingungen günstig und stützten die Exporte weiterhin.

Mehr Wachstum, mehr Inflation

Vor diesem Hintergrund präsentierte der Notenbankpräsident neue Wachstumsprojektionen: Demnach wird für dieses Jahr nunmehr ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zwischen 2,3 und 2,9 Prozent, nach 2,1 bis 2,9 Prozent im März. Für 2008 projiziert der EZB-Stab allerdings nunmehr eine Wachstumserwartung von 1,8 bis 2,8 Prozent (März: 1,9 Prozent bis 2,9 Prozent). Das hören nun wiederum die Aktienmärkte gerne.

Zur Preisentwicklung erklärte Trichet, dass die Jahresteuerungsraten in den kommenden Monaten zunächst etwas fallen, zu Jahresende aber wieder steigen dürften. Risiken gebe es vor allem im Zusammenhang mit der steigenden Kapazitätsauslastung der Wirtschaft, der Möglichkeit weiterer unerwarteter Ölpreisanstiege sowie „zusätzlicher Erhöhungen der administrierten Preise, die über das bislang erwartete Maß hinausgehen“. Zudem gingen von der aktuellen Lohnentwicklung Inflationsrisiken aus.

Die Inflationsprojektionen des EZB-Stabs wurden vor diesem Hintergrund ebenso angehoben: Nunmehr wird für das laufende Jahr eine Preissteigerung auf Verbraucherebene zwischen 1,8 und 2,2 Prozent projiziert, verglichen mit 1,5 Prozent bis 2,1 Prozent im Rahmen der März-Projektionen. Für 2008 blieb die Projektionsspanne von 1, 4 Prozent bis 2,6 Prozent unverändert.

Wenig Neues

Zusätzliche Risiken machte der EZB-Präsident angesichts der gegenwärtigen monetären Entwicklung aus. “Die monetäre Analyse bestätigt, dass auf mittlere bis längere Sicht weiterhin Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität bestehen“, sagte Trichet. Das starke Geldmengen- und Kreditwachstum sei vor allem Folge der günstigen Finanzierungsbedingungen und des soliden Wirtschaftswachstums. Allerdings zeige sich beim Kreditwachstum mittlerweile eine breit basierte Stabilisierung. Trichet betonte, dass die monetäre Entwicklung weiterhin „sehr sorgfältig“ beobachten werden müsse. Im April war die Geldmenge M3 mit einer Jahresrate von 10,4 Prozent gestiegen.

Bei soviel Ausgewogenheit verwundert nicht, dass auch die Volkswirte im Grunde nicht viel neues zu sagen hatten. Tom Vosa von Nabcapital etwa sieht zwar weitere Zinserhöhungen, allerdings nicht vor September.

Michael Schubert von der Commerzbank hörte dagegen etwas mehr Zurückhaltung heraus als erwartet. Es überrasche, dass Trichet nur von einer genauen Beobachtung der geldpolitischen Situation sprach und nicht von einer sehr genauen Beobachtung. Zudem seien die Wachstumsprojektionen weniger stark als erwartet angehoben worden. Das sei ein kleiner Hinweis, dass die Risiken nicht so hoch gesehen würden. Auf der anderen Seite habe er die Tür für weitere Zinserhöhungen offen gelassen und so sei wohl noch nicht Schluss mit Zinserhöhungen in diesem Jahr.

Wie richtig liegt der Markt?

Und Uwe Angenendt von der BHF-Bank brachte es auf den Punkt: „Die Äußerungen weichen nicht stark von dem ab, was vorher gesagt worden ist.“ Und das bedeutet kurz und gut, dass die EZB die Zinsen im laufenden Jahr noch bis auf 4,5 Prozent anheben wird und dass dann damit vorläufig Schluss sein wird.

Das dürfte so manchem Marktteilnehmer auch ganz recht sein, verriet doch der Bankenverband erste Nervosität, als er in seiner Stellungnahme betonte, das Zinsniveau im Euro-Raum sei mit der Anhebung vom Mittwoch auf ein konjunkturneutrales Niveau zurückgekehrt.

Für die Fortsetzung einer quasi automatischen Abfolge von Zinsanhebungen gebe es dagegen keinen Grund. Die Inflationsaussichten seien nach wie vor günstig. Das schließe zwar weitere Zinsschritte aufgrund von Stabilitätsrisiken nicht aus, doch sei die Notenbank gut beraten, von jetzt ab „auf Sicht zu fahren“.

Für den Rentenmarkt selber ist der Mittwoch ein eher wenig ereignisreicher Tag - trotz Zinsanhebung. Denn längst sind Anhebungen bis März 2007 auf 4,5 Prozent eingepreist. Indes scheint sich langsam eine Verkürzung der Erwartung auf das Jahresende und damit eine frühere Zinspause, wenngleich auf höherem Niveau durchzusetzen.

Das dürfte dann auch ein Faktor gewesen sein, der dem Bund-Future letztlich doch einen Aufschlag von 34 Basispunkten verschaffte. „Der Rentenmarkt war zuletzt stark angeschlagen. Die Äußerungen von Herrn Trichet schaffen etwas Luft zum Atmen“, sagte ein Analyst.

Möglicherweise könnte es aber auch am relativen Verhältnis von Aktien- und Rentenmarkt angesichts steigender Zinsen und schwächerer Aktienkurse liegen. Denn die amerikansichen Börsen eröffneten deutlich schwächer und zwangen auch den Dax weiter in die Knie. Sollten die Kursverluste anhalten, könnten zunehmend mehr Anleger das herrschende Zinsniveau wieder als attraktiv betrachten und in Anleihen umschichten.

So drohen nach Ansicht der Helaba den internationalen Aktienmärkten weiterhin massive Kursverluste, insbesondere Euro-Aktien erschienen recht anfällig. Vor allem die Gewinnerwartungen sollten demnächst enttäuscht werden. Die Rückschlagsgefahren für Dividendentitel dürften dabei in der Eurozone besonders hoch sein.

Andererseits sehen die Analysten auch die Euro-Renten aufgrund weiterer Zinserhöhungen der EZB und anhaltender Inflationsgefahren in den kommenden Monaten unter Druck stehen und lediglich bescheidene Erträge erzielen. Damit käme der Rentenmarkt weiterhin nicht aus dem Spannungsverhältnis heraus, dass ihn seit Monaten unter Druck hält, so dass sich alles in allem die Lage am Rentenmarkt am Mittwoch damit nur leicht verbessert hat. Doch eher weniger aufgrund der Zinsentscheidung der EZB.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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