05.05.2004 · Das Land Sachsen-Anhalt will seine geplante Anleihe nach islamischem Recht Anfang Juni anbieten und rechnet mit einer hohen Nachfrage. Die Zeichner des Papiers werden Leasingraten statt Zinsen kassieren.
Das Land Sachsen-Anhalt will seine geplante Anleihe nach islamischem Recht Anfang Juni anbieten und rechnet mit einer hohen Nachfrage. „Wir erwarten, daß die Emission stark überzeichnet sein wird", sagte der Sprecher des Finanzministeriums des Landes, Detlef Thiel, am Mittwoch.
Angeboten werde solle die korankonforme Anleihe ohne Zinszahlungen über 100 Millionen Euro bei einer Auktion per Telefonkonferenz, wahrscheinlich am 3. oder 4. Juni. „Es ist offensichtlich, daß es Investoren gibt, die darauf gewartet haben", sagte Thiel. Auch Analysten glauben angesichts von 1,3 Milliarden investitionswilligen Moslems an einen Erfolg des ersten in Europa aufgelegten „Islamic Bond“ oder Sukuk.
Leasingrate statt Zinsen kassieren
Eigentlich verbietet es der Koran strenggläubigen Moslems, Zinszahlungen anzunehmen. Deshalb funktioniert die bereits im März angekündigte Anleihe Sachsen-Anhalts durch das Vermieten von staatlichen Gebäuden. Dabei wird das Land die Nutzungsrechte an einigen seiner Immobilien einer niederländische Stiftung übertragen und anschließend zurückmieten.
Über die Stiftung können sich dann arabische Investoren an dem Geschäft beteiligen, die statt Zinsen nun die Leasingrate kassieren und somit ihren Glaubensregeln treu bleiben. Sachsen-Anhalt wiederum kann sich die Rechte an seinen Gebäuden nach fünf Jahren zurückkaufen. Bislang werden solche Anleihen nur von moslemischen Ländern wie Malaysia oder Qatar angeboten.