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Rentenmarkt Korridor-Anleihen sind schwer einzuschätzen

11.11.2004 ·  Im Anleihebereich kommen immer mehr innovative Produkte auf den Markt. Das ist allerdings nicht unbedingt zum Vorteil der Kunden. Denn die Angebote sind oft schwer verständlich. Zum Beispiel auch die Korridor-Anleihen.

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Im Aktien- und Devisenbereich sind Anleger schon länger an immer exotischer werdende Zertifikate und ähnliche Produkte gewohnt. Die Mehrheit dürfte längst den Überblick über die höchstverschiedenartigen Produkte verloren zu haben. Denn jede Bank scheint die andere mit der „intelligentesten und ertragsversprechendsten Innovation“ übertrumpfen zu wollen.

Insgesamt betrachtet dürfte diese Entwicklung eher kontraproduktiv sein. Denn wer die Erfahrung gemacht hat, wie unterschiedlich an sich ähnliche Produkte ausgestaltet sein können und wie „reißerisch“ sie angeboten werden, obwohl die Rendite schließlich zum Teil höchst enttäuschend ausfällt, wird sich möglicherweise gar nicht mehr die Mühe machen, die ganz Entwicklung zu verfolgen. Er könnte dazu neigen, bei den bewährten und vor allem den ihm bekannten Produkten zu bleiben.

Immer mehr „innovative Produkte“ im Zinsbereich ...

Ähnliches könnte sich nun nach und nach auch im Zinsbereich abzuzeichnen. Hier sind die Vorzeichen weitgehend klar. Die Zinsen sind in vielen Ländern im historischen Durchschnitt tief und führen bei Anleger zu vergleichsweise geringen Renditen. Aus diesem Grund sind sie auf der verzweifelten Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten. Auf der anderen Seite scheint die Richtung der künftigen Entwicklung klar zu sein, die Zinsen können eigentlich nur steigen. Alleine schon die jüngste Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank um 0,25 Prozentpunkte auf zwei Prozent deutet darauf hin.

Das führt bei normalen Anleihen normalerweise zu Kursverlusten, während Anleger mit variabel verzinsten Anleihen möglicherweise vor allem von steigenden Zinsen am so genannten „kurzen Ende“ profitieren können. So dürfte es kaum verwunden, wenn in jüngster Zeit immer mehr Instrumente angeboten werden, die auf eine solche Strategie setzen oder zumindest vorgeben, es zu tun.

Dazu zählen ganze Serien von so genannten „Zinsleitern“. Die müssen allerdings von Anlegern vor dem Kauf näher betrachtet werden, sollen sie nicht zu Enttäuschungen führen. Vielfach sind die Charakteristika der Produkte nicht intuitiv zugänglich und verbergen zum Teil überraschende Eigenschaften.

... führt allerdings nicht unbedingt zu mehr Transparenz

Das dürfte auch für die jüngste von Goldman Sachs angebotene „Korridor-Anleihe“ gelten. Sie verspricht dem Anleger einen festen Kupon von fünf Prozent im ersten Jahr und danach in jedem der folgenden fünf Jahre ebenfalls einen Kupon von fünf Prozent, allerdings ist die Ausschüttung dann an die Bedingung geknüpft, daß der 12-Monats-Euribor in einer gewissen Spanne liegen muß. Sie liegt im Jahr zwei zwischen null und drei Prozent und steigt von Jahr zu Jahr um 0,5 Prozentpunkte auf schließlich null bis fünf Prozent im sechsten Jahr der Laufzeit.

Dabei wird gewissermaßen täglich abgerechnet. Liegt der Euribor innerhalb der Spanne, wird der „anteilige Tageskupon“ gutgeschrieben. Wenn nicht, dann nicht. Vom Ansatz her scheint das Produkt vernünftig konstruiert zu sein. Eine primitive Szenarioanalyse (Graphik 1) zeigt jedoch die Risiken der Konstruktion: Wenn der Euribor permant oder auch längere Zeit über dem Korridor liegen sollte, wird die Rendite des Produktes stark fallen. Das und die Berücksichtigung eines gewissen Bonitätsrisikos und das Recht der Bank zur vorzeitigen Rückzahlung schmälern die Attraktivität des Produktes. Auch die Beobachtung, daß der Zinssatz zwischen den Jahren 2000 und 2003 schneller gefallen ist, als er jetzt steigen dürfen soll, dürfte sie nicht gerade erhöhen.

Insgesamt ist das Produkt für normale Anleger schwer einzuschätzen. Alleine aus diesem Grund dürfte es ratsam sein, es kritisch zu betrachten und sich in der Tendenz auf jene Produkte zu konzentrieren, die man versteht. Wenn die Banken solche Konstruktionen schon mit starkem Werbeaufwand auf den Markt werfen, dann sollten sie auch eine vernünftige und vor allem auch verständliche Risiko-Ertragssimulation mitliefern. So bleibt nur die Vermutung, sie könnten auf Grund der relativen Intransparenz auf Kosten der Kunden nette Margen erzielen.

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