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Rentenmarkt Inflation treibt Renditen amerikanischer Anleihen hoch

17.06.2008 ·  Seit drei Monaten sinken die Kurse der amerikanischen Staatsanleihen. Ein Ende der Kursverluste ist noch nicht abzusehen. Denn seit 1980 waren die realen Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen nicht mehr so niedrig.

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Seit drei Monaten sinken die Kurse der amerikanischen Staatsanleihen, und ein Ende der Kursverluste ist noch nicht abzusehen. Seit 1980 hat die Inflationsrate in den Vereinigten Staaten nicht mehr für einen so langen Zeitraum wie derzeit über der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen gelegen. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Renditen weiter nach oben gehen und die Kurse weiter fallen dürften.

Das Potential für Kursverluste ist durchaus groß. Über die vergangenen zwei Jahrzehnte rentierten die Staatspapiere im Schnitt 2,88 Prozentpunkte über dem Verbraucherpreisindex, geht aus Bloomberg-Daten hervor. Falls sich das Verhältnis zwischen Inflation und Anleiherenditen innerhalb der kommenden zwölf Monate wieder derart normalisieren sollte, würde ein Anleger, der Staatsanleihen im Nominalwert von 10 Millionen Dollar hält, 1,4 Millionen Dollar verlieren.

Real keine Rendite

Eine Kombination aus steigenden Rohstoffpreisen und dem seit wenigen Wochen wieder geltenden Fokus der amerikanischen Notenbank auf die Inflation hat die amerikanischen Staatsanleihen (Treasuries) in die Bredouille gebracht. Wer am 17. März, also genau nach der Rettung der Investmentbank Bear Stearns, zehnjährige Treasuries erwarb, hat damit nach Bloomberg-Daten einen Verlust von 6,2 Prozent erlitten.

Seit Dezember liegt der Anstieg der Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten im Schnitt um 0,36 Prozentpunkte über den Renditen der zehnjährigen Treasuries. Derzeit bringen zehnjährige Papiere den Investoren eine Rendite von 4,25 Prozent. Angesichts einer für Mai berichteten Teuerungsrate von 4,2 Prozent geht die Realrendite gegen null.

Und die Inflation dürfte weiter anziehen: Volkswirte von Morgan Stanley rechnen für diesen Sommer mit einer Rate zwischen 5,0 und 5,25 Prozent. Das wäre das höchste Niveau seit 1991. „Der Geist einer weltweiten Inflation ist losgelassen“, heißt es von Morgan Stanley. Selbst wenn sich das Inflationstempo in den kommenden Monaten abschwächen würde, „sind höhere durchschnittliche Inflationsraten wahrscheinlich“. Über die vergangenen 20 Jahre lag die Teuerung im Schnitt bei 3,1 Prozent.

Zinserhöhung gilt als ausgemacht

Die Inflationsbedenken haben derart die Oberhand gewonnen, dass Händler bereits mit einer Zinserhöhung der Fed in diesem Monat rechnen. Zinsterminkontrakte an der Chicago Board of Trade zeigen eine Wahrscheinlichkeit von 22 Prozent, dass die Fed am 25. Juni ihren Leitzinssatz um mindestens einen viertel Prozentpunkt auf 2,25 Prozent anheben wird. Eine Anhebung bis Jahresende gilt als ausgemacht. Vor zwei Monaten sahen die Händler noch eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent für sinkende Zinsen.

Zuletzt haben die Währungshüter 1980 den Leitzins angehoben, obwohl die Wirtschaft weniger als zwei Prozent Wachstum zeigte. Im ersten Quartal dieses Jahres lag das Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten bei 0,9 Prozent. „Die Wirtschaft wird weiter vor sich hin dümpeln, die Rohstoffpreise sind wie ein Joker, und die Fed wird beginnen, die Zinsschraube anzuziehen, aber langsam“, sagt Colin Lundgren, Leiter festverzinsliche Wertpapiere für institutionelle Anleger bei RiverSource Investments in Minneapolis.

Als Anfang der 80er Jahre die realen Anleiherenditen das letzte Mal so niedrig waren, war dies das Vorspiel für eine Hausse bei Aktien und Anleihen. Die Fed unter ihrem damaligen Vorsitzenden Paul Volcker senkte die Leitzinsen von einem Hoch bei 20 Prozent. 1981 erreichte die Rendite der zehnjährigen Treasuries einen Höchststand bei 14 Prozent. Im darauffolgenden Jahr erzielten Investoren mit Staatsanleihen eine Rekordrendite von 28 Prozent, geht aus einem Index von Merrill Lynch hervor. Der Aktienindex Dow Jones legte in den zehn Jahren bis 1990 im Schnitt jährlich zwölf Prozent zu und verzeichnete sein bis dahin bestes Jahrzehnt.

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