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Rentenmarkt GM-Anleihen auch nach Absturz kein Schnäppchen

30.03.2005 ·  Anleihen von General Motors haben sich von ihrem Kurssturz infolge der „Gewinnwarnung“ erholt. Sie weisen einen enormen Renditeaufschlag auf, der denen von „Ramschanleihen“ gleicht. Und sind dennoch kein Schnäppchen.

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Kurz vor Ostern hat es an den Märkten für Unternehmensanleihen mächtig gekracht. Dafür war weniger die amerikanische Notenbank Fed zuständig, die mit ihrem kaum verhohlenen Hinweis auf steigende Inflationsrisiken neue Zinsängste heraufbeschwor, als General Motors (GM). Der amerikanische Autobauer schockte die Marktteilnehmer mit einer „Gewinnwarnung“: Das Jahresergebnis werde um rund 80 Prozent unter der Prognose liegen und im ersten Quartal sogar ein Verlust anfallen.

Daraufhin stürzten die Anleihen des Konzerns, dem mit Blick auf die Krdeitwürdigkeit gerade noch ein Investment-Grad-Rating eingeräumt wird, reihenweise ab. Die 2009 fällige Notiz der Finanzierungstochter GMAC verbilligte sich von gut 103 Prozent auf bis zu 96,15 Prozent - ein Minus von 68,50 Euro, das den Kupon von 6,125 Prozent und mithin die Jahreszinszahlung von 61,25 Euro mehr als ausradierte. Der 2013 auslaufende und mit einem Kupon von 7,25 Prozent ausgestattete Zinstitel von GM sackte von knapp 100 Prozent auf bis zu 89,45 Prozent durch und verlor mithin umgerechnet 105,5 Euro an Kurswert, und das bei einem Jahreszins von 72,50 Euro. Auch die 2006 fälligen Kurzläufer hat es gebeutelt, wenn auch nicht so stark.

Herabstufung durch S&P droht

Mittlerweile haben sich die Anleihen etwas erholt. Doch weisen sie weiterhin enorme Renditevorsprünge vor ähnlich eingestuften Zinstiteln und Bundesanleihen gleicher Laufzeit auf. So wirft die genannte Notiz mit Fälligkeit 2009 knapp 7,3 Prozent ab, während eine Bundesanleihe 2,9 Prozent und ein Ford-Papier 5,75 Prozent bringt. Der Langläufer kommt sogar auf fast 8,9 Prozent gegenüber 3,52 Prozent bei einer deutschen Staatsanleihe. Renditejäger sollten dennoch vorsichtig sein. Denn der nächste Kurssturz bei GM-Zinstiteln könnte bevorstehen. So erwarten die Analysten der WGZ-Bank eine Herabstufung durch die Ratingagentur Standard&Poor´s (S&P) auf „Ramsch“-Niveau, falls die Verkaufszahlen für April und Mai schwach ausfallen sollten.

„Für den weiteren Verlauf der Anleihen (von GM und GMAC) ist nach der Gewinnwarnung nicht mehr das Ob, sondern vielmehr das Wann einer Herabstufung entscheidend“, meint die WGZ-Bank. Zwar hätten die GM-Vertreter mit der Aussage, der Autoverkauf im März stelle sich sehr zufriedenstellend dar, aufmerken lassen. Allerdings hätten sie diese Aussage nicht mit Prozentzahlen präzisiert. Zudem seien die besseren Verkäufe nicht zuletzt eine Folge verstärkter Kaufanreize: Der Konzern habe die sogenannten Incentives um 1.000 Dollar je Wagen erhöht - eine Summe, um die sich der Umsatz entsprechend schmälert. Dabei hat GM schon bisher Anreize von mehreren tausend Dollar je Auto gewährt, da auch andere Anbieter die Rabattschlacht führen.

Es klemmt im Alltagsgeschäft

Immerhin haben die Äußerungen der GM-Manager den Abwärtstrend bei den Anleihen gestoppt. Aus Sicht der WGZ-Bank handelt es sich aber nicht um mehr als eine „temporäre Erscheinung“. Denn der Konzern habe anders als Konkurrenten kaum neue Modelle, mit denen er Käufer anlocken könne, und dürfte schon deswegen ins Hintertreffen geraten. Über die ruhigen Sommermonate könnte sich der Konzern noch im Investment-Grad halten, falls sich die zweistelligen Absatzrückgänge nicht fortsetzen sollten. Andernfalls wird S&P den Konzern und dessen Anleihen abstufen, wie die Analysten meinen.

Angesichts der unsicheren Aussichten raten sie, nur die 2006 auslaufenden Anleihen von GM und GMAC zu halten und alle anderen zu verkaufen. Denn zum erhöhten Risiko der Herabstufung auf „Ramsch“-Status, den viele institutionelle Anleger nicht hinnehmen dürfen, komme der unklare Ausblick auf das Alltagsgeschäft mit Autos in den nächsten Jahren. Auch die DZ Bank beurteilt Anleihen des amerikanischen Autoriesen kritisch und stuft sie als „Underperformer“ ein, die schlechter laufen werden als der Gesamtmarkt.

Mithin sollten Anleger, die ruhig schlafen wollen und sichere Investments suchen, bis auf weiteres von GM- und GMAC-Anleihen Abstand nehmen. Zumal auch die Aussicht auf den Verkauf der auf zwei Milliarden Dollar geschätzten Hypothekensparte von GMAC nicht kursbeflügend wirkt. Derzeit bieten sich die Zinstitel des Autokonzerns höchstens spekulativ veranlagten Naturen an, die darauf wetten, daß GM mittelfristig im Kerngeschäft wieder besser abschneiden und Geld verdienen wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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