Home
http://www.faz.net/-gvt-1140v
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rentenmarkt Gilts und Pfund - wenig reizvoll

29.12.2008 ·  Unbeirrt laufen die Kurse der europäischen Staatsanleihen immer weiter nach oben, allen voran die deutschen und die britischen. Letztere bieten jedoch internationalen aufgrund der schwachen Währung kaum Reize. Das Pfund ist schwach wie nie.

Artikel Bilder (10) Lesermeinungen (0)

Unbeirrt von allen wirtschaftsoptimistischen Äußerungen laufen die Kurse der europäischen Staatsanleihen immer weiter nach oben, allen voran die deutschen und die britischen. In beiden Staaten sind die Renditen der Papiere mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren seit Jahresbeginne um 139 Basis- beziehungsweise um 1,39 Prozentpunkte gefallen.

Britische Gilts dieser Laufzeit rentieren inzwischen noch mit 3,12 Prozent, während die entsprechenden Bundesanleihen noch eine Nominalrendite von 2,92 Prozent abwerfen. Beide Renditen liegen auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten und scheinen noch weiter sinken zu können.

Weitere Zinssenkungen in Europa erwartet

Denn viele internationale Anleger gehen davon aus, dass sowohl die europäische als auch die britische Zentralbank den Leitzins aufgrund der schwachen Wirtschaftsentwicklung weiter nach unten nehmen werden, selbst nachdem sie nach massiven Zinssenkungen in den vergangenen Wochen mit 2,5 Prozent im Euroraum und mit zwei Prozent zumindest in Großbritannien schon historische Tiefs erreicht haben. Dort hatte der Leitzins zuletzt im Jahr 1951 zuletzt auf diesem Niveau gelegen.

Tatsächlich ist die wirtschaftliche Lage in Großbritannien sehr schwach. Das Land hatte in den vergangenen Jahren zwar stark vom Immobilien- und Finanzboom profitieren können. Inzwischen wurde es jedoch vom Bumerang hart getroffen, der vom Platzen der Preis- und Kursblasen in beiden Bereichen ausging.

Die Finanzunternehmen des Landes stehen aufgrund der starken Verschuldung, der schwindenden Vermögenswerte - schwache Kurse an den Börsen und fallende Preise im Immobiliensektor schlagen durch - und wegen der zunehmenden Ausfälle auch aufgrund der schwachen Wirtschaft mit dem Rücken zur Wand. Die industrielle Basis ist schwach und die Konsumenten sind finanziell ebenso ausgelaugt, wie der Staat selbst.

Konnten die Konsumenten ihre Konsumneigung aufgrund lockerer Kreditvergaben und des wirtschaftlichen Scheinbooms auf Basis stark steigender Vermögenspreise ausleben, so sind sie nun zur Zurückhaltung gezwungen. Das zeigt sich am Beispiel des so genannten Housing Equity Withdrawals beziehungsweise der Kaufkraftschöpfung aus Immobilienvermögen. Nach Daten, die von der Bank of England am Montag veröffentlicht wurden, lag sie im dritten Quartal bei minus 5,7 Milliarden Pfund oder bei minus 2,4 Prozent des Nachsteuereinkommens der Verbraucher. Das heißt, ihre Finanzposition hat sich in dem Moment verschlechtert, in welchen auch die Aussichten am Arbeitsmarkt alles andere als rosig sind.

Britische Verbraucher stehen mit dem Rücken zur Wand

Das dürfte die Konsumneigung kaum beflügeln. Da die britische Wirtschaft in den vergangenen Jahren jedoch ebenso stark vom Konsum abhängig war wie die amerikanische, dürften die Bank of England und die britische Regierung zu ebenso panischen Strategien neigen, wie sie jenseits des Atlantiks schon realisiert wurden. Dagegen agiert die Europäische Zentralbank zögerlicher. Die Schwere der britischen Wirtschaftskrise bringt das britische Pfund in Verbindung mit den unterschiedlichen geld- und fiskalpolitischen Strategien immer weiter in die Defensive. Am Montag erreicht es mit 97,63 Pence ein neues Allzeittief gegen den Euro.

Die Parität zwischen Euro und Pfund scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Viele Strategen rechnen zwar im kommenden Jahr mit einer Erholung der britischen Währung. Im Moment zeichnet sich jedoch eher eine Währungskrise in Großbritannien als eine Erholung ab.

Im Unterschied zu europäischen Rentenpapieren sind britische Staatsanleihen aus diesem Grund für internationale Anleger besonders riskant. Spätestens wenn das absehbar zunehmende Angebot auf den Markt kommen sollte, dürften sie ihren Reiz ebenso verlieren können, wie viele andere Staatsanleihen. Denn bei aller Zinsphantasie und bei allem Pessimismus - sie sind inzwischen teuer geworden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK