Die Einführung so genannter Euroanleihen ist weiterhin umstritten. Während die Befürworter hoffen, auf diese Weise die Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der hochverschuldeten Länder ausräumen zu können, fürchten die Gegner Fehlanreize auf der Ausgabenseite. Genau diese hätten unmittelbar in die Schuldenkrise hineingeführt, erklären sie - und es sei ein Fehler, sie fortzusetzen.
Falls solche Instrumente entgegen aller Beteuerungen eingeführt werden sollten, könnte es teuer werden für Deutschland, erklärt das Ifo-Institut aus München. Die Kosten der Einführung gemeinsamer europäischer Anleihen würde Deutschland demnach auf lange Sicht 47 Milliarden Euro pro Jahr kosten.
Inverse Zinskonvergenz
„Der Großteil dieses Effektes wäre bis im Jahr 2020 zu erwarten“, erklärte Ifo-Chefvolkswirt Kai Carstensen am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Berlin. Voll zum Tragen komme die Belastung, wenn alle derzeitig laufenden Anleihen mit langen Laufzeiten abgelöst werden müssten.
Grundlage der Berechnungen sei die Annahme, dass Euronleihen langfristig zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden aller Länder des Euroraums führten und gemäß den EZB-Kapitalanteilen von den einzelnen Ländern verbürgt würden, erklärt das Institut. Sie böten allen Staaten die Möglichkeit, sich ungeachtet ihrer Konkurswahrscheinlichkeit zum selben Nominalzins zu finanzieren. Deswegen fielen die effektiven Zinsen der Länder im Ausmaß der jeweiligen jährlichen Konkurswahrscheinlichkeiten unter den gemeinsamen Nominalzins, was eine Subventionierung der Finanzierungskosten der unsoliden Länder impliziere.
Für Deutschland dagegen brächte eine durch die Vergemeinschaftung der Haftung künstlich herbeigeführte nominale Zinskonvergenz langfristig erhebliche Mehrkosten mit sich, heißt es weiter. Ende Juli lag die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen zweit Prozentpunkte unter dem Durchschnitt des Euroraums. Bei einer mittleren Laufzeit von 7,5 Jahren habe sich sogar ein Renditeabstand von rund 2,3 Prozentpunkten ergeben. Bezogen auf die aktuelle Gesamt-Bruttoschuld der Bundesrepublik Deutschland in Höhe von 2080 Milliarden Euro (Stand: Ende 2010) führe eine entsprechende Renditekonvergenz zu zusätzlichen Zinskosten von 47 Milliarden Euro pro Jahr.
... würde die Zinslast Deutschlands deutlich steigen lassen
Zum Vergleich: Die Zinsausgaben für den Bund und seine Sondervermögen werden im Jahr 2011 rund 37 Milliarden Euro oder etwas mehr als zwölf Prozent der gesamten Ausgaben des deutschen Staates ausmachen. Das heißt, dieser Posten der würde sich mehr als verdoppeln und entsprechende Ausgabenkürzungen an anderer Stelle, höhere Steuern oder eine höhere Neuverschuldung notwendig machen.
Carstensen riet mit Nachdruck von der Einführung von Euroanleihen ab und begrüßte, dass zu dem Thema bei dem Treffen jüngsten Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy kein Beschluss gefasst wurde. Das Haftungsprinzip sei das Grundprinzip rationalen Wirtschaftens und zugleich einer der Grundpfeiler der marktwirtschaftlichen Ordnung. Wer es preisgebe, setze „Europas Zukunft aufs Spiel“.
Höhere Zinsen sind noch nicht alles
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 19.08.2011, 22:17 Uhr
at Paul Rabe
Oliver Hase (olansa)
- 18.08.2011, 13:37 Uhr
Eurobonds kommen den deutschen Steuerzahler viel billiger
Paul Rabe (heidelpaul)
- 18.08.2011, 11:57 Uhr
Eurobonds kämen teuer??
Uwe Raecha (reizkoerper)
- 18.08.2011, 11:34 Uhr
Es gäbe eine Rettung für Europa
Uwe Raecha (reizkoerper)
- 18.08.2011, 11:26 Uhr