Seien wir doch mal ehrlich: Anleihen zählen nicht gerade zu den Anlageklassen mit dem größten Sex-Appeal, vor allem dann nicht, wenn der Aktienmarkt brummt.
Von ihrem mangelnden Sexappeal aber einmal abgesehen, können sich Anleihen als kluge Entscheidung für Anleger erweisen. Am 8. November gaben Anlagestrategen von Standard & Poor's die Empfehlung heraus, daß Anleger ihr Engagement in Anleihen auf 25 Prozent ausweiten sollten, um ihr Portfolio gegen ein möglicherweise schwächeres Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr abzusichern.
Die Anlage in Anleihen hat mitunter ihre Haken und Ösen, und für den Außenstehenden gleicht die Fachsprache - mit Begriffen wie Duration, Spread und Kupon - einem Buch mit sieben Siegeln. Doch vor dem Hintergrund eines leichteren Zugangs zu dieser Anlagemöglichkeit für Kleinanleger erscheint es passend, einige Anlagestrategien genauer zu betrachten, zumal sich auch Anlageexperten dafür aussprechen, dem Portfolio einige Anleihen beizumischen.
Doch Obacht: Transparenz und Liquidität des Marktes für festverzinsliche Wertpapiere sind nach wie vor geringer ausgeprägt als auf dem Aktienmarkt. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren präsentieren wir im folgenden einige Tipps für unerfahrene Anleihenanleger.
1. Machen Sie Ihre Hausaufgaben
Intelligente Aktienanleger kennen ein Unternehmen, seinen Markt und seine Positionierung gegenüber den Wettbewerbern. Daßelbe gilt bei der Anlage in Unternehmensanleihen, erfordert allerdings zusätzlich eine eingehendere Analyse der Fähigkeit des Unternehmens zur Schuldentilgung. Bei der Anlage in Staatsanleihen ist dagegen eine gute Kenntnis der konjunkturellen Lage und ihrer künftigen Entwicklung hilfreich. Die Kurse von Staatsanleihen und die Marktzinsen entwickeln sich gegenläufig und werden von einer Vielzahl unterschiedlicher finanzieller Daten beeinflusst.
Zu den für Anleihenanleger wichtigen Indikatoren zählen unter anderem: Baubeginne, Inflationskennzahlen, Bewegungen an den Rohstoffmärkten und Beschäftigungszahlen. Alexander Sedgwick, Associate Director Kapitalmarktforschung bei SNL Financial hierzu: „Der Einfluß dieses Bündels von Indikatoren auf die Zinssätze wirkt sich definitiv auf festverzinsliche Wertpapiere aus.“
Anleger sollten außerdem beachten, daß Anleihen mit zunehmender Laufzeit auch einem höheren Zinsschwankungsrisiko ausgesetzt sind. Anleihen mit kurzer Laufzeit sind wahrscheinlich die beste Wahl für Anleger, die ihre ersten Gehversuche auf dem Markt unternehmen möchten.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind Steuerüberlegungen. Staats- und Kommunalanleihen verfügen über andere Eigenschaften hinsichtlich Steuerbefreiung. Zinserträge aus Anleihen sind für gewöhnlich voll steuerpflichtig. Vor ihrem Engagement auf dem Anleihenmarkt sollten sich Anleger also mit einigen Optionsmöglichkeiten und der entsprechenden Terminologie vertraut machen.
2. Lassen Sie andere für sich arbeiten
Auf dem Anleihenmarkt lässt es sich heute zwar leichter manövrieren als früher, Neulinge unter den Anlegern sind bei Ihrer Suche nach Diversifizierung ihres Portfolios aber wahrscheinlich am besten beraten, wenn sie gut eingeführte Investmentprodukte wie etwa börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) oder offene Investmentfonds nutzen. Michael Garry, geschäftsführendes Mitglied von Yardley Wealth Management, empfiehlt den ETF iShares Lehman Aggregate Bond Fund (AGG) oder den offenen Investmentfonds Vanguard Intermediate-Term Investment-Grade (VFICX). (Garry betreut Klienten mit Positionen in beiden Fonds).
Diese Fondsarten bieten Diversifizierung, sind kostengünstiger als der Aufbau eines Anleihenportfolios, und erfordern nicht das umfassende Wissen um die höheren Mysterien des Anleihenmarktes. Nach Einschätzung von Gary besitzt man mit dem AGG „ein Anleihenportfolio, das die gleiche Dividende, Rendite, Laufzeit und Bonität des Lehman Aggregate Bond Index aufweist“. Und der hierfür benötigte Aufwand ist nicht größer als der beim Kauf von Aktien.
3. Setzen Sie auf TIPS
Ein Bereich des Anleihenmarktes, der eine intensivere Beschäftigung lohnt, ist jener der inflationsgeschützten Anleihen, auch bekannt als TIPs (Treasury-Inflation Protected Securities). Durch Koppelung des Rückzahlungsbetrags an den Verbraucherpreisindex steigen diese Anlagen mit der Inflation, schützen den Anleger damit vor Preisauftrieb und ergänzen andere Anleihenarten im Portfolio.
„Inflationsgeschützte Anleihen sollten in keinem Anleihenportfolio fehlen“, empfiehlt Russel Wild, Autor des demnächst erscheinenden Buchs „Bond Investing for Dummies“. Nach seiner Ansicht gilt als „sehr grobe“ Faustregel, daß TIPs etwa ein Drittel des Portfoliobestands an Anleihen ausmachen sollten. TIPs sind „eine gute Ergänzung anderer Anleihen, da sie“ im Hinblick auf Kursbewegungen mit anderen Anleihen „nicht zur Korrelation neigen“. Der ETF iShares Lehman TIPS Bond Fund (TIP) etwa ist ein leichter und bequemer Einstieg in den Markt.
4. Diversifizieren Sie
„Diversifizierung ist bei festverzinslichen Wertpapieren genauso wichtig wie bei Aktien“, sagt Bill Larkin, Leiter des Bereichs festverzinsliche Wertpapiere bei Cabot Money Management. Für Anleihenanleger, die über ausreichend Kapital verfügen, bedeutet dies, ihrem Portfolio sowohl Unternehmensanleihen als auch Staatsanleihen beizumischen, wobei die eingesetzten Mittel auch hinsichtlich verschiedener Laufzeiten diversifiziert werden sollten. Hierfür schlägt Larkin als mögliche Strategie die Staffelung der Anleihenlaufzeiten vor, wobei Anleihen mit unterschiedlichen Fälligkeitsterminen ähnlich den Sprossen einer Leiter gruppiert werden („Bond Ladder“).
Bei richtiger Anordnung bieten diese Leitern den Anlegern mehr Spielraum bei der Steuerung des Ertragsstroms ihres Portfolios als dies bei einem größeren Investment in eine geringere Zahl von Anleihen der Fall wäre. Mit einer Leiter können Anleger außerdem das Risiko starker Zinsschwankungen abfedern, denn „niemand weiß, wohin sich die Zinsen entwickeln“, so Larkin.
5. Erkennen Sie Ihre Bedürfnisse
Die Anlage in Anleihen ist nicht mit allen Anlageprioritäten kompatibel. „Das Schöne an festverzinslichen Wertpapieren ist, daß eine Situation möglich wird, in der man seine Einkommensbedürfnisse decken kann, ohne das eingesetzte Kapital verzehren zu müssen. Dies ist ein doppelter Vorteil“, sagt Larkin. Allerdings könnten Anleger jüngeren Alters und solche, die nicht von ihren Zinserträgen leben müssen, möglicherweise einen geringeren Anleihenanteil in ihrem Portfolio bevorzugen.
Für jüngere Menschen hingegen, die ihre Geldmittel nicht über Jahre oder Jahrzehnte fest anlegen möchten, könnten Aktien die bessere Lösung sein. Das richtige Maß des Anleihenengagements könnte aber auch von Familienstand, Einkommensstabilität oder anderen Faktoren abhängig sein, die im Vorfeld einer Anlageentscheidung in Betracht gezogen werden. Aber „als Anlagearten, die sich in die eine Richtung entwickeln, während der Rest des Portfolios die andere Richtung einschlägt, sind Anleihen die beste Absicherung in einem vorwiegend aus Aktien bestehenden Portfolio“, so der Autor Russel Wild.
Steuerfalle
Thomas Langenbach (i007700)
- 11.11.2006, 17:00 Uhr
schludriger Artikel
Closed via SSO (Offermanns1)
- 14.11.2006, 13:30 Uhr