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Rentenmarkt Am Anleihenmarkt in Amerika wird es langsam kritisch

12.01.2010 ·  Weder in Amerika noch in Europa wird kurzfristig mit Zinserhöhungen gerechnet. Die Renditen der Staatsanleihen sind trotzdem kräftig gestiegen. Inzwischen ist sogar der langfristige Abwärtstrend bei den Renditen in Gefahr.

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Am Montag zeigen sich die Kurse am Anleihemarkt zwar relativ stabil. Händlerangaben zufolge wirkt zum Wochenauftakt noch etwas der enttäuschend ausgefallene amerikanische Arbeitsmarktbericht vom Freitag nach. Das ändert aber nichts daran, dass die Renditen in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen sind. Und zwar gilt das auch für den deutschen Anleihemarkt, der sich lange Zeit noch vom schwachen Rentenmarkt in Amerika abkoppeln konnte.

Mittlerweile beläuft sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen aber auf 3,348 Prozent, nachdem es am 27. November im Tief noch deutlich niedrigere 3,01 Prozent waren. In Amerika sind die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen seit Ende November mit einem Plus von 60 Basispunkten auf 3,81 Prozent sogar noch deutlicher gestiegen. Von dem am 18. Dezember 2008 markierten Rekordtief von 2,08 Prozent ist man inzwischen schon ein gehöriges Stück entfernt. Das gilt auch für die Rendite der dreißigjährigen amerikanischen Staatsanleihen. Bei einem aktuellen Stand von 4,72 Prozent ist man auch hier gemessen am Rekordtief von 2,53 Prozent auf dem Weg zu einer Verdoppelung.

Inflationsangst und wachsende Staatsverschuldung belasten

Erstaunlich ist diese Entwicklung auch deshalb, weil die Marktakteure mehrheitlich fest davon überzeugt sind, dass Leitzinserhöhungen in Amerika und Europa in den nächsten Monaten noch nicht anstehen. Das passt zu dem vom Präsidenten der St. Louis Federal Reserve Bank, James Bullard, am Wochenende unter Verweis auf eine niedrige Inflationsrate und eine hohe Arbeitslosigkeit abgegebenen Statement, wonach die Leitzinsen in Amerika noch für eine ganze Weile unten bleiben dürften.

Getrieben werden die Renditen neben den positiven Konjunktursignalen, die Verbesserungen in der Weltwirtschaft signalisieren vor allem von zwei anderen negativen Einflussfaktoren. Und zwar handelt es sich dabei zum einen um die mit der expansiven Geldpolitik einhergehende Angst vor einem mittelfristigen Anspringen der Inflation. Zum anderen lasten die immer weiter steigenden Schulden der Staaten auf den Notierungen, auch weil zur Finanzierung der Defizite immer mehr neue Staatsanleihen emittiert werden müssen, was das Angebot erhöht. Alleine in dieser Woche will sich das Finanzministerium in Washington, das im Haushaltsjahr 2009 mit einem Rekorddefizit von 1,4 Billionen Dollar oder rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung zu kämpfen hat, 84 Milliarden Dollar am Anleihemarkt beschaffen. Und Deutschland muss 2010 am Kapitalmarkt wohl so viel Geld leihen wie nie. Zur Finanzierung des Bundeshaushalts ist nach Angaben der Finanzagentur ein Emissions-Volumen von 343 Milliarden Euro geplant. Damit wird der alte Rekord von 2009 übertroffen.

Gestiegene Risikobereitschaft bewirkt Abzug von Geldern

Hinzu kommt außerdem ein steigender Risikoappetit unter den Anlegern. Dieser bewirkt einen Abzug von Geldern aus erstklassig bewerteten Staatsanleihen hin zu riskanteren Anlageformen. „Es gibt Risikoappetit für alle Anlageklassen und das drückt die Nachfrage nach Treasuries“, sagt dazu der Volkswirt Geoff Howie vom Brokerhaus MF Global Singapore. „Am Wochenende habe ich mit ein paar Hedgefondsmanagern gesprochen und die haben alle über die globale Nachfrage gesprochen“, verriet er. China meldete am Sonntag steigende Exporte und ein Rekordvolumen beim Import.

Auch darf nicht vergessen werden, dass wir es zuletzt mit historisch betrachtet außergewöhnlich niedrigen Renditeniveaus zu tun hatten. Folglich handelt es sich in gewisser Weise auch um einen ganz normalen Normalisierungsprozess. Vermutlich auch deswegen rechnen Ökonomen bei Staatsanleihen 2010 mit einem weiteren Anstieg der Renditen. In der Eurozone dürfte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen laut einer Umfrage unter Experten von derzeit rund 3,24 Prozent auf 3,9 Prozent steigen. Für Amerika rechnen die Experten bis Ende 2010 mit einem Renditeanstieg von nun etwa 3,71 Prozent auf 4,2 Prozent.

Langfristiger Abwärtstrend bei den Renditen gerät langsam in Gefahr

Charttechnisch gesehen müssen die Dinge schon auf dem jetzt erreichten Niveau im Auge behalten werden. Spannend ist die Konstellation vor allem bei den dreißigjährigen amerikanischen Staatsanleihen. Denn hier pirscht sich die Rendite langsam an den ganz langfristigen Abwärtstrend heran. Dieser verläuft derzeit bei rund 4,85 Prozent und ein nachhaltiger Sprung über diese Marke wäre gleichbedeutend mit einem sehr markanten charttechnischen Verkaufssignal.

Noch bleibt zwar abzuwarten, ob sich dieses bedeutsame Signal, das gleichbedeutend mit einem des rund 30-jährigen Trends hin zu immer weiter fallenden Renditen wäre, tatsächlich einstellen wird. Denn wie erwähnt sind die ausgewiesenen Inflationsraten aktuell noch relativ niedrig und in der Regel kommt es zu so einem wichtigen Kursereignis in der Regel nicht von heute auf morgen. Darauf weist auch HSBC-Analyst Jörg Scherer hin: „Untere Zinswenden brauchen vor allem eines: viel Zeit!“ Kritisch im Auge behalten sollten Anleger das Geschehen am Rentenmarkt aber allemal.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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