02.01.2009 · Schwellenländeranleihen sind in Zeiten des Kreditbooms gut gelaufen. Das Beispiel Ekuadors macht die Risiken entsprechender Anlagen deutlich. Das Land will seine Anleihen mit einem Abschlag von mindestens 70 Prozent zurücknehmen.
Die Jahre des Kredit getriebenen Booms hatten mit Blick auf die verschiedensten Anlageklassen eines gemeinsam: Anleger ignorierten die Risiken.
Das galt auch für die Staatsanleihen, die von den verschiedenen Schwellenländern herausgegeben worden waren. Aufgrund der lockeren Geldpolitik und der scheinbaren wirtschaftlichen Konvergenz weltweit liefen die Kurse dieser Papiere in dieser Phase nach oben, ob die Entwicklung in einzelnen Staaten nun nachhaltig war oder nicht.
Finanz-, Wachstums- und politische Risiken bei Schwellenländeranlagen
Oft konnten internationale Anleger nicht nur von den Kursgewinnen profitieren, sondern aufgrund der Kapitalzuströme in diese Staaten werteten auch noch ihre Währungen auf. Auf diese Weise konnten Hedge-Fonds, die sich entsprechend positioniert hatten und die zu einen großen Teil für den Kursauftrieb verantwortlich waren, gleich doppelt von der Entwicklung profitieren.
Im Rahmen der Kreditkrise der vergangenen Monaten hat sich das Bild allerdings geändert. Inzwischen sind sowohl die Finanz-, die Wachstums- als auch die politischen Risiken solcher Investments offenbar geworden. Sie zeigen sich neuerdings überdeutlich am Beispiel Ekuadors. Das südamerikanische Land will seine in den Jahren 2012 und 2030 fälligen Anleihen mit einem Abschlag von mindestens 70 Prozent zurücknehmen. Das sagte Wirtschaftsminister Diego Borja im telefonischen Interview mit Bloomberg News. Das Land hatte im Dezember zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren die Zahlung von Zinsen auf Staatsanleihen ausgesetzt.
Erste Auktionen für den Rückkauf der Papiere sollen im Januar beginnen, sobald der Anleihehandel wieder in Schwung gekommen sei. Bei jeder weiteren Auktion werde die Regierung den gebotenen Preis senken, erklärte Borja, der erst vergangene Woche sein Amt übernommen hat. Die Papiere mit Fälligkeit 2012 und 2030 haben ein Volumen von insgesamt 3,2 Milliarden Dollar oder umgerechnet 2,3 Milliarden Euro. Gehandelt werden sie allerdings zu 25,5 Cent je Dollar Nominalwert, nachdem Ecuadors Präsident Rafael Correa die Anleihe im Dezember für „unrechtmäßig“ und „illegal“ erklärte und eine Zinszahlung über 30,6 Millionen Dollar aussetzte.
Die Regierung prüft zudem derzeit die Rechtmäßigkeit einer weiteren Anleihe. Die Papiere mit Fälligkeit 2015 haben ein Nominalvolumen von 650 Millionen Dollar. „Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen“, sagte Borja. Die nächste Zinszahlung wird am 15. Januar fällig. Der Kurs der Papiere sank derweil auf 27 Cent zum Dollar. Vor drei Monaten war er noch drei Mal so hoch gewesen.
Bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2006 hatte Correa sich für eine Aussetzung des Schuldendienstes stark gemacht. Nach seinem Wahlsieg berief er im vergangenen Jahr eine Kommission ein, die die Anleihen mit Fälligkeit 2012 und 2030 unter die Lupe nahm. In einem 172 Seiten umfassenden Bericht stellte die Kommission „ernsthafte Anzeichen von Illegalität“ fest. Die Papiere seien ohne ausreichende staatliche Autorisierung ausgegeben worden, lautete einer der Kritikpunkte.
Kapitalbedarf steht im Gegensatz zu wirtschaftlicher und politischer Labilität
Im Hintergrund steht jedoch die Preiskorrektur der vergangenen Monate an den Energie- und Rohstoffmärkten. So hat der fallende Ölpreis die Staatseinnahmen Ekuadors deutlich geschmälert. Öl ist neben Bananen, Schnittblumen, Schrimps, Kakao, Kaffee, Hanf, Holz und Fischereiprodukten das wichtigste Exportgut des südamerikanischen Landes.
Die Anleihenschulden des Landes belaufen sich auf 4,16 Milliarden Dollar und machen rund ein Drittel der gesamten Auslandsschulden Ecuadors aus. Die Regierung, die ihre Währungsreserven auf 5,7 Milliarden Dollar beziffert, hatte bis zuletzt betont, die fälligen Leistungen durchaus zahlen zu können. Umso erstaunlicher ist die offensichtliche Absicht, den ursprünglichen Verpflichtungen nicht nachkommen zu wollen.
Sie steht in diametralem Gegensatz zur Tendenz vieler anderer Schwellenländer, in diesem Jahr so viele Dollar-Anleihen begeben zu wollen wie zuletzt im Jahr 2005. Nach Schätzungen der ING Groep dürfte das Emissionsvolumen um 68 Prozent auf 65 Milliarden Dollar klettern. Bereits am 18. Dezember erlöste Mexiko mit einer Emission 2 Milliarden Dollar, und der peruanische Finanzminister Luis Valdivieso warb im Dezember bei Investoren in New York, Boston, London und Madrid für die erste Fremdwährungsanleihe des Landes seit knapp zwei Jahren.
Alleine schon das Verhalten Ecuadors zeigt die Risiken solcher Papiere. Dazu kommen die Fremdwährungsrisiken für die Emittenten, die schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Lateinamerika zu zahlreichen Zahlungsausfällen führten und die in den vergangenen Wochen deutlich gestiegenen Finanzierungskosten. Zusammen genommen ist die Mischung solcher Fakten ziemlich riskant, sofern man von einem länger dauernden wirtschaftlichen Abschwung und von tief bleibenden Rohstoffkosten ausgeht.
Dazu kommt der zunehmende Finanzierungsbedarf der entwickelten Staaten selbst. Er dürfte dazu beitragen können, dass Anleger künftig aufgrund der wieder geschärften Risikobewusstseins höhere Renditen von Schwellenländern verlangen, als in der Vergangenheit. Zumindest bei jenen, die wirtschaftlich wenig stabil und politisch unzuverlässig sind wie Ekuador und Argentinien.