11.09.2006 · Russische Staatsanleihen haben den Anlegern dieses Jahr mehr eingebracht als andere europäische Papiere. Der steigende Ölpreis heizt das Wirtschaftswachstum in Rußland an, und der Anstieg des russischen Rubels beflügelt die Nachfrage.
Russische Staatsanleihen haben den Anlegern dieses Jahr mehr eingebracht als andere europäische Staatspapiere. Der steigende Ölpreis heizt das Wirtschaftswachstum in Rußland an und der Anstieg des russischen Rubels beflügelt die Nachfrage ausländischer Investoren nach russischen Staatsanleihen.
Auf Rubel lautende Staatspapiere kommen seit dem 1. Januar auf Kursgewinne von 4,8 Prozent. Damit haben sie sich besser entwickelt als die Anleihen aus 19 europäischen Ländern, geht aus den Indizes von JPMorgan Chase & Co. hervor.“Staatsanleihen sind ein sicheres und gutes Investment. Wir werden sicherlich hier kaufen“, sagt Michael Ganske, Leiter Analyse Schwellenländer bei Deka Investment GmbH in Frankfurt. Am zweitbesten haben sich türkische Staatsanleihen gemacht, ihre Kurse stiegen 3,1 Prozent. Schlußlicht der Region war Italien, die Papiere haben 1,1 Prozent eingebüßt.
Spekulationen auf eine aufwertende Währung ...
Ein Grund für die steigende Auslandsnachfrage sind Spekulationen, daß Rußland einen Anstieg des Rubels zulassen wird, berichtet Michael Gomez, Fondsmanager bei der Allianz- Tocher Pacific Investment Management Co. (Pimco) im kalifornischen Newport Beach. „Es gibt sehr viel Interesse an Rubel-Anleihen, weil die Investoren zuversichtlich für die Währung sind“, erklärt er. Der Rubel hat dieses Jahr 7,6 Prozent gegenüber dem Dollar gewonnen. Ein weiterer Pluspunkt für russische Staatsanleihen ist der Renditevorteil. Die Benchmark-Rubel-Anleihe mit Fälligkeit August 2016 und einem Kupon von 6,57 Prozent wies am 8. September einen Renditeaufschlag von 1,75 Prozentpunkten gegenüber vergleichbaren amerikanische Staatsanleihen auf. Im Zehnjahresbereich rentieren russische Papiere 2,74 Prozentpunkte höher als deutsche Bundesanleihen und 4,91 Prozentpunkte höher als japanische Staatsanleihen.
Von der Kursrally wird Rußland auf der nächsten Auktion seiner Papiere profitieren. Das Land kommt am 13. September mit einer 15jährigen Anleihe im Volumen von 10 Milliarden Rubel oder umgerechnet 290 Millionen Euro an den Markt, die eine Verzinsung von 9,5 Prozent aufweist. Seit der letzten Emission am 14. Juni sind die Renditen um etwa einen viertel Prozentpunkt auf 6,62 Prozent gesunken. Das bedeutet, Rußland kann etwa 24 Millionen Rubel an jährlichen Zinskosten sparen.
Rußlands Staatskasse ist prall gefüllt. Ganz anders sah es noch vor acht Jahren aus. Damals konnte das Land Staatsanleihen im Volumen von 40 Milliarden Dollar nicht bedienen und mußte die Währung abwerten. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind die Staatseinnahmen auf 3,46 Billionenionen Rubel angeschwollen, nach 2,8 Billionen Rubel im Vorjahr. Die Haushaltsüberschüsse haben es Rußland ermöglicht, 1,7 Billionen Rubel in einen „Stabilisierungsfonds“ einzustellen.
... und auf das verbesserte Rating des Landes
Die Entscheidung des Landes, 23,7 Milliarden Dollar Schulden beim Pariser Club vorzeitig zu tilgen, hat Standard & Poor's am 4. September bewogen, die Bonitätseinstufung Rußlands anzuheben. Die Ratingagentur setzte das Fremdwährungs-Rating auf „BBB+“ herauf, die drittniedrigste Stufe in der Güteklasse Investmentgrade. Seit dem Zahlungsausfall im Jahr 1989 ist die Bonitätsnote neunmal höher gestuft worden. Fitch korrigierte am 25. Juli das Kreditrating auf „BBB+“ nach oben. Moody's Investors Service benotet russische Staatsanleihen eine Stufe niedriger bei „Baa2“ und hat letztmals im Oktober das Bonitätsurteil angehoben.
„Die Heraufstufung von S&P ist sehr positiv für den Rubel- Anleihemarkt, weil er damit für konservativere Investoren offen wird“, erläutert Alexander Morosow, Anleihestratege bei HSBC Holdings Ltd. in Moskau. Selbst eine steigende Inflationsrate kann die Rally bei den russischen Staatsanleihen nicht bremsen. Im Juli sind die Verbraucherpreise mit einer Jahresrate von 9,3 Prozent gestiegen. Damit war die Teuerung mehr als viermal so hoch wie im Euroraum. Inflation nagt an der Kaufkraft der festverzinslichen Zahlungen.
Rußland hat außerdem am ersten Juli die Beschränkungen für Rubel-Käufe beendet, die seit dem Zahlungsausfall für ausländische Investoren galten. Investoren außerhalb Rußlands können jetzt bei Banken Rubel-Konten eröffnen und die russische Währung im Ausland handeln. Auch müssen sie nicht länger einen Geldbetrag bei der Zentralbank hinterlegen, wenn sie russische Staatsanleihen kaufen. Ausländische Investoren halten etwa ein Viertel der umlaufenden Anleihen im Volumen von 829 Milliarden Rubel, geht aus Daten von Trust Investment Bank, dem größten Underwriter von Rubel-Staatsanleihen, hervor. „Es liegt im eigenen Interesse der Investoren, weiteres Geld in den russischen Markt zu stecken“, sagt Nikos Makakis, Fondsmanager bei Global Fund Management in Athen. Er erwägt, bei der Auktion Anleihen zu erwerben, weil es eine gute Gelegenheit sei, Rubel-Papiere aufzustocken.