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Rentenmärkte Risikoprämien von Staaten und Banken sind verbunden

16.06.2010 ·  An den Märkten für Kreditausfallderivate sind die Preise für die Versicherung südeuropäischer Staatsanleihen und Anleihen europäischer Banken am Mittwoch gestiegen. Das bedeutet, dass das Vertrauen in die Rettungspakete der südeuropäischen Länder gering ist.

Von Gerald Braunberger
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An den Märkten für Kreditausfallderivate für südeuropäische Staatsanleihen und Anleihen europäischer Banken sind am Mittwoch die Preise gestiegen."Die beiden Märkte sind eng miteinander verbunden", erläutert Jochen Felsenheimer von der Fondsgesellschaft Assenagon, und verweist auf die ähnliche Entwicklung der Itraxx-Indizes für CDS auf Papiere europäische Banken ("Financials") und europäische Staaten ("Sovereign"). Diese Indizes bilden die jeweiligen Märkte für Kreditausfallderivate (CDS) ab.

Die steigenden Preise für die CDS auf griechische und auch spanische Anleihen spiegeln nach Ansicht Felsenheimers das geringe Vertrauen des Marktes in die Rettungspakete für die südeuropäischen Länder wieder. Der Markt für CDS auf diese Papiere sei für alle üblichen Laufzeiten von Anleihen liquide, auch wenn mit CDS nur ein Bruchteil der zugrunde liegenden Staatsschulden abgesichert werde. Als Käufer von CDS werden große europäische Kapitalanleger wie Banken, Versicherer und Fonds beobachtet, die über Bestände an südeuropäischen Staatsanleihen verfügen, diese aber wegen abzusehender Kursverluste nicht verkaufen wollten. In Deckungsstöcken von Versicherern und Pfandbriefbanken befindlichen Papiere ließen sich auch gar nicht schnell abstoßen.

Absicherungskosten für Anleihen südeuropäischer Staaten steigen

Daher werden die Anleihemärkte für südeuropäische Staatspapiere als wenig liquide bezeichnet. Tagelang geschehe fast nichts, während unvermittelt ein großes Angebot herrsche, das darauf vertraue, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Papiere aufkaufen werde. Spanien will am Donnerstag über zehn- und dreißigjährige Anleihen rund 3,5 Milliarden Euro aufnehmen. Erst am vergangenen Dienstag hatte Spanien mit Erfolg kurzfristige Schatzwechsel begeben.

Unter den höheren Absicherungskosten für südeuropäische Staatsanleihen leiden auch die Absicherungskosten für Anleihen vieler europäischer Banken. Die Verbindung zwischen den beiden Märkten schafft unter anderem die meist implizite Garantie der Regierungen, bedeutende Banken auch in Krisen nicht untergehen zu lassen. Diese Garantie setzt aber die Zahlungsfähigkeit der Regierungen voraus. Gerät die Bonität eines Staates in Zweifel, taugen auch Garantien für Banken nicht mehr viel. Die zweite Verbindung entsteht durch Bestände an Staatsanleihen südeuropäischer Länder in den Beständen von Banken.

Unter den wachsenden Zweifeln an Spanien leiden an den Märkten für CDS auch die beiden Großbanken des Landes, Banco Santander und BBVA, obgleich diese beiden Häuser als grundsolide gelten und einen erheblichen Teil ihres Geschäfts außerhalb Spaniens betreiben. "Dennoch werden der Banco Santander und BBVA an den Finanzmärkten mit Spanien gleichgesetzt", heißt es in einer deutschen Großbank. Auch warnen Fachleute davor, aus Meldungen über steigende Kredite spanischer Banken bei der EZB ein Katastrophenszenario abzuleiten. Zwar ist es richtig, dass spanische Kreditinstitute sich mehr Geld als früher von der EZB leihen, weil es ihnen wegen des verbreiteten Misstrauens schwerer fällt, von anderen Banken Geld zu bekommen. So haben sich spanische Institute im Mai 85,6 Milliarden Euro von der EZB geliehen gegenüber 76,4 Milliarden Euro im April. Dieser Betrag werde im Juni wahrscheinlich noch höher sein, resümieren die Analysten von Goldman Sachs, die aber einschränken: "Die Abhängigkeit spanischer Banken von der EZB bleibt unter jener von Banken aus anderen Ländern." Die Kredite spanischer Institute bei der EZB machten nur 2,5 Prozent der Bilanzsumme der spanischen Institute aus. Für die deutschen Kreditinstitute errechne sich ein Anteil von 2,7 Prozent, für portugiesische von 3,5 Prozent und für griechische Kreditinstitute von 13,6 Prozent.

Negative Schlagzeilen werden nicht abreißen, heißt es

Nach Aufstellungen aus europäischen Finanzkreisen belaufen sich die Bestände des Banco Santander an spanischen Staatsanleihen auf 24 Milliarden Euro. Das klingt beeindruckend, doch verweisen deutsche Bankanalysten darauf, dass die Bilanzsumme des Banco Santander Ende 2010 gewaltige 1111 Milliarden Euro betrug und der Anteil der spanischen Staatsanleihen daher überschaubar bleibt. Sein Eigenkapital beträgt rund 70 Milliarden Euro. Andere Banken sind stärker in südeuropäischen Staatspapieren engagiert. So halten die italienischen Großbanken Intesa und Unicredit nach Berechnungen von Analysten jeweils mehr als 30 Milliarden Euro italienische Staatspapiere. Dagegen sind besonders die britischen Großbanken, aber auch die Deutsche Bank, in den PIIGS-Staaten nur mit rund 0,1 Prozent ihrer Bilanzsummen engagiert.

Insgesamt gelangt Felsenheimer beim Blick auf die Entwicklung an den Kreditmärkten zu einem pessimistischen Schluss. "Die negativen Schlagzeilen bezüglich der Problematik der Staatsverschuldung werden die nächsten Monate nicht abreißen, da die Lösung des zugrunde liegenden Problems in weite Ferne gerückt ist. Wieder einmal werden die Symptome bekämpft (Verbot ungedeckter CDS), während die wahren Ursachen der Euro-Krise nur halbherzig angegangen werden, da der politische Widerstand unüberwindlich erscheint." Es existiere eine Parallele zwischen den Jahren 2007 und 2010. Im Jahr 2007 habe der Aktienmarkt lange die Krise ignoriert, die an den Kreditmärkten bereits ablesbar gewesen sei.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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