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Rentenmärkte Risikoanleihen kehren zur Normalität zurück

29.03.2005 ·  Nach guten Jahren mit Kursgewinnen an den Rentenmärkten nimmt die Bedeutung der Kupons als Ertragsquelle wieder zu. Es stünden wieder eher traditionelle Jahre für High Yields ins Haus, so die Meinung von Fondsmanagern.

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Nach zwei außerordentlich guten Jahren sollte in das Geschäft mit risikoreichen Anleihen europäischer Unternehmen (High Yields) in diesem Jahr wieder Normalität einziehen. Diese Einschätzung setzt sich zunehmend unter den auf diese Anlageklasse spezialisierten Fondsmanagern durch.

Anton Simon von der Fondsgesellschaft Putnam Investments erwartet für dieses Jahr einen Wertzuwachs zwischen 5 und 7 Prozent. Im vergangenen Jahr verzeichneten Investmentfonds, die auf Risikoanleihen europäischer Unternehmen spezialisiert sind, einen Gewinn von durchschnittlich gut 10 Prozent. 2003 waren es sogar rund 20 Prozent.

"Der Zinskupon wird wieder den Takt bestimmen"

"Der Zinskupon wird wieder den Takt bestimmen", sagt Simon. Im historischen Durchschnitt mache die Zinszahlung der Unternehmen 85 Prozent der Fondserträge aus. Ein Großteil der Gewinne war in den vergangenen beiden Jahren auch auf Kursgewinne der Schuldtitel im Zuge des Zusammenschmelzens der Risikoprämie im Vergleich zu sicheren Anleihen zurückzuführen. Gleichzeitig ging die Ausfallrate extrem nach unten und bewegt sich inzwischen mit gut 2 Prozent weltweit auf dem Niveau historischer Tiefstände. Noch vor drei Jahren lag dieser Wert bei rund 11 Prozent. Parallel dazu reduzierte sich der Renditeabstand europäischer Risiko-Unternehmensanleihen von fast 1.400 Basispunkten in der Spitze auf bis zu 250 Basispunkte Ende des vergangenen Jahres.

Fondsmanager Gary Sullivan von der deutschen Investmentgesellschaft DWS äußert eine ähnliche Erwartung wie Simon. Nach den jüngsten Sprüngen stünden jetzt wieder eher traditionelle Jahre für High Yields ins Haus. Nach den klassischen Analysegesichtspunkten bevorzugt er derzeit Unternehmen aus den Branchen Grundstoffe und Medien sowie aus der Chemiebranche. Inzwischen würden auch deutsche Unternehmen zunehmend den Anleihemarkt als Finanzierungsquelle entdecken. Als Beispiel aus seinem Gebiet nennt Sullivan die Unternehmen MTU, Hornbach sowie Heckler&Koch.

Geringe Korrelation zu den Aktienmärkten - ähnlich gute Ertragschancen

Bei High Yields handelt es sich um Anleihen von Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit Ratingagenturen wie Standard & Poor's (S&P) oder Moody's mit den Bonitätsnoten "BB+" beziehungsweise "Ba1" und sogar noch schlechter einstufen. Das höhere Ausfallrisiko, das sich in dieser Bewertung spiegelt, wird dem Anleger durch einen Renditeaufschlag gegenüber als besonders sicher geltenden Staatsanleihen abgegolten. Engagements in dieser Anlageklasse sind vor allem dann attraktiv, wenn Anleger mit einem Rückgang der Ausfallrate vor dem Hintergrund einer anspringenden Konjunktur rechnen.

Der europäische Markt für Risikoanleihen ist noch relativ jung. 1997 betrug das Marktvolumen 13 Milliarden Euro. Seither hat sich das Angebot verzehnfacht. Die sogenannten "Fallen Angels" - also Unternehmen von einst guter Bonität, die von den Ratingagenturen auf den Status von Risikoanleihen herabgestuft werden - spielen inzwischen wieder eine wesentlich geringere Rolle für das Marktwachstum als nach dem Platzen der Börsenblase im Jahr 2000. So kamen im vergangenen Jahr Neuemissionen mit dem Rekordvolumen von 26 Milliarden Euro auf den europäischen High-Yield-Markt.

Von einer scharfen Korrekturbewegung nach dem jüngsten Aufschwung geht Putnam-Fondsmanager Simon derzeit nicht aus. Er verweist auf die historischen Erfahrungen am amerikanischen Markt, der auch für den wachsenden europäischen Markt weiterhin richtungweisend ist. Seit 1980 seien dort zwei lange Aufschwungphasen von jeweils acht Jahren zu beobachten gewesen, die lediglich von kurzen Zeiträumen an Verlustjahren - 1989/90 und 2000 bis 2002 - unterbrochen worden seien. Vor diesem Hintergrund sieht Simon seine Anlageklasse erst am Beginn eines neuen Aufschwungzyklus: "Die Geschichte ist auf unserer Seite." Als Grund für seinen Optimismus nennt er unter anderem einen andauernd niedrigen Renditeabstand, eine erneut sinkende Ausfallrate sowie weitere Zuflüsse an Anlegergeld in dieses Marktsegment. Große institutionelle Investoren schätzten nach Angaben von Anton Simon vor allem die geringe Korrelation zu den Aktienmärkten bei ähnlich guten Ertragschancen.

Quelle: sfu., F.A.Z., 30.03.2005, Nr. 73 / Seite 21
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