27.07.2010 · Die Entwicklung der Leitzinsen läuft auseinander. Während die Leitzinsen in den Vereinigten Staaten, im Euro-Raum, in Großbritannien und in Japan nahe null liegen erhöhen Schwellenländer und rohstoffreiche Staaten ihre Leitzinsen.
Die Entwicklung der Leitzinsen in der Welt läuft immer weiter auseinander. Während die Leitzinsen in den Vereinigten Staaten, im Euro-Raum, in Großbritannien und in Japan nahe null liegen und nach Ansicht vieler Analysten auch bis weit in das kommende Jahr hinein nicht steigen dürften, erhöhen vor allem Schwellenländer und rohstoffreiche Industrienationen schon seit einiger Zeit ihre Leitzinsen.
Zunehmende Zinsdifferenzen laden zur Spekulation ein
Der Grund hierfür sind das in den Schwellenländern deutlich höhere Wirtschaftswachstum und die damit verbundenen Inflationsgefahren.
Aus der Finanzmarktsicht laden sich vergrößernde Zinsdifferenzen zwischen den großen Industrienationen und den Schwellenländern zu noch mehr sogenannten "Carry-Trades" ein. Hierbei nimmt ein Investor in einer Niedrigzinswährung wie dem Yen einen Kredit auf, um das Geld in einer höherverzinslichen Währung anzulegen. Diese Geschäfte tragen zu Aufwertungen der höherverzinslichen Währungen bei. Erreicht diese Aufwertung ein Ausmaß, das der Regierung dieses Landes mit Blick auf seine Exportaussichten unwillkommen erscheint, werden gerade in Schwellenländern Kapitalverkehrskontrollen als Gegenmittel erwogen. Hier gab es in den vergangenen Jahren bereits mehrere Beispiele.
Am Dienstag erhöhte die Zentralbank in Indien ihren Leitzins von 4 auf 4,5 Prozent, um sich gegen Inflationsgefahren zu stemmen. Es handelte sich bereits um die vier Leitzinserhöhung in diesem Jahr. Daraufhin setzte am Devisenmarkt die Rupie ihren Aufwärtstrend gegenüber dem Dollar und dem Euro fort. Die Rupie profitierte zudem von einer Verbesserung des Ratings für auf Rupien lautende Staatsschulden durch die Ratingagentur Moody's auf die Note "Ba1" - die erste Rating-Verbesserung seit zwölf Jahren.
Märkte spielen immer wieder die Zinserwartungen
Neben Schwellenländern sind auch rohstoffreiche Industrienationen schon seit einiger Zeit dabei, ihre Leitzinsen zu erhöhen. So war am Dienstag an den Märkten die Ansicht weit verbreitet, dass am Mittwoch in Neuseeland der Leitzins von 2,75 auf 3 Prozent erhöht werden dürfte. Die Analysten der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley erwarten für das Jahresende einen Leitzins von 3,5 Prozent. Die Wirtschaft in Neuseeland profitiert wie die Wirtschaft in Australien besonders von einer starken Rohstoffnachfrage aus China. Australien hat innerhalb der vergangenen Monate seinen Leitzins mehrfach erhöht.
Nach Ansicht von Analysten befindet sich auch Brasilien weiterhin in einem Zinserhöhungszyklus. So sieht Morgan Stanley wie viele andere Beobachter den Leitzins am Jahresende bei 11,75 Prozent gegenüber aktuell 10,75 Prozent. Am Dienstag begannen Marktteilnehmer am Terminmarkt in São Paulo allerdings über eine Verzögerung von Leitzinserhöhungen zu spekulieren, da neueste Untersuchungen rückläufige Inflationserwartungen zeigen. Die für das Jahresende erwartete Inflationsrate beträgt 5,35 Prozent. Die brasilianische Wirtschaft läuft aber immer noch mit Schwung, wie eine Zunahme der Bankkredite um 19 Prozent im Jahresvergleich belegt.