Home
http://www.faz.net/-gvt-10b7f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rentenmärkte Disinflationäre Impulse - fallende Renditen

04.12.2008 ·  Bei den Anleihen trennt sich seit ein paar Monaten wieder die Spreu vom Weizen. Die Renditedifferenz zwischen Papieren mit Schuldnern guter Bonität und jenen mit schlechterem Rating und verhaltenen Aussichten nimmt im Trend zu.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Rentenpapiere mit guter Bonität haben aufgrund der Zinssenkungsphantasien seit einigen Monaten unglaublichen Auftrieb. Die Marktteilnehmer wurden in diesem Bereich im Gegensatz zu den Börsen lange Zeit von den vielfach noch bis Mitte des laufenden Jahres nach oben laufenden Rohstoffpreisen und dem dadurch ausgelösten Preisauftrieb genarrt.

Dann hat sich das jedoch zusammen mit dem deutlichen Rückgang des Ölpreises, des weiteren Verfalls der Rohstoffpreise und mit schlechten Nachrichten von konjunktureller und von Unternehmensseite geändert. Der Bund-Future, also der Terminkontrakt auf Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren, hat alleine von Mitte Juni bis Anfang Dezember um 14,9 Prozentpunkte auf zuletzt 124,72 Prozent zugelegt, die Rendite ist von 4,75 auf zuletzt 3,099 Prozent gefallen.

Langläufer profitieren am stärksten von Zinssenkungen

Der Kontrakt auf Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren hat sogar noch deutlicher zugelegt. Das kann angesichts der zu beobachtenden und zu erwartenden Zinssenkungen kaum verwundern. Denn Anleger, die davon profitieren wollen, tun das am besten über den Kauf von Anleihen mit einer möglichst langen Laufzeit, da diese im Kurs am stärksten darauf reagieren (siehe auch: Duration - Hebeleffekt der Anleihen).

Angesichts der schwachen konjunkturellen Aussichten weltweit, der zunehmenden deflationären Impulse, der anhaltenden Turbulenzen an den Börsen sind mittelfristig weitere Kursgewinne bei Rentenpapieren bester Qualität denkbar. Auf der anderen Seite dürften sich die Bonitätsunterschiede, die sich in den vergangenen Monaten schon in Form von auseinander laufenden Spreads zeigten, weiterhin deutlich bemerkbar machen.

Das gilt erstens mit Blick auf die Schwellenländer. Immerhin sind diese aufgrund der globalen Wirtschaftsschwäche alleine schon deswegen in die Defensive geraten, weil sie in den vergangenen Jahren im Rahmen des Kredit getriebenen Booms von den Exporten in die Industriestaaten und indirekt vom Rohstoffboom hatten profitieren können. Beide wirtschaftlichen Trends haben sich jedoch inzwischen ins Gegenteil verkehrt.

Bonitätsunterschiede kommen stärker zur Geltung

Aus diesem Grund sind selbst bei den Staatsanleihen von Brasilien, Mexiko, Ungarn und Indonesien die Renditen in den vergangenen sechs Monaten gestiegen. Noch deutlicher war die Differenzierung jedoch im Unternehmensbereich. Dort sind die Renditeunterschiede der Papiere von Unternehmen unterschiedlicher Bonität und unterschiedlicher Bonitätserwartungen deutlich größer geworden als in der Vergangenheit. Inzwischen ziehen Papiere diese Art zwar das Interesse vieler Anleger und Strategen auf sich.

Allerdings dürfte die Zahl der in Schwierigkeiten geratenden Untenehmen in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. Das gilt vor allem für jene, die stark verschuldet sind und die sich im Rahmen der Kreditkrise künftig zu schlechteren Konditionen als bisher refinanzieren müssen. Schwierig wird es auch für jene Industrien werden, die sich durch Überkapazitäten auszeichnen. Dazu zählt die Automobilindustrie ebenso, wie der Finanzbereich. Eines ist sicher, die Banken müssen sich künftig „gesund schrumpfen“.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 22:03 Uhr
  Vortag
BUND 144,35 +0,25%
 OK
Zinsen
25.05.2012 11:45 Uhr
  Vortag
REXP 422,77 +2,82%
 OK