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Rentenmärkte Banger Blick auf die Zinspolitik der Notenbanken

13.01.2010 ·  Die beginnende Eindämmung der Geldschwemme durch die Notenbanken wird zum beherrschenden Thema an den Kapitalmärkten. China beginnt mit Eindämmung der Geldschwemme, der Westen dagegen scheint sich noch Zeit zu lassen.

Von Stefan Ruhkamp
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Die beginnende Eindämmung der Geldschwemme durch die Notenbanken wird zum beherrschenden Thema an den Kapitalmärkten. Die wegen der Finanzkrise und Weltwirtschaftskrise extrem expansive Geldpolitik gilt als einer der wichtigsten Treiber für die Hausse auf den Aktien- und Anleihemärkten. Nun mehren sich allerdings die Anzeichen, dass Liquidität wieder knapper werden könnte.

Signalwirkung hat die Ankündigung der chinesischen Zentralbank, ihre Mindestreserve-Anforderungen für Banken anzuheben. Die Aktienmärkte reagierten zunächst verunsichert und mit Kursverlusten, zumal die Chinesen zum zweiten Mal binnen weniger Tage den Zins für Staatstitel mit drei Monaten Laufzeit angehoben haben. Beide Schritte werden als klare Signale gewertet, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt Spekulationsblasen und Inflation verhindern will.

Chinesische Zentralbank beginnt zu bremsen

Die chinesische Notenbank ist die erste unter den bedeutenden Zentralbanken, die umfangreiche Schritte zur Eindämmung der Geldschwemme unternimmt. Bislang haben unter den Industriestaaten nur Norwegen und Australien sowie Israel die Leitzinsen erhöht. Amerikas Fed und die Bank von England haben bislang nur die Instrumente für eine Rückführung der Liquiditätsschwemme erläutert, mit ihrem Ausstieg aber noch nicht begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat dagegen schon einige - wenn auch vorsichtige - Schritte unternommen, um die Liquiditätshilfen für die Banken zu verringern. In der Finanzkrise hatte sie längerfristige Finanzierungsgeschäfte eingeführt und leiht den Banken unter erleichterten Bedingungen für die Qualität der Sicherheiten so viel Geld, wie sie verlangen. Nun laufen die längerfristigen Finanzierungsgeschäfte allmählich aus. Das letzte mit einer Laufzeit von sechs Monaten und voller Zuteilung wird es im März geben. Das letzte einjährige Geschäft im Dezember wurde schon nicht mehr zum Leitzins zugeteilt. Die Banken werden am Ende der Laufzeit den durchschnittlichen Leitzins des Jahres zahlen, der voraussichtlich über dem heutigen Niveau liegen wird.

Zur Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise haben fast alle Notenbanken in den vergangenen beiden Jahren ihre Leitzinsen drastisch reduziert. Unter den Industriestaaten war die Bewegung in Amerika und Großbritannien mit mehr als 5 Prozentpunkten im Vergleich zum Zinshoch besonders groß. Dort erwarten nun viele Analysten auch einen früheren Beginn der Zinswende als im Euro-Raum. Als Grund dafür wird genannt, dass die Leitzinsen im Pfund- und Dollar-Raum nahe null liegen, während der Leitzins der EZB 1 Prozent beträgt, sie also von einem höheren Niveau ausgeht.

Hat der Zinsanstieg im Euro-Raum schon begonnen?

"Zudem hat der Zinsanstieg im Euro-Raum schon begonnen", sagt Jürgen Michels, Zinsfachmann der Citigroup. Hierzulande liegt der Satz, zu dem sich die Banken untereinander Zentralbankgeld über Nacht leihen, seit der Einführung der Liquiditätshilfen unter dem Leitzins. Dieser Tagesgeldsatz hat sich mit der Beruhigung auf den Finanzmärkten und dem beginnenden Abbau der Überschussliquidität schon spürbar erhöht. Der Tagesgeldsatz dürfte sich in den kommenden Monaten weiter dem Leitzinsniveau nähern, was für die Banken eine ähnliche Wirkung hat wie eine allmähliche Zinserhöhung, lange bevor die EZB offiziell zur Tat schreitet. Die Citigroup-Analysten erwarten, dass die EZB den Leitzins wegen der geringen Inflation und der Sorgen um die Konjunktur erst im nächsten Jahr erhöht. Das ist allerdings eine Minderheitenmeinung. Die meisten Banken gehen von einer ersten Zinserhöhung im dritten oder vierten Quartal aus und erwarten den Leitzins am Ende des Jahres im Durchschnitt bei 1,50 Prozent. Das entspricht auch den Erwartungen, die sich aus den Preisen im Terminhandel ableiten lassen.

Viele Beobachter rechnen damit, dass der Trend zu Zinserhöhungen in den Schwellenländern früher beginnen wird. Die meisten von ihnen sind bislang weitaus besser durch die Wirtschaftskrise gekommen als die Industriestaaten. Das Wachstum in den Schwellenländern werde in diesem Jahr ausgeglichener und kräftiger verlaufen, während die Erholung in den Industriestaaten "ohne Kredit

und ohne Arbeitsplatzaufbau" relativ schwach sein werde, heißt es in einer Studie der Bank Morgan Stanley. Die Analysten erwarten, dass es schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres Leitzinserhöhungen in Indien, Taiwan und Südkorea geben wird. In China rechnen sie Ende des Jahres mit einem Leitzins von 5,85 Prozent. Derzeit sind es 5,31 Prozent.

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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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