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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Rentenmärkte Anleihen aus Schwellenländern sind begehrt

 ·  Rekordtiefe Renditen in den etablierten Industrieländern und stark fallende Aktienmärkte machen die Anleger umtriebig. Auf der Jagd nach Performance entdecken sie Anleihen aus Schwellenländern neu.

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Anleihen von Schwellenländern legen zurzeit die längste Kursrally seit 1998 hin. Nachdem die Renditen von US-Staatspapieren auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren gefallen sind und die Aktienkurse sich weiter auf Talfahrt befinden, haben Anleger bei der Suche nach höheren Renditen die Emerging-Market-Bonds entdeckt. Anleihen aus Russland, Brasilien und anderen Schwellenländern haben seit Oktober jeden Monat zugelegt. Der von J.P. Morgan Chase & Co. ermittelte EMBI Global Bond-Index ist um 19 Prozent auf ein Allzeithoch gestiegen.

„Die Investoren hungern nach Rendite. Sie nehmen all ihren Mut zusammen und kaufen wieder", beobachtet Scott Grannis, Fondsmanager bei Western Asset Management in Pasadena, Kalifornien. Schwellenländer-Anleihefonds verzeichnen Rekordzuflüsse. Angelockt werden die Investoren durch Renditen von beispielsweise 14 Prozent bei der brasilianischen Benchmarkanleihe mit einem Kupon von acht Prozent und Fälligkeit 2014. Das ist mehr als das Dreifache der Rendite zehnjähriger US- Schatzpapiere.

Entspannung in Brasilien sorgt für zusätzliche Nachfrage

Die Nachfrage nach den Schwellenländerbonds hat zugenommen, seit der im Oktober gewählte brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva das Vertrauen der Investoren gestärkt hat, dass sein Land nicht dem Beispiel Argentiniens folgt und seine Schulden nicht mehr bedient. In den ersten sieben Wochen dieses Jahres haben Anleger netto 380 Millionen Dollar in Emerging-Markets- Anleihefonds gepumpt, fast dreimal so viel wie in der entsprechenden Periode des Vorjahres. Das zeigt eine Umfrage unter 205 Fonds durch EmergingPortfolio.com Fund Research aus Boston.

Einige Investoren wenden sich aufgrund der Kursverluste an den Börsen verstärkt den Schwellenländern zu, berichtet Jerome Booth, Fondsmanager bei Ashmore Investment Management Ltd. in London. Der europäische Dow Jones Stoxx 50-Index ist seit Jahresbeginn 15 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1997 gefallen, und der amerikanische Standard & Poor's 500 hat sechs Prozent eingebüßt. Schwellenländerbonds "sind die einzige Anlagekategorie, die wirklich Geld einbringt", betont Booth.

Verzweifelte Suche nach renditestarken Alternativen

Das niedrige Zinsniveau in den USA treibt ebenfalls viele Anleger in Schwellenländer-Anlagen. Nach 12 Zinssenkungen liegen die US-Leitzinsen bei 1,25 Prozent. Die Rendite amerikanischer Staatsanleihen ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als 40 Jahren gefallen. Zehnjährige Papiere rentierten Ende letzter Woche mit 3,64 Prozent. Russische Anleihen mit Fälligkeit 2030 bringen eine Rendite von etwa acht Prozent, verglichen mit 4,68 Prozent für vergleichbare US-Treasuries.

Einige Schwellenländer werden von den Anlegern allerdings gemieden. Ein Streik in Venezuela und einbrechende Exporteinnahmen in Uruguay haben die Investoren abgeschreckt. In der letzten Woche fielen die Kurse türkischer Anleihen, nachdem das Parlament einen Antrag zur Stationierung von US-Truppen ablehnte. Analysten rechnen damit, dass die Kurse von Anleihen der Türkei und anderen Schwellenländern fallen, wenn es im Irak zum Krieg kommt. „Wenn die Kugeln fliegen, werden wir wahrscheinlich einen gewissen Rückzug beobachten können", erklärt Alex Garrard, Leiter Analyse Schwellenländer Europa bei UBS Warburg LLC in London. „Einige Länder sind direkt exponiert", darunter die Türkei und Länder, die von Ölimporten und der US- Nachfrage nach ihren Exporten abhängen, fügt er hinzu.

Asiatische Anleihen ohne Schwung

Asiatische Anleihen hinken dem EMBI-Index seit Oktober hinterher. Sie brachten Investoren einen Ertrag von drei Prozent, verglichen mit 19,5 Prozent im EMBI. Lateinamerikanische Bonds haben den Anlegern im selben Zeitraum 21,8 Prozent beschert.

J.P. Morgan hat in der letzten Woche die Bewertung von Schwellenländeranleihen erstmals seit Oktober von "market weight" auf "overweight" erhöht und die bessere Einstufung mit den gestiegenen Investments begründet. Ein Krieg im Irak ist bereits "eingepreist", erklärt Jonathan Bayliss, Leiter quantitative Strategie Schwellenländer bei J.P. Morgan in London. „Die Anleger haben ihre Illusionen bei Aktien verloren und Schwellenländeranleihen sind in den meisten Portfolios noch unterrepräsentiert." Im letzten Jahr waren die Aussichten deutlich schlechter, nachdem Argentinien Schulden in Höhe von 95 Milliarden Dollar nicht mehr bedient hatte.

Auch in Russland bietet sich ein freundlicheres Bild. Der zweitgrößte Ölproduzent der Welt profitiert vom gestiegenen Rohölpreis. Mexiko konnte im letzten Jahr sein Junk-Rating von Standard & Poor's abschütteln. Anleihen von osteuropäischen Staaten wie Polen und Ungarn haben zugelegt, weil Anleger erwarten, dass ein Beitritt dieser Länder zur Europäischen Union zu niedrigeren Zinsen und einem stärkeren Wachstum führen wird, berichten Analysten.

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