25.03.2010 · Nicht nur Griechenland hat ein Schuldenproblem. Auch für die Vereinigten Staaten wird trotz niedrigster Zinsen die Kreditaufnahme zunehmend teurer und damit schwieriger. Sie überschwemmen den Anleihenmarkt.
Geht es um Staatsschulden, konzentriert sich derzeit die Aufmerksamkeit der Welt auf Nebenschauplätze wie etwa Griechenland. Tatsächlich aber zeigt sich immer mehr, dass die Finanzierbarkeit der Staatsschulden auch in großen Ländern zunehmend auf Probleme stößt. Auch in solchen, denen von Rating-Agenturen, die die Kreditwürdigkeit der Staaten bewerten, immer noch erstklassige Noten zuerkannt werden.
So zeigt sich an den Anleihemärkte zunehmend, dass die Vereinigten Staaten immer mehr Schwierigkeiten haben, ihr im Zuge der Finanzkrise auf Rekordniveau aufgeblähtes Haushaltsdefizit zu finanzieren.
Nachfrage nach Staatsschuldtiteln lässt merklich nach
„Hässlich“ nannte Ward McCarthy, Leiter der Anleihenabteilung der Investmentbank Jefferies & Co., das Ergebnis einer Versteigerung fünfjähriger Schatzanweisungen am Mittwoch. Zwar hatten immer noch die Gebote die zuteilbaren Anleihen um den Faktor 2,55 überstiegen. Doch das lag deutlich unter dem Verhältnis von 2,75 vom Februar und auch dem Durchschnitt der vergangenen vier Zuteilungen.
Das wirkte sich auch auf die Rendite der Anleihen aus, die vom Auktionsergebnis bestimmt wird. Diese betrug nun 2,605 Prozent, nachdem sie vor der Auktion bei 2,569 Prozent gelegen hatte. Dies kostet die Regierung pro Jahr etwa 15 Millionen Dollar mehr. Schon am Dienstag hatte eine schwache Nachfrage bei einer Auktion zweijähriger Schuldverschreibungen den Markt schockiert.
Für Experten gibt es noch deutlichere Anzeichen. Sie richten ihr Augenmerk auf den sogenannten Swap-Spread mit einer Laufzeit von zehn Jahren, der die Differenz zwischen dem Zinsswapmarkt und der Rendite amerikanischer Staatsanleihen anzeigt und zu dessen Berechnung die Rendite einer Anleihe mit der Note „AA“ mit der Rendite von amerikanischen Staatsanleihen ähnlicher Laufzeit verglichen wird.
Manche Unternehmensanleihen gelten als sicherer
Theoretisch kann diese Kennziffer niemals negativ werden, da die Bonitätsnote der Vereinigten Staaten mit „AAA“ besser ist. Doch nachdem der Swap-Spread im Rahmen der Finanzkrise zunächst deutlich fiel, ist er nun zum ersten Mal in der Geschichte doch negativ geworden.
Dies zeigt, dass die Marktteilnehmer die Vereinigten Staaten nicht mehr als erstklassigen Schuldner betrachten. Im Grunde steht die Bonitätsnote nur noch auf dem Papier, weil die Ratingagenturen wohl aus Sorge um die möglichen Folgen für die Finanzmärkte die Einschätzung nicht antasten wollen.
Das zeigt sich auch daran, dass die im Februar ausgegebenen zweijährigen Anleihen von Berkshire Hathaway, dem Unternehmen von Warren Buffett, einer der reichsten Personen weltweit und erfolgreicher und als versiert geltender Investor, derzeit ähnlich hoch rentieren wie amerikanische Staatsanleihen gleicher Laufzeit. Das bedeutet, dass die Anleger ihr Geld dort als mindestens ebenso sicher aufgehoben betrachten wie in der Hand des Präsidenten. Auch die Erträge der Unternehmensanleihen der Konsumgüterproduzenten Procter & Gamble und Johnson & Johnson oder der Baumarktkette Lowe's lagen in den vergangenen Wochen unter denen amerikanischer Schatzanweisungen
Überschwemmung auf dem Anleihenmarkt
In der Geschichte des Anleihemarktes sei eine solche Konstellation überaus selten, sagte der renommierte frühere Anleihen-Chef-Stratege von Lehman Brothers, Jack Malvey, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Aufgrund seines riesigen Finanzbedarfs überschwemme das Finanzministerium den Markt für Staatsanleihen regelrecht. Seit Anfang des Jahres 2009 habe es Staatsanleihen im Volumen von 2,59 Billionen Dollar ausgegeben. In diesem Jahr soll ein Rekordvolumen von 2,43 Billionen Dollar emittiert werden. Die amerikanischen Staatsschulden summieren sich derzeit noch auf 12,66 Billionen Dollar. Das Haushaltsdefizit betrug zuletzt 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit auf dem höchsten Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
„Für die Regierung ist das wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt Mitchell Stapley, Leiter der Anleihenabteilung bei der Vermögensverwaltung der Fifth Third zu den Entwicklungen am Anleihenmarkt. „Es könnte der Moment sein, an dem die Regierung hoffentlich erkennt, dass sich langsam Risiken in ihr Kreditprofil einschleichen. Und die damit verbundenen Kosten können wirklich erschreckend sein.“
Schulden außer Kontrolle?
Nach einer Prognose der Ratingagentur Moody's werden die Kosten für den Schuldendienst der Vereinigten Staaten drastisch steigen. Schon jetzt sind sie höher als in jedem anderen Land mit einer erstklassigen Bonitätsnote, sieht man von Großbritannien ab. In diesem Jahr werden etwa 7 Prozent der amerikanischen Steuereinnahmen durch die Finanzierungskosten verschlungen, 2013 werden es Moody's zufolge beinahe 11 Prozent sein. Dadurch rücke der Verlust der erstklassigen Bonitätsnote der größten Volkswirtschaft der Welt deutlich näher, erklärte Moody's in der vergangenen Woche.
Gemäß des Haushaltsentwurfs von Präsident Obama wird sich die Staatsverschuldung in der kommenden Dekade jedes Jahr weiter aufblähen. Aktuell macht nicht zuletzt die Gesundheitsreform den Anlegern Sorgen, die alleine 940 Milliarden Dollar kosten soll.
Es gebe keinen langfristigen Plan für den Umgang mit dem Haushaltsdefizit, kritisieren skeptische Anleger. Irgendwann könne dem Markt einfach die Geduld ausgehen, heißt es weiter. Die Regierung könne nicht immer mehr Geld aufnehmen, ohne dass die Kosten dafür stiegen, argwöhnen sie.