Trotz steigender Leitzinsen konnten sich die amerikanischen und auch die europäischen Rentenmärkte in den vergangenen Wochen von ihren zuvor erreichten Tiefs erholen und zum Teil deutlich zulegen.
Der Bund-Future beispielsweise stieg von 114,11 Prozent im Juli auf zuletzt 117,30 Prozent und überwand dabei den mittelfristigen Abwärtstrend. Der generische Endloskontrakt der 30-jährigen amerikanischen Treasury legte von einem Zwischentief bei 105 15/32 Ende Juni des laufenden Jahres auf zuletzt 110 20/32 zu. Auch er konnte mit dieser Bewegung den mittelfristigen Abwärtstrend überwinden.
Schwächere Konjunktur - abnehmender Preisdruck?
Im Hintergrund stehen Überlegungen der internationalen Marktteilnehmer, die Weltkonjunktur werde sich in den kommenden Wochen und Monaten abschwächen, den aufgrund der lange Zeit tiefen Zinsen und hohen Geldmengen aufgekommenen Inflationsdruck abschwächen und die Zentralbanken dazu bringen, die Zinsen nicht weiter zu erhöhen oder zumindest bald in eine Zinspause überzugehen.
Vor allem in Amerika scheint der Markt voll auf eine „Zinspause“ oder gar bald wieder fallende Leitzinsen zu setzen. Und das, obwohl die Kernrate der Verbraucherpreise in Amerika von einem Tief bei 1,1 Prozent im November des Jahres 2003 auf Jahresbasis bis Ende Juli auf 2,7 Prozent geklettert ist und damit deutlich über dem Zielkorridor der Zentralbank von einem bis zwei Prozent liegt und im Trend eher nach oben denn nach unten zu tendieren scheint.
Das ist jedoch nicht alles. Denn die so genannte Kernrate wird nicht nur durch das so genannte „Hedonic Pricing“ künstlich nach unten verzerrt, sondern die wesentlichen Komponenten Nahrungsmittel und Energie werden herausgerechnet, da sie „zu volatil seien“. Dabei hat gerade die Preisentwicklung im Energiebereich in den vergangenen Monaten für Furore gesorgt und zum Preisauftrieb bei den Konsumenten maßgeblich und vor allem auch am Portemonnaie täglich spürbar beigetragen. Ganz abgesehen davon stellt sich die Frage, wieso man einfach und willkürlich „volatile“ Faktoren sollte, wenn sie den Trend so bestimmt haben dürften wie in den vergangenen Monaten.
„Core-Rate“ unterschätzt die Preisdynamik
Diese Frage stellte sich im vergangenen Jahr auch die Federal Reserve Bank of Dallas und entwickelte einen „getrimmten“ Inflationsindikator. Er schließt volatile und damit möglicherweise transitorische Faktoren nicht grundsätzlich aus, sondern bereinigt die Daten lediglich um statistische Ausreißer nach unten und nach oben. Auf diese Weise dürfte eine genauere und vor allem auch „wahrhaftigere“ Inflationsentwicklung erreichen lassen. Und sie liegt deutlich höher als die so genannte „Core Rate“, die von den Finanzmärkten im gegenwärtigen Umfeld der „Datenabhängigkeit“ stark beachtet wird.
Im Juli lag dieser Preisindex der Dallas-Fed auf Monatsbasis bei 3,1 Prozent, während die „offizielle Core-Rate“ der Zentralbank unter der Kuratel von Ben Bernanke bei 1,7 Prozent lag. Das ist doch „in kleiner Unterschied“. Auf dieser Basis dürfte es kaum verwundern, daß sich Richard Fisher, Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, in jüngster Zeit ziemlich kritisch über den anhaltenden Inflationsdruck in den Vereinigten Staaten äußerte. Eine Analyse der „getrimmten“ Inflationsrate in den vergangenen Jahren zeigt erstens, daß sie nie auf das extrem tiefe Niveau der „Core-Rate“ fiel und insgesamt ein höheres Niveau hatte.
Auf dieser Basis und auch mit Blick auf die Äußerungen von anderen Zentralbanken dürfte man die Rentenmärkte zumindest am langen Ende trotz der jüngsten Erholung kritisch betrachten müssen. Denn sie scheinen doch zunehmend dazu entschlossen zu sein, die nach wie vor im Überfluß vorhandene Liquidität abzuschöpfen. Vor allem dann, wenn der Inflationsdruck anhalten sollte.