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Ratssitzung am Mittwoch Druck auf EZB wächst

 ·  Die schwachen Konjunkturdaten der vergangenen Tage haben den geldpolitischen Spielraum der Europäischen Zentralbank erhöht. An den Terminmärkten halten Händler eine Zinssenkung im Juli oder August aber für wenig wahrscheinlich. Die Banken hoffen auf weitere Geldspritzen.

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Da sich die europäische Schuldenkrise zuspitzt und zugleich die Anzeichen für einen Abschwung der Weltkonjunktur zunehmen, nehmen die Spekulationen über eine bevorstehende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu. Entscheiden muss der EZB-Rat am Mittwoch - wegen des Feiertags am Donnerstag einen Tag früher als üblich. Die Mehrheit der von Reuters befragten Ökonomen der Banken rechnet zwar für diese Ratssitzung mit einem unveränderten Satz von 1 Prozent, der lange Zeit als absolute Untergrenze für die EZB vermutet worden war. Doch inzwischen ist die vermutete Untergrenze nicht mehr in Stein gemeißelt. Immerhin elf der 73 befragten Analysten spekulieren auf eine Überraschung.

Nach Einschätzung von Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hat die Europäische Zentralbank noch Raum für eine Zinssenkung. „Es ist offensichtlich, dass es Spielraum für einen weiteren Zinsschritt gibt“, sagte Lagarde der schwedischen Zeitung Svenska Dagbladet.

“Die Gründe für eine Zinssenkung sind überwältigend“, sagt Ken Wattret, der für den Euroraum zuständige Volkswirt der französischen Großbank BNP Paribas. Die Mehrheit der Fachleute rechnet jedoch mit einer abwartenden Haltung der EZB, solange die politische Lage Griechenlands noch unklar ist. Auch auf den Terminmärkten wird einer sofortigen Zinssenkung nur eine kleine Wahrscheinlichkeit beigemessen. Für Juli oder August liegt die in den Preisen ausgedrückte Wahrscheinlichkeit dagegen schon bei gut 30 Prozent.

Konjunkturindikatoren noch relativ robust

Gegen eine Zinssenkung spreche, dass die Stimmungsindikatoren zwar gefallen, aber nicht kollabiert seien, argumentiert die Citigroup in einer Studie. Damit lägen die von der Zentralbank besonders aufmerksam beobachteten Indikatoren noch über dem Niveau der Rezession in den Jahren 2008 und 2009, als sich die EZB gegen eine Senkung auf weniger als 1 Prozent entschieden hat.

Allerdings hat sich in den vergangenen Tagen die Schuldenkrise abermals verschärft. Spanische Staatsanleihen werden mit einer Rendite von mehr als 6 Prozent gehandelt, ein Niveau, das in den Fällen Irland, Portugal und Griechenland über kurz oder lang dazu geführt hat, dass die Länder um Hilfe der europäischen Partner und des Internationalen Währungsfonds gebeten haben. Auch die Unruhe im Bankensystem hat wieder zugenommen. Die Risikoprämien für europäische Großbanken nähern sich wieder dem Niveau, dass sie im November und Dezember erreicht hatten. Zu dieser Zeit stand der Itraxx Senior Financials, ein Index, der die durchschnittlichen Kosten für die Absicherung von Forderungen gegen Banken abbildet, bei 350 Basispunkten.

Europäische Banken halten neuen EZB-Milliardenkredit für wahrscheinlich 

Das war damals eines der Signale, die bei der EZB die Furcht vor einer Kreditklemme schürten. Sie reagierte unter anderem mit Finanzierungsgeschäften mit der zuvor nahezu undenkbar langen Laufzeit von drei Jahren. Auf diese Weise verschafften sich die Banken im Dezember und Februar rund 1000 Milliarden Euro. Zudem lockerte die EZB die Anforderungen für Sicherheiten, die Banken bei den Notenbanken beleihen dürfen.

Heute steht der Index, der nach diesen Hilfen gefallen ist, wieder bei 300 Basispunkten, was einer durchschnittlichen jährlichen Absicherungsprämie von 3 Prozent der versicherten Summe entspricht. Es liegt für die Banken also die Vermutung nahe, dass die EZB wieder nervös sein könnte. Analysten der britischen Bank Barclays vermuten, dass EZB-Präsident Mario Draghi eine weitere „Dicke Bertha“ zur Beruhigung der Märkte bereitstellen wird. So hatte Draghi die dreijährigen Langfristgeschäfte in Anlehnung an ein großkalibriges deutsches Geschütz scherzhaft genannt.

EZB könnte Wachstumsprognose nach unten korrigieren

Auch über eine Wiederbelebung der Staatsanleihenkäufe wird spekuliert. Allerdings dürften diese für die Notenbanker ihren Reiz verloren haben. Nicht nur wegen der starken Ablehnung in Deutschland und in anderen finanzstarken Ländern, sondern vor allem, weil die beruhigende Wirkung auf die Märkte fraglich ist. Denn seit dem jüngsten Teilerlass für Griechenland, als private Schuldner verzichten mussten, die EZB aber nicht, ist jedem Anleger klar, dass sich mit jedem Kauf der Notenbank das eigene Verlustrisiko für den Fall einer weiteren Umschuldung erhöht.

Sicher scheint, dass die EZB am Mittwoch ihre Wachstumsprognose abermals nach unten korrigieren wird. Das könnte EZB-Präsident Mario Draghi mit Andeutungen verbinden, die eine Zinssenkung in den Bereich der Möglichkeit rücken, aber die noch nicht als Festlegung verstanden werden können.

Quelle: F.A.Z., FAZ.net mit Dow Jones
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Jahrgang 1968, Redakteur in der Wirtschaft.

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