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Ratingagentur S&P Ausblick für Großbritannien gesenkt

22.05.2009 ·  Die Ratingagentur S&P rechnet mit rasant steigenden Staatsschulden. Mit einem Spitzenrating sei dies nicht vereinbar. Das Pfund verlor an Wert, und die Risikoprämien der Staatsanleihen stiegen.

Von Bettina Schulz
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Die britische Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für die Bonitätsbewertung britischer Staatsschulden von "stabil" auf "negativ" geändert. Das Rating mit der Höchstnote "AAA" wurde beibehalten. Die Veränderung des Ausblicks bedeutet jedoch, dass jetzt eine Wahrscheinlichkeit von etwa 30 Prozent nach Aussagen von S&P besteht, dass Großbritannien seine Spitzenbewertung als Staatsschuldner verlieren könne.

In diesem Jahr wurde bereits die Bonitätseinstufung der Staaten Irland, Griechenland, Portugal und Spanien gesenkt. S&P begründete seinen plötzlich negativen Ausblick für Großbritannien damit, dass die Staatsschuld schneller steige als noch im Januar angenommen. Damals hatte die Ratingagentur errechnet, dass die Gesamtstaatsschuld Großbritanniens von derzeit 53 Prozent bis zum Jahr 2013 auf 83 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen werde. S&P kalkuliert nun jedoch, dass die britischen Staatsschulden wegen der Kosten der Bankenrettungen, der niedrigeren Steuereinnahmen und der begrenzten Möglichkeit, angesichts der Rezession die Staatsausgaben zu drosseln, auf fast 100 Prozent im Jahr 2013 steigen werden. "Eine Staatsschuld in dieser Höhe wäre, wenn sie anhält, unvereinbar mit einem AAA von S&P", warnte die Ratingagentur am Donnerstag. Normalerweise gilt eine Staatsschuld von mehr als 70 Prozent als unvereinbar mit der Höchstbonität für Staatsschulden, wiewohl die Vereinigten Staaten knapp darüber liegen.

Unklar, ob Staatsschulden gesenkt werden können

Die amerikanische Ratingagentur Moody's hatte indessen nach Vorlage des Haushaltes im April bestätigt, dass das Rating Großbritanniens "stabil" bleibe. Es sei entscheidend, dass das Land die Möglichkeit und den Willen habe, die hohe Staatsschuld auf Dauer abzutragen. Erst wenn sich zeige, dass eine neue Administration die Staatsschuld nicht reduzieren werde, sei das Rating gefährdet.

Standard & Poor's indessen geht einen Schritt weiter. Die Agentur räumt ein, dass zwar über alle britischen Parteien hinweg die Einsicht vorhanden sei, dass eine straffere Fiskalpolitik durchgesetzt werden müsse. Es sei aber unklar, ob eine neue Regierung nach der Wahl Mitte nächsten Jahres in der Lage sei, die Staatsschulden nachhaltig zu senken, was von der Konjunkturlage, den Kosten der Bankenrettungen, den Steuereinnahmen und Staatsausgaben abhänge. "Das Rating könnte gesenkt werden, wenn die nächste Regierung nicht einen klaren Konsolidierungsplan vorlegt, der deutlich aufzeigt, wie schnell die Staatsschulden mittelfristig abgetragen werden", sagt S&P.

Eine gute Einstufung der Bonität durch die Ratingagenturen ist für ein Land wichtig, denn das Rating bestimmt nicht nur die Refinanzierungskosten für den Staat, sondern auch die Risikoprämie für alle anderen Kreditformen, die sich auf die Finanzmarkteinschätzung der Staatsschuld beziehen. Sofort nach der Meldung von S&P verteuerte sich daher die Risikoabsicherung britischer Staatsanleihen um 5 Basispunkte auf 78,5 Punkte. Zudem stiegen britische Staatsanleihen und Unternehmensanleihen um eine entsprechend höhere Risikoprämie in der Rendite. Der Wechselkurs des Pfund verlor gegenüber allen Währungen an Wert. Ein Pfund kostete nurmehr 1,1357 Euro. Auch erhielt der Aktienmarkt einen Dämpfer, allerdings bei einer insgesamt schlechteren Stimmung an den weltweiten Finanzmärkten am Donnerstag.

Staatsschulden auf mindestens 80 Prozent des BIP

Welche schmerzvollen Konsequenzen die hohe Staatsschuld für die britische Bevölkerung bedeutet, errechnete unterdessen PriceWaterhouseCoopers. Langfristig kommen auf den Staat nämlich auch noch die gewaltigen Kosten der alternden Bevölkerung hinzu, und dies zu einer Zeit, in der die derzeit angesammelten Staatsschulden noch nicht abgetragen wurden. So habe die britische Regierung zwar bis zum Jahr 2018 fiskalpolitisch straffere Maßnahmen in Höhe von 6,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes einberechnet. Selbst dann aber werde sich die Staatsschuld immer noch auf mindestens 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes belaufen.

Um diesen Umfang in den kommenden 20 bis 40 Jahren wieder auf ein akzeptables Niveau von 40 bis 50 Prozent senken zu können und für die hohen Kosten der Rentnergeneration aufzukommen, müssten zusätzliche Steuererhöhungen und/oder Ausgabenkürzungen in Höhe von 1,7 bis 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes veranschlagt werden. Dies wären im Jahr 2018 etwa 4600 bis 5000 Pfund jährliche Zusatzbelastungen für jeden britischen Haushalt.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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