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Ratingagentur Egan-Jones „Portugal fällt auf jeden Fall“

 ·  Die amerikanische Ratingagentur Egan-Jones steht im Schatten der großen Konkurrenten. Agentur-Chef Sean Egan über die nächsten Pleiten, eine zweite Umschuldung für Athen und den Wettstreit mit Moody’s & Co.

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© Röth, Frank Vergrößern „Das Drama steuert erst noch auf seinen Höhepunkt zu“

Herr Egan, geben Sie es zu: Sie mögen Europa nicht.

Wie kommen Sie denn darauf? Ich kann zwar meist nicht lange bleiben, aber besonders der Frühling in Europa gefällt mir sehr.

Mit Europas Regierungen gehen Sie weniger zahm um. Ihre Ratingagentur hat sogar die Kreditwürdigkeit Deutschlands herabgestuft. Warum so streng?

Sie glauben doch nicht, dass Deutschland davonkommen wird. Welcher Staat hat denn als einziger in Europa noch die Kraft, für die Verluste Südeuropas einzustehen? Es sind die deutschen Steuerzahler, die am Ende draufzahlen müssen, da bin ich mir sicher. Und bei einer solchen Belastung kann Deutschland unmöglich seine Bestnote behalten.

Übertreiben Sie da nicht? An den Märkten herrscht doch Ruhe, seit die Europäische Zentralbank die Banken zu Niedrigzinsen mit Krediten versorgt.

Zugestanden: Diese massive Kapitalspritze der Europäischen Zentralbank hat die Marktteilnehmer kurzfristig besänftigt, die Anleihezinsen in vielen Problemstaaten sinken. Aber was wir zurzeit erleben, ist eine äußerst trügerische Ruhe. Die EZB hat den Kollaps des Systems nur herausgezögert, verhindern kann sie ihn nicht. Vergessen Sie nicht: Kapitalspritzen lassen sich nicht ewig verabreichen, Schulden nicht einfach so wegzaubern - am Ende muss immer jemand die Verluste tragen.

Sie rechnen also mit weiteren Staatspleiten im Euroraum? Bislang haben die Regierungschefs dies doch immer ausgeschlossen.

Schauen Sie sich den Verlauf der Euro-Krise an: Die Regierungschefs haben schon so vieles ausgeschlossen - und am Ende ist es immer genau dazu gekommen. So war es bei der Umschuldung Griechenlands, so wird es auch bei anderen angeschlagenen Eurostaaten sein. Das Drama steuert erst noch auf seinen Höhepunkt zu. Portugal trifft es auf jeden Fall, daran habe ich keinen Zweifel. Wenn die Wirtschaft eines Landes so stark schrumpft und gleichzeitig die Zinskosten für Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit bei rund zehn Prozent liegen, ist eines klar: Das ist ein unhaltbarer Zustand.

Auch Spanien musste in der vergangenen Woche wieder höhere Zinsen für seine Anleihen bieten.

Dies zeigt, wie kurzfristig der Effekt der EZB-Maßnahmen ist. Am Grundproblem hat sich dadurch nämlich nichts geändert: In Spanien fehlt es an Wachstum, das Gleiche gilt für Italien. Wenn die Euro-Krise nur ein wenig wieder aufflammt, geraten beide Länder unausweichlich in dieselbe Lage wie Portugal. Und noch ein Wort zu Griechenland: Die aktuelle griechische Umschuldung war mit großer Sicherheit nicht die letzte.

Meinen Sie das ernst? Die Gläubiger mussten doch gerade auf den Großteil ihres Geldes verzichten. 

Verzeihen Sie den Vergleich, aber bei der Lage in Griechenland muss ich immer an die Bibel denken. Gott offenbart sich dort auch erst nach und nach: Im Alten Testament weiß man noch recht wenig über ihn, erst im Neuen Testament wird das Bild klarer. Ein wenig erinnert das an Griechenland. Erst nach und nach beginnt die Finanzwelt, die dortige Situation wirklich zu durchschauen. Die unangenehme Wahrheit ist: Trotz der vielen Hilfspakete wird Griechenland weiter auf einem Schuldenberg sitzenbleiben, den es langfristig nicht bedienen kann. Auch wenn ich nicht sofort damit rechne: Da hilft nur ein weiterer Schuldenschnitt. Am Ende werden Investoren bis zu 95 Prozent Verlust hinnehmen müssen, fürchte ich.

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