11.07.2011 · Heftig sind die Attacken gegen die etablierten Rating-Agenturen wegen ihrer Ansichten über Südeuropas Krisenstaaten. Doch ändern lässt sich an dem Markt auf die Schnelle nichts - zumindest nicht zum Besseren.
Von Martin HockRichtlinien für Lesermeinungen
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Wer ist der Gewinner, wenn Europa sich streitet?
Mit dem Euro subventioniert Deutschland im Endeffekt seine Mittelstandunternehmen. Könnte Italien abwerten, könnte dies zu einem Massensterben deutscher Betriebe führen.
Bei Wiedereinführung der D-Mark könnte diese so hart wie der Schweizer Franken werden, wodurch alle exportbezogenen Industrien, die noch in Deutschland produzieren, Deutschland wohl endgültig verlassen müssen. Das wäre allerdings perfekt für Amerika, das dann seine Waren endlich wieder besser auf dem Weltmarkt verkaufen kann.
Ich lach mich kaputt: Hier behaupten doch einige Teilnehmer, durch den
Einsatz der Rating Agenturen bekäme man - immerhin - Einblick in eine Bewertung
eines Unternehmens, Staats, Anleihe etc. pp.. Die Rating Agenturen sind durchweg
privat organisiert und unterliegen keinerlei Objektivität. Insbesondere kann fast jedes
Unternehmen /Staat - gegen Honorar - ein Rating beauftragen und bekommt in den
meisten Fällen die gewünschte Bonität. Hiervon mache alle Banken regen Gebrauch,
so daß sich u.a. Anleihen bestens verkaufen lassen. Nach der Finanzkrise hätte das
Geschäftsgebaren der Ratingagenturen durch die US Finanzaufsicht überprüft werden
müssen. Nur mittlerweile sind sie zu groß u. mächtig. Und Amerika schon halb unter
Wasser! In Europa besteht dringender Handlungsbedarf.
mit diesem durchsichtigen Manoever schiesst sich die Politik die letzte Kugel ins eigene Bein. Ein HOCH auf die Ratingagenturen, die sich weder von Trichet noch Merkel und Co. beluegen lassen wie etwa der gemeine Waehler. Haben die auch Housing-Bubble und Lehman verschlafen, diesmal sind sie vorne weg dabei und passen auf! Selbstverstaendlich war es richtig Portugal herunterzustufen, das Risiko ist enorm, wenn Griechenland kieloben schwimmen sollte und die Politik versagt seit mehr als einem Jahr bei der Suche nach Loesungen. Griechenland und andere muessen Euroland verlassen. Es wird gar nichts geschehen und alles besser, wenn das endlich passiert. Die einzig echte Bedrohung sind die Politiker, die ihre Fehler nicht einsehen wollen!
Warum soll ich fuer die Schuldverschreibungen gefaehrlich belasteter Laender keinen marktwuerdigen Zins kassieren? Versuchts wie die Chinesen mit Zwangsversteigerungen und das Geld geht endgueltig ueber die Grenze. Zu denken, dass Planwirtschaftler wie Steinbrueck den Schweizern die Kavallerie schicken wollten... Laecherlich!
Nicht die Rating-Agenturen sind das Problem, sondern ...
Die Kritik an den Ratingagenturen ist ein Musterbeispiel für ein "Haltet den Dieb!".
Ratingagenturen sind Informationsquellen. Ratingagenturen und der Wettbewerb von Ratingagenturen - als Teil der öffentlichen Kommunikation - dienen letztlich der Transparenz, unabhängig davon, welchem Interesse sie verpflichtet sind oder wer sie bezahlt. Sie sind, in welchem System auch immer sie installiert sind, ein Element der Systemöffnung.
Wer allerdings sein Handeln von Rating-Agenturen abhängig macht und bestimmen lässt, delegiert seinen Verstand und sein Denken an andere.
Zu kritisieren sind daher nicht Rating-Agenturen, sondern diejenigen, die ihr Handeln von Rating-Agenturen bestimmen lassen und sich unmündig nicht Ihres eigenen Verstandes bedienen.
Der Bote wird geschlachtet. Aber ist der Bote wirklich unschuldig?
Zur Aussage des OECD-Ökonomen ("Die Agenturen verschärften wirtschaftliche Krisen durch sich selbst erfüllende Prophezeiungen..."): das Konzept der Staaten, Kreditzinsen mit neuen Schulden bedienen zu wollen, ist ein klassisches Schneeballsystem und kann sich nur solange aufrechterhalten, wie es genug Dumme gibt, die dieses unverantwortliche Spiel mitmachen. Und wie immer bei einem Schneeballsystem bedarf es nur einer Stimme, die den Weckruf ausgibt, um diesem Treiben ein Ende zu setzen. Von daher ist der Ruf tatsächlich die selbserfüllende Prophezeihung... und es ist gut so. ABER, sehr geehrter Herr Padoan, deshalb sind die Ratingagenturen NICHT die Schuldigen, oder?
Allerdings ist ein anderer Aspekt interessant: die Frage nach der Verlässlichkeit der Einstufungskriterien, und der Neutralität gegenüber bewerteten Firmen und Ländern. Was mir diesbezüglich jemand erklären sollte, ist, warum Fitch Minnesota von AAA lediglich auf AA+ herabgestuft hat, wo doch der Staat bereits zahlungsunfähig sein soll.
Da gingen die Südländer den VS-amerikanischen Bankkartellen schön auf den Leim
Durch deren betrügerische Bewertungsgesellschaften bekamen die Länder, trotz fehlender Wirtschaftskraft und stetig wachsenden Schulden, bis vor ein, zwei Jahren die höchste Kreditwürdigkeit bescheinigt und konnte sich so Unsummen leihen; man wußte wohl, daß die Südländer diese Schulden niemals begleichen werden könnten und notwendig - früher oder später – unter der wachsenden Schuldenlast zusammenbrechen mußten; man wußte aber auch, daß Staaten wie Deutschland oder Finnland, dank dem inflationären Spielgeld Euro, für die Schulden der Griechen haften müßten, zumindest Deutschland, weil es eben von einer willfährigen und würdelosen VS-amerikanischen Marionettenregierung beherrscht wird.
Leider waren die Südländer töricht genug, um in diese Falle zu tappen; und schwer werden sie es büßen: Wirtschaftliches Chaos, die Verschleuderung des Staatsbesitzes, gar politische Wirren bis hin zum Bürgerkrieg und Verelendung sind der Preis für diese Unachtsamkeit.
Während es den Bankenkartellen so gelungen ist die Bewohner des Goldesels Deutschland um ihre Ersparnisse, ihr Vermögen und um ihr Einkommen zu bringen, welches nun dem Schuldendienst und den Zahlungsausfällen geopfert wird.
Seit wann ist der Radiologe für das gebrochene Schienbein verantwortlich?
Mag ja sein, daß die Ratingagenturen einige kapitale Fehler gemacht haben (Triple-A kurz vor Lehman-Feierabend), aber das empörte Aufjaulen der EU-Pleitiers ist doch ein bißchen sehr durchsichtig.
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