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Rating-Abstufung Das japanische Menetekel

Die Herabstufung der Bonitätsnote Japans beeindruckte die Märkte kaum. Noch finanzieren die Bürger die immensen Schulden des Landes. Doch die hartnäckige Deflation erscheint zunehmend wie ein Menetekel.

© REUTERS Japan altert der Welt vorweg

Es kann kaum überraschen: Die Rating-Agentur Moody's hat die Bonitätsnote Japans gesenkt und beurteilt die Kreditwürdigkeit des Landes nunmehr mit „Aa3“ statt „Aa2“, mithin immer noch der viertbesten Note, die die Agentur zu vergeben hat. Damit befindet sich Japan in guter Gesellschaft: Etwa der von Chile oder China, Ländern also, um deren Kreditwürdigkeit sich die wenigsten Anleger Sorgen machen.

Martin Hock Folgen:

Dass es indes mit Japan nicht so weit her ist, zeigt die Tatsache, dass Moody's das Land damit hinter Slowenien, Italien und Spanien und sogar zwei Noten unter Belgien einordnet, Staaten also, um deren Bonität sich die Anleger doch wieder schon ihrer Gedanken machen.

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Nur Zimbabwe hat mehr Schulden

Maßgeblich für die Entscheidung sei auch die anhaltende politische Instabilität in Tokio gewesen, die den Analysten Sorgen macht, dass Japan seiner riesigen Schulden nicht Herr wird. Angesichts der Zerstrittenheit in der Regierungspartei DPJ sowie der Patt-Situation im Parlament könnte die Regierung nicht in der Lage sein wird, die geplante Steuerreform anzupacken. Die Opposition hält die Mehrheit im Oberhaus und kann damit Gesetzesvorhaben der Regierung erschweren.

Infografik / Staastverschuldung Japan 240811 © F.A.Z. Vergrößern

Grund der schlechteren Einstufung sind letztlich das hohe Haushaltsdefizit sowie die Staatsschulden. Das Ausmaß der japanischen Schulden sucht in der Welt Vergleichbares. Nach Daten der OECD betrug sie brutto zu Jahresbeginn 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und dürfte zum Jahresende 213 Prozent erreicht haben. Selbst Griechenland kommt mit 147 Prozent zu Jahresbeginn da nicht heran. Nach Angaben aus dem CIA World Factbook wird die japanische Staatsverschuldung nur noch von Zimbabwe (234 Prozent) übertroffen. Griechenland kommt nach den karibischen Inseln Saint Kitts and Nevis nur auf Platz 4.

Den Sprung an die Spitze der Schuldenländer innerhalb der OECD tat Japan erstmalig im Jahr 1999, als das Land Belgien und Italien überholte. Während die Verschuldung Italiens sich seitdem nicht wesentlich veränderte und die Belgiens sogar sank, stieg die Japans unaufhörlich weiter und ist seit 1993 um das 2,7fache gestiegen. Damals rangierte Japan mit einer Verschuldung von 74 Prozent des Bruttoinlandsprodukts noch hinter Schweden und nur knapp vor den Vereinigten Staaten.

Der Staat leiht sich von den Bürgern

Der massive Schuldenanstieg begann im Gefolge der japanischen Immobilien- und Finanzkrise zu Beginn der Neunziger Jahre, der eine lang anhaltende Bankenkrise folgte und durch die Japan in eine chronische Deflation abrutschte. Dies war Folge einer zunächst zögerlichen Haltung bei den Ausgaben, die zu einer Verfestigung der Krise führten. Die Folge war eine wirkungslose Schuldenspirale aus der es jetzt kaum noch ein Entkommen gibt. Denn fährt der Staat die Ausgaben zurück und erhöht er die Steuern, so würde dies deflationäre und depressiv wirken, was die Krise weiter verfestigen würde mit der Folge, dass eine Lösung der Schuldenproblematik auf diesem Weg kaum noch möglich erscheint.

Der Staat konnte sich das Ausgabeverhalten bisher nur leisten, weil die japanischen Sparer eine sehr hohe Sparquote hatten - die aber gleichzeitig Mitverursacher der Krise war, da so der Konsum nicht in Gang kam. Das geht nicht zuletzt darauf zurück, dass Japan die älteste Bevölkerung der Welt hat, sieht man einmal von Monaco ab. Diese spart zum einen mehr, zum anderen investiert sie vorzugsweise in (vermeintlich) sichere Anlagen, so dass Japan vor allem im Inland verschuldet ist.

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